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16.05.2014

17:06 Uhr

Sparen in der Euro-Zone

Schulden, Schulden, Schulden

VonDietmar Neuerer

Die ewige Forderung an die Euro-Krisen-Staaten, zu sparen und ihre Haushalte zu konsolidieren, gerät zum Dauer-Rohrkrepierer. Eine Commerzbank-Analyse zeigt: Schuldenmachen ist immer noch in – auch bei den Euro-Rettern.

Europa verschlingt Geld ohne Ende, Für viele Euro-Länder gilt die Devise: „Sparen ist out – Wachstum ist in.“ dpa

Europa verschlingt Geld ohne Ende, Für viele Euro-Länder gilt die Devise: „Sparen ist out – Wachstum ist in.“

BerlinEuropa bekommt seine Schuldenberge nicht in den Griff – obwohl die EU-Kommission nicht müde wird, ihr Mantra zu predigen, die öffentliche Verschuldung zurückzufahren. Auf ein Maß, dass die Euro-Staaten selbst einmal festgelegt haben. Doch in den wirtschaftspolitischen Planungen vieler Länder spielt die Drei-Prozent-Defizitgrenze kaum noch eine Rolle.

Brüssel musste jüngst selbst einräumen, dass die Neuverschuldung in einigen Krisenländern die Maastrichter Schuldengrenze übersteigen wird. Bei Griechenland moniert die Kommission eine „Verschlechterung verglichen zu den Zielen von 2012“. Demnach wird Athen in den nächsten Jahren seine Schulden gemessen an der Wirtschaftsleistung noch nicht auf ein tragbares Niveau drücken können. Somit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das Euro-Sorgenkind weitere Erleichterungen bei der Rückzahlung seiner Schulden benötigt.

Bis zum Jahr 2020 wird der Schuldenstand laut Bericht auf 125 Prozent des griechischen Bruttoinlandsprodukts sinken, bis 2022 auf 112 Prozent. Angepeilt waren für 2022 aber „deutlich weniger als 110 Prozent“, als kritische Marke gelten 100 Prozent. Im vergangenen Jahr meldete Athen mit 175 Prozent den Spitzenwert aller 28 EU-Staaten. Andere Länder stehen zwar nicht so tief in der Kreide. Doch lassen auch sie kaum Sparwillen erkennen, wie eine Analyse der Commerzbank zeigt.

Die Experten stellen nüchtern fest, dass die Bereitschaft zum Sparen und zum Treffen dazu notwendiger unpopulärer Entscheidungen im Euro-Raum seit längerem abgenommen hat. Dass die Staaten treu dem Motto handeln „Sparen ist out – Wachstum ist in“, beobachteten die Commerzbanker schon im Frühjahr 2013. Daran hat sich wenig geändert. Kaum eine Regierung dürfte daher auf sich abzeichnende Zielverfehlungen mit nennenswerten zusätzlichen Konsolidierungsmaßnahmen reagieren, sind die Experten überzeugt.

Konjunkturaussichten für die Euro-Länder

Spanien

Spanien könnte 2014 wieder um ein Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit soll jedoch mit 25,7 Prozent hoch bleiben. Das Haushaltsdefizit wird auf 5,8 Prozent der Wirtschaftsleistung geschätzt.

Frankreich

Frankreichs Wachstum dürfte 2014 mit 1,0 Prozent unter dem Durchschnitt der Euro-Zone bleiben. Die Arbeitslosigkeit soll auf elf Prozent steigen.

Griechenland

Die griechische Wirtschaft soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder um 0,6 Prozent wachsen. Trotz der erwarteten Besserung dürfte die Arbeitslosigkeit mit 26 Prozent vergleichsweise hoch bleiben. Bei der Verschuldung werden 177 Prozent der Wirtschaftsleistung erwartet.

Italien

Italiens Wirtschaft soll 2014 um 0,6 Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit dürfte hingegen auf einen Rekord von 12,6 Prozent klettern. Der Schuldenstand bleibt hartnäckig hoch: 2015 soll er mit 132,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts leicht unter dem diesjährigen Niveau liegen.

Zypern

Um 4,8 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt einbrechen. Die Arbeitslosigkeit dürfte auf den Rekordwert von 19,2 Prozent steigen.

Portugal

Für Portugal erwartet die EU-Kommission 2014 ein Wachstum von 0,8 Prozent. 2015 soll die Arbeitslosenquote mit 16,5 Prozent einen Tick unter den diesjährigen Wert fallen. Der Schuldenstand dürfte nach dem Rekordwert von 129,4 Prozent im vorigen Jahr bis 2015 wieder auf 125,8 Prozent zurückgehen.

Irland

Irlands Wirtschaft dürfte 2014 mit 1,8 Prozent deutlich stärker wachsen als der gesamte Währungsraum. Bis 2015 soll die Arbeitslosenquote auf 11,2 Prozent fallen, nachdem sie 2013 noch bei 13,1 Prozent lag. Das Defizit soll 2015 auf 4,3 Prozent sinken.

Quelle

EU-Kommission

Dies zeige sich unter anderem in den schon jetzt wenig ambitionierten Konsolidierungszielen für dieses Jahr. „Wurden die Defizitquoten 2012 in einigen Ländern trotz Gegenwinds von der Konjunktur noch um zwei Prozentpunkte und mehr gesenkt, sind für 2014 trotz einer teilweise noch immer recht hohen Neuverschuldung allenfalls noch Rückgänge der Defizitquoten um rund 1 Prozentpunkt geplant“, schreiben die Analysten in ihrem Bericht. In den Niederlanden – und auch in Griechenland, wenn man den Sondereffekt der Belastung des Staatshaushaltes im Jahr 2013 durch die Bankenrekapitalisierung berücksichtigt – soll das Haushaltsdefizit 2014 sogar wieder zulegen.

Viele Länder, so die Experten, machten auch gar keinen Hehl daraus, dass sie die – sowieso schon deutlich weniger strikten – Konsolidierungsvorgaben der EU-Kommission weiter aufweichen wollen. So habe der neue italienische Ministerpräsident Matteo Renzi angekündigt, dies während der Ratspräsidentschaft Italiens in der zweiten Jahreshälfte auf die Tagesordnung zu bringen. Renzi dürfte in Frankreich einen Verbündeten finden, glauben die Commerzbank-Ökonomen. Obwohl sich der neue Ministerpräsident Manuel Valls zum Drei-Prozent-Defizitziel 2015 bekennt, habe er in seiner Antrittsrede vor der Nationalversammlung am 8. April klargestellt, dass die Ausgabenkürzungen keinesfalls das Wirtschaftswachstum zerstören dürften. Vielmehr sehe er die Verantwortung bei der Europäischen Zentralbank (EZB), deren Politik seiner Ansicht nach zu wenig expansiv sei.

Kommentare (10)

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16.05.2014, 17:13 Uhr

Die durchschnittliche Verschuldung der Staaten in der Euro-Zone liegt bei knapp 100 % des Bruttoinlandsprodukts. Überschuldung führt immer in die Insolvenz – es sei denn, man besitzt eine Bank.

Die heute angehäuften Schulden bei den Bankstern können nicht beglichen werden, weil dafür nicht genügend Geld vorhanden ist und neues Geld nur durch weitere Kredite bei denselben Bankstern geschöpft werden kann!

Geld entsteht nur durch Kredit! ( Schuldgeldsystem )

Die Katze beißt sich in den Schwanz. Das zu verstehen wäre wichtig, vor allem, wenn Politikschauspieler von "Sparmaßnahmen" und "Einschnitten" sprechen, denn die sind sinnlos – außer für die oberen zehn Prozent der Einkommenspyramide.

Des Pudels Kern ist das moderne Schuldgeldsystem in Kombination mit dem Recht von Bankstern, Geld schöpfen zu dürfen. Ohne einen Edelmetallstandard kann es kein werthaltiges Geld geben und somit auch keinen Frieden, denn wertloses Geld führt in Zyklen immer wieder zum Zusammenbruch der Wirtschaft und somit zu Krieg und Elend. Es gibt – gegen alle offiziellen Aussagen - keine Garantien für Bankeinlagen, weil weder die Bankeinlagen noch die zur Rettung nötigen Mittel dafür überhaupt existieren!

Die Aussage, dass Bankeinlagen bis zu einer bestimmten Höhe gesichert seien, ist eine Lüge!
Das Einzige, das sicher ist, ist die Tatsache, dass seit der Euro-Einführung in Europa massiv Geld von unten nach oben umverteilt wurde, also die Armen ärmer und die Reichen reicher wurden.

Es gibt nichts, das derzeit unsicherer wäre, als sein Geld einer Bank anzuvertrauen.
Dennoch kehren immer mehr Menschen allen klassischen Anlageformen den Rücken und horten ihr Geld auf dem Girokonto. Dieser Wahnsinn ist der geschickten Propaganda der Bankster und der allgemeinen Unwissenheit der Masse über das Schuldgeldsystem geschuldet.

Wer seine Ersparnisse gegen staatliche, EU-zentralistische oder Bankster-Willkür schützen möchte, kann dies langfristig am sichersten mit Gold und Silber tun.

Account gelöscht!

16.05.2014, 17:19 Uhr

Mich erinnert das an einen Film, wo selbst die Planken auf dem Schiff verfeuert wurden, damit der Kessel unter Druck bleibt. Die EZB verfeuert alles, damit die "heiligen Kühe" Dow Jones und Nasdaq weiter als Blase wachsen können mit neu gedrucktem Geld.

Das ist Draghis einzige Sorge. Obwohl wir Inflation 4 % haben, wird eine "Deflationsgefahr" als Lüge herbeigeredet, damit neues Geld gedruckt wird oder Schrott-Staatsanleihen gekauft werden von der EZB. Draghi ist Goldman Sachs Banker - ein Zufall ? Wohl kaum.

Denn die FED in den USA ist eine Privatbank, die als einzige Geld drucken darf. Wem gehört die FED ? Den Grossbanken in den USA, Goldman Sachs und co. Wenn die Geld brauchen um weiter ihre eigenen Aktien zu kaufen (künstliche Hausse), bekommen FED und EZB den Auftrag Geld zu drucken.

1. die FED gibt neue US-Staats-Anleihen aus, die sie gleich mittels frisch gedrucktem Geld an sich selber verkauft. Für die Staats-Anleihen haftet der US-taxpayer.
2. das Geld kann jetzt billigst an die Banken verliehen werden zu 0 Prozent Zinsen.
3. anschliessend verkauft die FED auch noch die US-Staats-Anleihen auf dem Sekundärmarkt bei einer Auktion für 0,5 % als 10-jährige Anleihe.

Also die FED macht doppelten Gewinn, die Schulden aber liegen beim US-taxpayer (Steuerzahler). Wenn wir Euro-Bonds hätten, würde Herr Draghi es genauso machen. Bisher kann er aber zum Glück KEINE Euro-Bond-Anleihen ausgeben. Allerding Schrott-Anleihen maroder Staaten beliebig aufkaufen schon, wie er angedroht hat (1 Billion im Jahr auf Steuerzahlers Kosten) ! Die Schuldner der Staats-Anleihen in Europa sind die einzelnen EU-Staaten, das ist der Unterschied zur FED in den USA.

Dieses Gelddrucken kommt einer Heroin-Infusion für einen Suchtkranken gleich. Nein, er muss in eine Entzugsklinik ! Stoppt Draghi !


+++ Alternativen gibt es +++

Account gelöscht!

16.05.2014, 17:39 Uhr

Denn der HERR, dein Gott, wird dich segnen, wie er dir verheißen hat; so wirst du vielen Völkern leihen, und du wirst von niemanden borgen; du wirst über viele Völker herrschen, und über dich wird niemand herrschen.

Der Reiche herrscht über die Armen; und wer borgt, ist des Leihers Knecht.

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