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19.04.2011

14:37 Uhr

Solide Haushaltspolitik

Experten sehen Deutschland als US-Krisen-Profiteur

Deutschland profitiert nach Einschätzung von Beratern von Finanzminister Schäuble von den wachsenden Zweifeln an der Kreditwürdigkeit der USA. Andere EU-Staaten könnte die US-Schuldenkrise dagegen hart treffen.

Deutschlandfahnen. Quelle: dpa

Deutschlandfahnen.

Berlin/Düsseldorf"Deutschland ist der Gewinner, weil es eine Stabilitätsdividende bekommt", sagte das Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Bundesfinanzministeriums, Clemens Fuest. "Die Zinskosten werden dadurch gedrückt." Deutschland schiebt einen Schuldenberg von 2000 Milliarden Euro vor sich her. Jeder Prozentpunkt weniger an Zinsen bedeute 20 Milliarden Euro weniger Ausgaben pro Jahr, sagte Fuest.

Nach Einschätzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) genießt Deutschland aus dem Blickwinkel der Finanzmärkte den Status eines sicheren Hafens. "Die großen Fonds müssen überlegen, wo sie ihr Geld anlegen", sagte IfW-Konjunkturchef Joachim Scheide. "Wenn es zunehmend unsicher wird, sein Geld in den USA anzulegen, dann sucht man sich Alternativen - und da gehört Deutschland zu den ersten Kandidaten." Je größer die Nachfrage nach deutschen Staatsanleihen ist, desto weniger Zinsen muss der Staat an Investoren zahlen.

Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte den USA am Montag mit dem Verlust der Bestnote "AAA" für ihre Staatsanleihen gedroht. Die Zinsen für zehnjährige deutsche Rentenpapiere fielen daraufhin bis auf 3,232 Prozent, nachdem sie zu Handelsbeginn noch nahe 3,4 Prozent gelegen hatte. Vor allem große Fondanbieter müssen einen großen Teil ihres Geldes in als nahezu ausfallsicher geltende Staatsanleihen mit einem "AAA"-Rating stecken. Deutschland ist der größte Anleihenemittent in Europa: Allein der Bund plant in diesem Jahr Emissionen in Höhe von 302 Milliarden Euro.

Alle Ratingagenturen bewerten Deutschland mit der Bestnote. Der Ausblick ist stabil, womit kurzfristig auch keine Herabstufungen drohen. "Zwar ist auch bei uns die Verschuldung nicht problemlos angesichts einer Schuldenquote von mehr als 80 Prozent", sagte Scheide. "Doch im Unterschied zu anderen Ländern haben wir die Schuldenbremse, die zum Defizitabbau zwingt. Die USA haben nichts unternommen - dass da die Ratingagenturen und Märkte nervös werden, kann ich gut verstehen."

Allerdings sei es auch im deutschen Interesse, wenn die USA eine Schuldenkrise vermeiden können, sagte der in Oxford lehrende Fuest. "Die Deutschen haben auch viel Geld in den USA angelegt", sagte der Wissenschaftler. "Und es gibt ein allgemeines Interesse, das die Stabilität an den Finanzmärkten erhalten wird." Wie schnell Deutschland unter die Räder kommen könne, habe die jüngste Finanzkrise gezeigt.

Nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) könnte die negative US-Prognose die Schuldenkrise in Europa verschärfen. Zwar seien wegen der gestiegenen Nervosität an den Kapitalmärkten die ausfallbedrohten europäischen Staatsanleihen erneut unter Druck geraten, und auch der Euro habe kurzfristig schwächer notiert, sagte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner Handelsblatt Online. "Dies dürfte sich mittelfristig aber umkehren." So habe sich die US-Notenbank nicht gegen eine Monetarisierung der Staatsverschuldung durch eine etwas höhere Inflationsrate ausgesprochen, wie die angedeutete Verlängerung der liquiditätsbereitstellenden Maßnahmen zeige. "Eine Abwertung des US-Dollar ist so wohl unausweichlich", ist sich Fichtner sicher. "Für die ohnehin mit niedriger internationaler Wettbewerbsfähigkeit kämpfenden südeuropäischen Volkswirtschaften wäre die damit einhergehende Stärkung des Euro eine weitere Belastung. So könnte die angedrohte Herabstufung der US-Bonität tatsächlich eine Verschärfung der Schuldenkrise im Euroraum provozieren."

Kommentare (9)

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SparerausBW

19.04.2011, 14:42 Uhr

Der Schuldenabbau sollte angegangen werden. Der FDP sollte es nicht erlaubt werden, jetzt Kriegskassen für Steuersenkungen vor den Wahlen anzulegen.

no.7

19.04.2011, 15:24 Uhr

das gerede vom "sicheren hafen Deutschland" ist eine momentaufnahme, mehr nicht. Sollen sich die Anleihekäufer doch einmal fragen, wie es in 5, 10 oder 20 Jahren für deutschland aussehen wird ? wir sind genauso in der schuldenspirale gefangen, nur dauert es bei uns noch eine Weile, bis die zinsen ansteigen. Daß deutschland finanziell gut oder auch befriedigend dasteht, ist ein reines märchen.Der deutsche Staat wird seinen schuldenkollaps genauso erleben- nur später als der rest des Westens.

Enteignung

19.04.2011, 15:36 Uhr

Die BRD GmbH muss eh auch sehr bald "Umschulden".
Zu den 2 Billiönchen kommen ausserdem nochmal ca. 8 - 10 Billiönchen Sozialverpflichtungen hinzu.
Weder die USA noch die BRD GmbH werden diese Schulden zurückzahlen !!!!
Ein "Umschuldung" - ENTEIGNUNG der Bürger wird stattfinden - sehr bald !
Wen interessieren da ein paar Prozent mehr oder weniger Zinskosten - lächerlich !!!
Opium für das verarschte Volk....

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