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23.09.2014

13:10 Uhr

Seit Sommer 2010

Niedrige Inflation stärkt Kaufkraft der Deutschen

Das Leben in Deutschland verteuerte sich so gering wie seit dem Sommer 2010 nicht mehr. Das freut die Verbraucher, die dank steigender Löhne in bester Konsumlaune sind. Die höchsten Gehälter erhielten Banken-Mitarbeiter.

Die deutschen Arbeitnehmer haben wieder mehr Geld in der Tasche – dank der niedrigen Inflation. dpa

Die deutschen Arbeitnehmer haben wieder mehr Geld in der Tasche – dank der niedrigen Inflation.

BerlinDie deutschen Arbeitnehmer profitieren von der geringen Inflation. Die Reallöhne lagen zwischen April und Juni 1,2 Prozent höher als im zweiten Quartal 2013, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Dabei stiegen die Nominallöhne um 2,3 Prozent, während die Verbraucherpreise im Schnitt nur um 1,1 Prozent anzogen. Damit verteuerte sich das Leben in Deutschland so gering wie seit dem Sommer 2010 nicht mehr. Im vergangenen Jahr waren die Reallöhne sogar um 0,1 Prozent gesunken und somit erstmals seit der Rezession 2009. Grund war, dass die Inflation das Lohnplus auffraß.

Den Lohnanstieg im Frühjahr begründeten die Statistiker mit einem Plus sowohl bei den regelmäßig gezahlten Verdienstbestandteilen als auch bei den Sonderzahlungen. Die Nominallöhne im Produzierenden Gewerbe seien mit 3,2 Prozent stärker gestiegen als bei den Dienstleistern mit 1,9 Prozent. „Ein Grund dafür waren hohe Tarifabschlüsse im Bereich der Metallindustrie.“ Diese führten bei der Herstellung von Metallerzeugnissen (plus 5,4 Prozent) und im Maschinenbau (plus 6,3 Prozent) zu überdurchschnittlichen Lohnzuwächsen.

Inflationsrisiken

Lohn-Preis-Spirale

Wegen der guten Konjunktur haben die Gewerkschaften kräftige Lohnerhöhungen durchgesetzt: Die Chemie-Beschäftigten bekommen 4,5 Prozent, die Metaller 4,3 Prozent mehr Geld, mit einer Laufzeit von rund einem Jahr. Die Beschäftigten bei Bund und Kommunen handelten ein Plus von 6,3 Prozent für zwei Jahre aus. Unternehmen und Staat werden versuchen, die höheren Personalkosten aufzufangen, indem sie ihre Preise beziehungsweise Gebühren und Abgaben anheben. Verteuert sich die Lebenshaltung dadurch merklich, werden die Gewerkschaften in der nächsten Lohnrunde einen Ausgleich verlangen. Es droht eine Spirale, bei der sich Löhne und Preise gegenseitig nach oben schaukeln.

Lockere EZB-Geldpolitik

Bei ersten Anzeichen für eine Lohn-Preis-Spirale müsste die EZB ihre Zinsen anheben. Mit teurerem Geld kann sie Konsum und Investitionen drosseln, was die Nachfrage und damit den Preisauftrieb dämpfen könnte. Aus Rücksicht auf die schwere Wirtschaftskrise in Ländern wie Spanien wird die Zentralbank ihren Leitzins aber wohl noch längere Zeit auf dem Rekordtief von einem Prozent lassen - oder sogar weiter senken. Die extrem niedrigen Zinsen aber können den Konsum im prosperierenden Deutschland weiter befeuern und die Preise anheizen.

Schwacher Euro

Wegen der eskalierenden Schuldenkrise steht der Euro unter Abwertungsdruck. Mit rund 1,25 Dollar ist er so billig wie seit Sommer 2010 nicht mehr. Das Problem: Deutschland als rohstoffarmes Land muss Öl, Metalle und andere Materialien im Ausland kaufen. Auf dem Weltmärkten werden die Rohstoffe überwiegend in Dollar abgerechnet. Ein schwächerer Euro macht damit deutsche Importe teurer.

Enorme Liquidität

Zusätzliche Gefahren gehen von der Politik der Europäischen Zentralbank aus, den Finanzhäusern billiges Geld in Hülle und Fülle zur Verfügung zu stellen. Allein Ende 2011 und Anfang 2012 hat sie mehr als eine Billion Euro zum Zins von aktuell einem Prozent für drei Jahre in den Finanzsektor gepumpt. Zieht die Kreditvergabe an die Unternehmen erst einmal an, kann das viele Geld schnell in Inflation münden.

Ein vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer verdiente demnach im zweiten Quartal ohne Sonderzahlungen durchschnittlich 3518 Euro brutto im Monat. Die höchsten Gehälter erhielten im Schnitt die Beschäftigten bei Banken und Versicherungen (4689 Euro), im Bereich Information und Kommunikation (4662 Euro) sowie in der Energieversorgung (4588 Euro). Der niedrigste Lohn wurde im Gastgewerbe (2109 Euro) gezahlt.

Von

rtr

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