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22.01.2014

18:16 Uhr

Sepa-Umstellung

EU gewährt mehr Zeit, der Bund will aber nicht

Brüssel will Unternehmen mehr Zeit geben, ihre Zahlungssysteme auf das europäische Sepa-Format umzustellen. Das stößt in Berlin sowie bei Bundesbank und Kreditinstituten auf Kritik. Sie mahnen eine rasche Umstellung an.

Die Übergangsfrist für das neue Zahlungssystem Sepa wurde um sechs Monate verlängert. Doch der Bund und die Notenbank meinen, eine Verlängerung sei in Deutschland unnötig. dpa

Die Übergangsfrist für das neue Zahlungssystem Sepa wurde um sechs Monate verlängert. Doch der Bund und die Notenbank meinen, eine Verlängerung sei in Deutschland unnötig.

BerlinBundesregierung, Bundesbank und deutsche Kreditinstitute drängen die Wirtschaft trotz Fristverlängerung weiter auf eine rasche Umstellung ihrer Banküberweisungen auf das Sepa-Format. Unternehmen, Vereine und öffentliche Verwaltungen sollten die Umstellung auf das neue einheitliche Zahlungssystem in Europa (Sepa) zeitnah abschließen, erklärten Bundesbank und Bundesregierung am Mittwoch in Berlin nach einem Treffen des „Sepa-Rates. Ziel müsse es sein, möglichst alle Zahlungen bis zum 1. Februar 2014 auf die Sepa-Formate umzustellen, heißt es.

Zuvor hatten die Brüsseler Botschafter der 28 EU-Staaten eine Vereinbarung mit dem Europaparlament gebilligt, wonach die Übergangsfrist für das neue Zahlungssystem Sepa um sechs Monate verlängert werden soll. Geldtransfers von Unternehmen und Vereinen im bisherigen Format sind damit noch bis 1. August möglich. Berlin und Notenbank hatten dies bereits kritisiert und darauf verwiesen, dass eine Verlängerung in Deutschland unnötig sei.

Die EU-Kommission hatte die Fristverlängerung vorgeschlagen, um ein Zahlungschaos in Europa zu vermeiden. Das Europaparlament und der EU-Ministerrat müssen die Vereinbarung im Februar offiziell billigen. Für Verbraucher ändert sich durch den Vorschlag der EU-Kommission nichts. Sie können wie bisher Kontonummer und Bankleitzahl bis zum 1. Februar 2016 nutzen.

Sepa steht für „Single Euro Payments Area“ - einen einheitlichen Zahlungsraum in Euro. Der Deutsche Sepa-Rat bringt den Angaben zufolge Vertreter der Kreditwirtschaft und der Endnutzer zusammen. Den Vorsitz haben Bundesbank und Bundesfinanzministerium. Das Gremium habe darauf hingewiesen, dass der Verordnungsvorschlag das Enddatum 1. Februar 2014 für die Sepa-Verordnung nicht aufhebe.

Die Bundesbank im Überblick

Aufgaben

Die Bundesbank ist Teil des Eurosystems und damit mitverantwortlich für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie ist die Zentralbank und damit die "Bank der Banken" - bei ihr müssen Banken Mindestreserven einzahlen, um ihr Bankgeschäft betreiben zu dürfen.

Im Auftrag der EZB werden auch Überweisungen abgewickelt und Bargeld gedruckt und verteilt.

Ein weiteres wichtiges Gebiet ist die Überwachung von Banken und ihren Geschäften sowie die Beobachtung der Großwetterlage der Konjunktur und Finanzmärkte.

Verhältnis zur Europäischen Zentralbank (EZB)

Die Bundesbank ist die bedeutendste Notenbank im Euro-Raum mit einem Anteil am eingezahlten Kapital der EZB in Höhe von etwas mehr als 27 Prozent. Viele Dienstleistungen wie der Aufkauf von Staatsanleihen oder die Lagerung von Bargeld-Notreserven erfolgen im Auftrag der EZB.

Jahresüberschuss

Der Überschuss der Bundesbank steht dem Finanzministerium zu. Im Jahr 2012 gab es einen Gewinn in Höhe von 664 Millionen Euro (Vorjahr: 643 Millionen Euro).

Goldbestände

Zu den Währungsreserven der Bundesbank zählen auch Goldbestände. Sie belaufen sich auf 3391 Tonnen und werden von der Bundesbank mit einem Wert von 137,5 Milliarden Euro bilanziert.

Das Gold lagert in Frankfurt (1036 Tonnen), New York (1536 Tonnen), London (445 Tonnen) und Paris (374 Tonnen). Die Goldbestände in Paris sollen nach Deutschland geholt werden.

Mitarbeiter

10.825 Mitarbeiter (9.543 Vollzeitstellen), davon 5417 Beamte und 5408 Tarifbeschäftigte

Standorte

Die Zentrale der Bundesbank ist in Frankfurt. Es gibt außerdem neun Hauptverwaltungen und 41 Filialen, 2011 waren es noch 47 Filialen. Ein weiterer Abbau auf 35 Filialen ist beschlossen – dicht gemacht werden noch Bayreuth, Bremen, Dresden, Gießen, Kiel und Lübeck.

Die Außenstellen sind unter anderem für Bargelddienstleistungen zuständig, entsenden aber auch Prüfer in Banken.

Auch bleibe es dabei, dass bei Sepa-Zahlungen in Deutschland ab dem 1. Februar 2014 der BIC (Business Identifier Code) nicht mehr angegeben werden müsse. Diese Zahlungen könnten dann allein mit der IBAN (International Bank Account Number) erfolgen, hieß es.

Die deutsche Kreditwirtschaft werde Voraussetzungen schaffen, dass Banken und Sparkassen notfalls noch solche Zahlungen abwickeln können, die von Unternehmen, Vereinen und öffentlichen Verwaltungen nach dem 1. Februar 2014 im Altformat eingereicht werden, hieß es. In diesen Fällen erfolge die Zahlungsabwicklung auf Grundlage aller bis zum 31. Januar 2014 bestehenden vertraglichen Vereinbarungen.

Auch bereits erteilte Einzugsermächtigungen blieben wirksam, wird in der Mitteilung betont. Ob Kundeneinreichungen im Altverfahren angenommen werden, entscheide die jeweilige Bank. Das Lastschriftverfahren per Abbuchungsauftrag werde aber zum 1. Februar 2014 eingestellt, heißt es weiter.

Von

dpa

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