Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.01.2016

17:21 Uhr

Schwere Rezession

Brasilien kämpft mit ausuferndem Preisanstieg

Während in Europa die Preise kaum steigen, schießen sie in Brasilien regelrecht in die Höhe. Das Land kämpft mit einer Teuerungsrate von 10,6 Prozent. Kann Zentralbankchef Alexandre Tombini die hohe Inflation stoppen?

Der Absturz des Ölpreises sowie der Korruptionsskandal um den staatlichen Ölkonzern Petrobras belasten die brasilianische Wirtschaft. Reuters

Höchste Inflation seit 12 Jahren

Der Absturz des Ölpreises sowie der Korruptionsskandal um den staatlichen Ölkonzern Petrobras belasten die brasilianische Wirtschaft.

BrasiliaIn dem von einer tiefen Wirtschaftskrise erfassten Schwellenland Brasilien läuft die Inflation aus dem Ruder. Im abgelaufenen Jahr schoss sie auf 10,6 Prozent in die Höhe, wie die Statistikbehörde IBGE am Freitag mitteilte. Das ist der höchste Wert seit mehr als einem Jahrzehnt. 2014 lag sie bei 6,4 Prozent. Steuererhöhungen, üppige Staatsausgaben und Kosten durch Schäden infolge des Klimaphänomens „El Nino“ trieben die Teuerung nach oben. Die Preise für Nahrungsmittel zogen um mehr als zwölf Prozent an. Die Währungshüter um Zentralbankchef Alexandre Tombini werden laut Experten am 20. Januar wahrscheinlich den Leitzins erhöhen, der derzeit bei 14,25 Prozent liegt. Die Notenbank will die Inflationsrate bis Ende des Jahres unter einem Wert von 6,5 Prozent drücken.

Brasilien steckt in der tiefsten Rezession seit mehr als einem Jahrhundert. Hauptgrund dafür ist der Preisverfall am Rohstoff-Markt, etwa beim Öl. Zudem hat der größte Korruptionsskandal in der Geschichte des Landes um den Energiekonzern Petrobras das Vertrauen in die Wirtschaft erschüttert. Das Parlament wird voraussichtlich im März über eine mögliche Amtsenthebung von Präsidentin Dilma Rousseff entscheiden. Ihr wird vorgeworfen, Steuergesetze verletzt und Staatsfinanzen manipuliert zu haben, um ihren Wahlkampf zu finanzieren.

Inflationsrisiken

Lohn-Preis-Spirale

Wegen der guten Konjunktur haben die Gewerkschaften kräftige Lohnerhöhungen durchgesetzt: Die Chemie-Beschäftigten bekommen 4,5 Prozent, die Metaller 4,3 Prozent mehr Geld, mit einer Laufzeit von rund einem Jahr. Die Beschäftigten bei Bund und Kommunen handelten ein Plus von 6,3 Prozent für zwei Jahre aus. Unternehmen und Staat werden versuchen, die höheren Personalkosten aufzufangen, indem sie ihre Preise beziehungsweise Gebühren und Abgaben anheben. Verteuert sich die Lebenshaltung dadurch merklich, werden die Gewerkschaften in der nächsten Lohnrunde einen Ausgleich verlangen. Es droht eine Spirale, bei der sich Löhne und Preise gegenseitig nach oben schaukeln.

Lockere EZB-Geldpolitik

Bei ersten Anzeichen für eine Lohn-Preis-Spirale müsste die EZB ihre Zinsen anheben. Mit teurerem Geld kann sie Konsum und Investitionen drosseln, was die Nachfrage und damit den Preisauftrieb dämpfen könnte. Aus Rücksicht auf die schwere Wirtschaftskrise in Ländern wie Spanien wird die Zentralbank ihren Leitzins aber wohl noch längere Zeit auf dem Rekordtief von einem Prozent lassen - oder sogar weiter senken. Die extrem niedrigen Zinsen aber können den Konsum im prosperierenden Deutschland weiter befeuern und die Preise anheizen.

Schwacher Euro

Wegen der eskalierenden Schuldenkrise steht der Euro unter Abwertungsdruck. Mit rund 1,25 Dollar ist er so billig wie seit Sommer 2010 nicht mehr. Das Problem: Deutschland als rohstoffarmes Land muss Öl, Metalle und andere Materialien im Ausland kaufen. Auf dem Weltmärkten werden die Rohstoffe überwiegend in Dollar abgerechnet. Ein schwächerer Euro macht damit deutsche Importe teurer.

Enorme Liquidität

Zusätzliche Gefahren gehen von der Politik der Europäischen Zentralbank aus, den Finanzhäusern billiges Geld in Hülle und Fülle zur Verfügung zu stellen. Allein Ende 2011 und Anfang 2012 hat sie mehr als eine Billion Euro zum Zins von aktuell einem Prozent für drei Jahre in den Finanzsektor gepumpt. Zieht die Kreditvergabe an die Unternehmen erst einmal an, kann das viele Geld schnell in Inflation münden.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×