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31.10.2013

15:58 Uhr

Sinkender Preisdruck

Niedrige Inflationsrate ruft EZB auf den Plan

Heizöl, Benzin und Strom sind billig wie lange nicht mehr. Die Inflationsrate sinkt auf ein Vier-Jahres-Tief. Die Märkte fürchten schon die Deflation und rechnen mit einem Eingriff der EZB. Die signalisiert Bereitschaft.

Als wichtigster Grund für die niedrige Inflation gilt die schwache Konjunktur im Währungsraum. dpa

Als wichtigster Grund für die niedrige Inflation gilt die schwache Konjunktur im Währungsraum.

Luxemburg/ BrüsselDer deutlich sinkende Preisdruck in der Euro-Zone bietet der Europäischen Zentralbank Spielraum für eine weitere Lockerung der Geldpolitik. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im Oktober nur noch um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das Statistikamt Eurostat am Donnerstag in einer ersten Schätzung mitteilte. Eine niedrigere Inflationsrate gab es zuletzt im November 2009. Der Preisdruck ist damit weit schwächer als es der EZB lieb sein kann, die eine Inflationsrate von knapp unter 2,0 Prozent anstrebt.

Dies löste an den Märkten Spekulationen aus, die Zentralbank könne gegensteuern und die Geldschleusen noch weiter öffnen. Signale kamen vom österreichischen Ratsmitglied Ewald Nowotny. Die EZB will Banken demnach mit frischem Geld versorgen, bevor langfristige Kreditlinien im Volumen von mehr als einer Billion Euro auslaufen: „Es ist klar, dass Liquidität bereitgestellt wird“, sagte Nowotny dem TV-Sender CNBC.

Der Devisenmarkt reagierte umgehend auf die niedrigen Inflationsdaten, die eine Woche vor der nächsten Zinssitzung der EZB besonders beachtet wurden: Der Euro fiel auf 1,3615 Dollar von zuvor 1,3690 Dollar. Hinzu kommt, dass auch die Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone auf Rekordniveau bleibt: Die Daten seien ein „übles Duo“, meint Ökonom Jeremy Stretch von CIBC. Diese ungute Kombination aus schwachem Preisdruck und hoher Arbeitslosigkeit sei geeignet, die EZB auf den Plan rufen.

Die Inflationszahlen überraschten selbst Experten: Im September lag die Teuerungsrate noch bei 1,1 Prozent. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes war in Deutschland im Oktober die Jahresteuerung von 1,4 Prozent im Vormonat auf 1,2 Prozent gesunken. Die Daten der Luxemburger Statistiker unterscheiden sich wegen unterschiedlicher Berechnungsmethoden von denen der nationalen Statistikbehörden. Als Gründe für den Rückgang beim Heizöl gilt das relativ milde Wetter zum Start der Heizsaison. An den Tankstellen sind die Preise nach Angaben von Volkswirten niedrig, weil der Ölpreis stabil und der Euro stark ist, zudem ist die Nachfrage nach Benzin jahreszeitlich bedingt niedrig.

Von Reuters befragte Ökonomen hatten erneut mit einer Rate auf diesem Niveau gerechnet. Die EZB will sie unter, aber nahe der Marke von zwei Prozent halten. Dass die Inflation nun so weit unten den Zielwert abgerutscht ist, dürfte den Währungshütern vor ihrer nächsten Zinssitzung erhebliches Kopfzerbrechen bereiten. Abschreckendes Beispiel ist Japan, das vor anderthalb Jahrzehnten in eine Deflation rutschte. Dieser Teufelskreis aus fallenden Preisen und sinkenden Investitionen hemmt die Wachstumskräfte des Landes bis heute. Nur dank hoch dosierter Geldspritzen der Notenbank stieg die Jahresteuerung im September auf 0,7 Prozent und damit auf dasselbe Niveau wie im Euro-Raum.

Kommentare (30)

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Account gelöscht!

31.10.2013, 15:03 Uhr

Das liegt aber nur am Warenkorb...
Kauft mal ne Immobilie. Ein Auto. Oder nur 5kg Kartoffeln!

Rechner

31.10.2013, 15:33 Uhr

'Dissident' sagt
---------------------
Das liegt aber nur am Warenkorb...
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Es liegt immer am Warenkorb.

Bloß was verleitet Sie zu der Vermutung, daß der eurostat-Warenkorb unrealistisch wäre?

+++

'Dissident' sagt
---------------------
Kauft mal ne Immobilie. Ein Auto. Oder nur 5kg Kartoffeln!
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Ach Gottchen - 'mal wieder jemand mit seinem "Privatwarenkorb".

...

Was die Immobilien anbetrifft, sind die Preise für gewerbliche Immoblien in den letzten Jahren gefallen.

Und ebenso die für Wohnimmobilien außerhalb von Ballungszentren.

Bloß da, wo viele inzwischen glauben unbedingt wohnen zu müssen, sind sie gestiegen.

... es war eben schon immer etwas teurer, einen neumodischen Geschmack zu haben.

Ein Auto in Einfachstausführung kostete Anfang der 60-er Jahre (VW-Käfer) 5000 DM. Und einen "Dacia Logan" können Sie jetzt für 7300 Euro (Liste) bestellen.

Und der ist immer noch eine deutliche Verbesserung auf den VW-Käfer:

Leistung: 75 PS (VW-Käfer: 40 PS)
Höchstgeschwindigkeit: 162 km/h (VW-Käfer: 120 km/h)
Verbrauch gesamt: 7,0 Liter/100km (VW-Käfer: 10 Liter/100km)

++++++++++++++++

Seit Anfang 2010 steigt die Geldmenge des Euro mit einer Jahresrate von ganzen 1,3%.

Die Märchen vom "Gelddruckenden Draghi" sollten Sie sich aus dem Kopf schlagen.

Account gelöscht!

31.10.2013, 16:29 Uhr

0,7 % ....

Das heißt, mit meinen Haben-Zinsen auf meinem Visa-Konto der DKB, das mit 1,05 % verzinst wird, mache ich einen echt guten Schnitt, wie gut dass ich in "Europa" wohne (und nicht in Deutschland)

Blöd, dass mein Schwager neulich eine Mieterhöhung um 19% bekommen hat. Aber was kümmert mich mein Schwager. Blöd auch für Mieter, dass Immobilienkaufpreise in 2 Jahren um 10,75 % gestiegen sind (in 125 dt. Städten, Quelle n-tv.de). Pech für meinen Schwager. Inflation ist Schicksal, sie wird nicht von Menschen verantwortet. Was kann ein Draghi denn da schon ausrichten...

Achja ich vergaß - die Zentralbank vergisst Vermögenswerte bei der Betrachtung der Preise. Die gelten halt nicht, die dürfen nicht mit in den Warenkorb. Wir müssen leider draußen bleiben. Denn Inflation ist nur das, was die Zentralbank messen möchte und nicht die Lebenswirklichkeit der Menschen. Wäre ja auch echt krank sonst.

In diesem Sinne läuft es bestens für den Italiener

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