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07.01.2008

08:55 Uhr

Sorge um die Konjunktur

Wirtschaft fürchtet harte Tarifrunde

VonDietrich Creutzburg und Dorit Heß

ExklusivDie Tonlage in der anstehenden Tarifrunde verschärft sich: Die Gewerkschaften stellen die höchsten Forderungen seit Jahren und drohen mit Streik. Derweil wächst in der Wirtschaft die Sorge, dass ein Ende der Bescheidenheit bei den Löhnen auch ein Ende des Aufschwungs bedeuten könnte.

Mahnt maßvolle Abschlüsse an: DIHK-Chef Ludwig-Georg Braun

Mahnt maßvolle Abschlüsse an: DIHK-Chef Ludwig-Georg Braun

BERLIN/FRANKFURT. In der Wirtschaft wächst die Sorge, dass die Tarifkonflikte des Jahres 2008 die Konjunktur gefährden. Ein Ende der Bescheidenheit könne „allzu leicht ein Ende des Aufschwungs bedeuten“, warnte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Ludwig-Georg Braun. „Daher ist es wichtig, dass die Tarifparteien mit maßvollen Abschlüssen dazu beitragen, die günstige Entwicklung am Arbeitsmarkt nicht zu beeinträchtigen“, sagte er dem Handelsblatt.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet warnte zugleich davor, durch zu hohe Lohnabschlüsse die Teuerung anzutreiben. Die gestiegene Inflation dürfe „keinen Einfluss auf die Lohn- und Preispolitik haben“, betonte er. Sonst müsse die Zentralbank einschreiten. Elga Bartsch, Ökonomin bei Morgan Stanley, warnte: Preissteigerungen durch die Mehrwertsteuererhöhung und gestiegene Ölpreise könnten nicht über die Tarifpolitik den Unternehmen angelastet werden.

Tatsächlich treten die Gewerkschaften in diesem Jahr jedoch mit rekordverdächtigen Lohnforderungen an. Im öffentlichen Dienst, wo am Donnerstag Verhandlungsauftakt ist, verlangt Verdi ein Plus von über acht Prozent, so viel wie seit 1992 nicht mehr. In der Stahlindustrie will die IG Metall ab Mitte Januar acht Prozent erreichen. Auch die Chemie-Gewerkschaft IG BCE hat mit 6,5 bis sieben Prozent ihre höchste Forderung seit Jahren gestellt. 2007 waren sieben Prozent in der Boombranche Stahl noch ein Spitzenwert.

Befeuert werden die Forderungen von der Politik. Die SPD will sich bei ihrer heutigen Vorstandsklausur für kräftige Lohnerhöhungen aussprechen. „Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland war die Entwicklung der Lohneinkommen über einen so langen Zeitraum so schwach“, heißt es in einem von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) erstellten Papier. SPD-Chef Kurt Beck forderte die Tarifparteien gestern auf einer Wahlveranstaltung auf, die vorhandenen „Spielräume“ für Lohnerhöhungen zu nutzen.

Hinzu kommt ein besonders aufgeheiztes Klima: Im öffentlichen Dienst etwa drohen die Gewerkschaften bereits vor den Gesprächen mit Streik. „Niemand sollte sich über die Entschlossenheit der Beschäftigten täuschen“, sagte Verdi-Chef Frank Bsirske dem Handelsblatt. „Hinter unserer Tarifforderung steht eine legitime Erwartung. Das werden wir nötigenfalls auch mit einem Arbeitskampf unterstreichen.“ Nach einer über Jahre unterdurchschnittlichen Einkommensentwicklung im Vergleich zur Privatwirtschaft gebe es „offensichtlichen Nachholbedarf“, betonte Bsirske. Zudem müsse die öffentliche Hand als Arbeitgeber angesichts von Fachkräftemangel attraktiver werden. Bsirske: „Wir steuern auf eine ungewöhnlich schwierige Konfliktlage zu.“

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