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30.07.2014

13:12 Uhr

Spaniens Konjunktur

Olé España!

Die Finanzkrise hat Spanien heftig getroffen, doch nun ist die Talfahrt zu Ende. Die Wirtschaft verzeichnet das schnellste Wachstum seit 2007. Doch die wirtschaftliche Entwicklung ist zweigeteilt.

In Spanien nimmt die Wirtschaft immer mehr Fahrt auf. dpa

In Spanien nimmt die Wirtschaft immer mehr Fahrt auf.

MadridSpanien windet sich mit wachsendem Tempo aus der Rezession. Im 2. Quartal lag das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 0,6 Prozent über dem 1. Quartal. Dies teilte das nationale Statistikamt INE am Mittwoch in Madrid mit. Das ist der stärkste Zuwachs seit dem Schlussquartal 2007, also seit sechseinhalb Jahren. Damit geht die viertgrößte Volkswirtschaft des Eurolandes nach mehr als zweijähriger Talfahrt wieder auf Wachstumskurs.

Die Zentralbank hatte vor einer Woche lediglich eine Rate von 0,5 Prozent genannt. Im Jahresvergleich stieg das BIP im zweiten Quartal um 1,2 Prozent. Schon im ersten Quartal hatte das spanische BIP gegenüber dem Vorquartal um 0,4 Prozent zugelegt; im Jahresvergleich war das ein Plus von 0,5 Prozent.

2013 hatte Spaniens Wirtschaftsleistung noch um 1,2 Prozent unter dem Vorjahr gelegen. Die Europäische Kommission erwartet für das laufende Jahr ein Plus von 1,1 Prozent, für 2015 sogar von 2,1 Prozent.

Spanien gehört zu den Ländern, die von der Finanzkrise heftig getroffen waren. Seit der schweren Rezession ist in dem Land mehr als jede vierte Arbeitskraft ohne Job.

Das Ende der Eurokrise?

Was bedeutet der Schritt Lissabons für die Eurozone?

Es ist ein Indiz, dass sich die Finanzlage im gemeinsamen Währungsgebiet erheblich beruhigt hat. Länder im Süden des Kontinents können sich zur Zeit zu sehr günstigen Konditionen an den Finanzmärkten Geld leihen.

Lissabon will keine Übergangshilfen mehr. Ist das realistisch?

Ja. Die EU-Kommission, die in der Troika vertreten ist, unterstützt den Beschluss für einen „sauberen Ausstieg“ ausdrücklich. „Das sorgt für eine bessere Stimmung und Vertrauen von (Finanz-)Investoren“, lautet die Devise des verantwortlichen EU-Vize-Kommissionspräsidenten Siim Kallas.

Das Vertrauen kehrt also in die Eurozone zurück?

Ja. Aber dies hat vor allem zwei Gründe. Da ist zunächst die Europäische Zentralbank (EZB). Die Notenbank versprach, den Euro um jeden Preis zu retten. EZB-Patron Mario Draghi ist auch bereit, gegen die niedrige Inflation sowie gegen die Deflation zu kämpfen. Deflation ist ein umfassender Preisverfall, der die Konjunktur ausbremsen kann.

Was ist der andere Grund?

Angesichts von Turbulenzen bei aufstrebenden Wirtschaftsriesen in Asien oder Südamerika gilt Europa wieder als ein „sicherer Hafen“ für Anleger. Aus Russland gibt es wegen der Annexion der Krim einen bedeutenden Kapitalabfluss. Nach Moskauer Schätzungen waren es allein im ersten Vierteljahr rund 50 Milliarden Euro. Von internationalen Kapitalströmen profitiert auch der krisengeschüttelte europäische Süden.

Wie ist die Lage in Griechenland?

Griechenland hat die schwere Rezession überwunden und wird wieder wachsen. Das soll auch dem angespannten Arbeitsmarkt zugutekommen. Jeder Vierte ist dort ohne Job. Athen erzielte 2013 erstmals seit langem einen Haushaltsüberschuss - ausgeblendet sind dabei jedoch der Schuldendienst und Kapitalspritzen an Banken.

Braucht Athen ein neues Rettungspaket?

Die griechische Koalitionsregierung ist dagegen. Finanzminister Ioannis Stournaras strebt aber an, Zahlungsfristen für die Hilfskredite weiter zu strecken, um dem Land Luft zu verschaffen. Entscheidungen der Eurogruppe wird es voraussichtlich erst im Herbst geben. Ende des Jahres läuft das Griechenland-Programm von europäischer Seite aus.

Wie sieht es in Zypern aus?
Viele wollen das Kapitel „Eurokrise“ abschließen. Ist das gerechtfertigt?

Nein. Es sind nach dem Willen der Brüsseler Währungshüter weitere Reformen in vielen Ländern der Eurozone nötig, um die Erholung dauerhaft abzusichern. Nach der Krise steigen die Schuldenberge der 18 Euro-Mitgliedstaaten im laufenden Jahr sogar weiter an - um einem Punkt auf 96 Prozent der Wirtschaftsleistung. In Griechenland wächst beispielsweise der staatliche Schuldenberg um zwei Punkte auf 177 Prozent. Erlaubt sind höchstens 60 Prozent. Für Entwarnung ist es also viel zu früh, sagen die Experten.

Allerdings zeigt die wirtschaftliche Entwicklung zurzeit ein zweigeteiltes Bild: Während die Wirtschaft immer mehr Fahrt aufnimmt, fallen die Verbraucherpreise wieder zurück. Ausschlaggebend dafür dürften vor allem schwache Lohnerhöhungen infolge der hohen Arbeitslosigkeit und geringe Preissteigerungen der Unternehmen wegen einer zurückhaltenden Binnennachfrage sein. In der Folge gingen die Verbraucherpreise – berechnet nach europäischem Standard (HVPI) – im Juli zum Vorjahresmonat um 0,3 Prozent zurück. Dies teilte das INE ebenfalls am Mittwoch . Damit liegt die Inflationsrate so niedrig wie seit Oktober 2009 nicht mehr.

Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt für den gesamten Euroraum eine Rate von knapp zwei Prozent an. Dieses Ziel wird seit über einem Jahr deutlich unterschritten.

Von

dpa

Kommentare (8)

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G. Nampf

30.07.2014, 13:56 Uhr

Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling und eine Steigerung von sehr niedrigem Niveau ist einfach.

Account gelöscht!

30.07.2014, 14:38 Uhr

Die Preise in Spanien müssen fallen, das ist das Prinzip einer Konsolidierung. Es zeigt aber auch, dass man keinesfalls vom Ende der Krise in ESP reden kann ... und es zeigt, wie weit die Öffentlichkeit schon seitens Medien, EZB und Politik kontinuierlich verblödet wird.
It´s the EURO, stupid. Eine Währung für völlig unterschiedlich leistungsfähige Volkswirtschaften bleibt halt wie übers Wasser gehen können ... nämlich ein utopische Wahnsinn ... am Ende steht der Untergang.
Aber wer hört schon auf Experten und Volkswirte ... lol.

Reiner Blumenhagen

30.07.2014, 16:00 Uhr

Frag 4 "Experten" und Du hörst 5 Meinungen - welche soll es denn sein?

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