Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.01.2007

19:09 Uhr

Senatsanhörung

Bernanke warnt vor Finanzkrise durch Überalterung

Die Alterung seiner Bevölkerung könnte den USA nach Worten von US-Notenbankchef Ben Bernanke großen wirtschaftlichen Schaden zufügen: Die Vereinigten Staaten müssten dringend ihr Haushaltsdefizit in den Griff bekommen, um die steigenden Kosten der Sozialsysteme finanzieren zu können.

US-Notenbankchef Ben Bernanke bei seiner Anhörung vor dem Senat. Foto: ap ap

US-Notenbankchef Ben Bernanke bei seiner Anhörung vor dem Senat. Foto: ap

HB WASHINGTON. Bernanke warnte am Donnerstag bei einer Anhörung vor dem Senat. „Leider wird Wirtschaftswachstum allein das Problem der Haushaltsdefizite wahrscheinlich nicht lösen“, sagte Bernanke. Er warnte vor einem Teufelskreis aus steigenden Ausgaben und höheren Zinsen und nannte die derzeitige Situation „die Ruhe vor dem Sturm.“ Wenn nicht frühzeitig „bedeutungsvolle“ Maßnahmen ergriffen würden, „könnte die Wirtschaft ernsthaft geschwächt werden“.

Die US-Regierung und die Bevölkerung stehe deshalb vor schwierigen Entscheidungen, sagte Bernanke weiter. Je später Gegenmaßnahmen eingeleitet werden, desto größer seien die Risiken und zukünftige Generationen müssten dann einen Großteil der Kosten tragen. Die Steuersätze müssten nötige Ausgaben und Einnahmen ins Gleichgewicht bringen, forderte Bernanke. Wer niedrige Steuern fordere, müsse niedrigere Sozialleistungen in Kauf nehmen; wer viele Sozialleistungen fordere, müsse höhere Steuern akzeptieren.

Nach den Schätzungen der Haushaltsbehörde des Kongresses könnte das Verhältnis der öffentlichen Staatsverschuldung zum Bruttoinlandsprodukt von jetzt 37 Prozent auf etwa 100 Prozent im Jahr 2030 „und danach um ein Vielfältiges wachsen“, erklärte der Fed-Chef, der am 1. Februar ein Jahr im Amt ist. „Am Ende würde diese Expansion der Schulden eine Finanzkrise auslösen, der nur mit sehr starken Einsparungen bei den Ausgaben oder Steuererhöhungen oder beides begegnet werden könnte.“

US-Präsident George W. Bush will am 5. Februar einen Haushaltsentwurf mit einem Volumen von 2,9 Billionen Dollar (2,2 Billionen Euro) vorlegen - nach seinen Worten der Anfang des Weges zu einem ausgeglichenen Etat in fünf Jahren. Nach der Prognose des Weißen Hauses wird das Defizit im laufenden Fiskaljahr bei 339 Milliarden Dollar (262 Milliarden Euro) liegen, während es im vergangenen Haushaltsjahr 248 Milliarden Dollar waren. Für 2008 erwartet die Behörde nach Schätzungen ein Schrumpfen des Defizits auf 188 Milliarden. Beim Amtsantritt von Bush 2001 gab es einen Haushaltsüberschuss von 127 Milliarden Dollar.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×