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12.03.2013

17:20 Uhr

Sparen statt verprassen

US-Amerikaner misstrauen dem Aufschwung

Verbraucher in den USA behalten ihre Dollarscheine derzeit lieber für sich, zahlen Schulden ab oder sparen. Und das obwohl es an den Börsen aufwärts geht und auch der Arbeitsmarkt sich wieder aufgerappelt hat.

Supermarkt in Chicago: Einer Umfrage zufolge schränken viele US-Bürger sich derzeit ein. Reuters

Supermarkt in Chicago: Einer Umfrage zufolge schränken viele US-Bürger sich derzeit ein.

New York/Los AngelesDie US-Börsen auf Rekordjagd und der Jobmarkt im Aufwind: Dennoch lassen sich die Verbraucher nicht aus der Reserve locken. Wie eine am Dienstag veröffentlichte Reuters/Ipsos-Umfrage unter US-Bürgern ergab, schränken sich sogar rund zwei Drittel der Erwachsenen bei ihren monatlichen Ausgaben ein. Hauptgrund für die Kaufzurückhaltung ist der Wille zum Sparen oder der Zwang, Schulden abzuzahlen.

Aufschwung hin oder her: Die Zeit der locker sitzenden Kreditkarten ist schon seit Jahren vorüber. Vielen Bürgern machen die gestiegenen Benzin-Preise und die höheren Sozialversicherungsausgaben arg zu schaffen.

Ratings der größten Volkswirtschaften der Welt

USA

S&P Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AAA

Ausblick: Negativ

China

S&P Rating: AA-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aa3
Ausblick: Positiv

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Japan

S&P Rating: AA-
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Aa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: A+
Ausblick: Negativ

Deutschland

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Frankreich

S&P Rating: AA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aa1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Vereinigtes Königreich

S&P Rating: AAA
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Aa1
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Brasilien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Baa2
Ausblick: Positiv

Fitch Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Italien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Baa2
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Russland

S&P Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Baa1
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Indien

S&P Rating: BBB-
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Baa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: BBB-
Ausblick: Stabil

Kanada

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Australien

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Spanien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Baa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Schweiz

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Wer sich einschränken muss, lässt zunächst Restaurant- und Kinobesuche weg oder gibt weniger für Reisen aus. Große Restaurant-Ketten wie DineEquity und Brinker International können ein Lied davon singen: Sie klagen über Gästeschwund. Dies alles will nicht so recht zu der aufgehellten Verbraucherstimmung in den USA passen. Das entsprechende Barometer von Thomson Reuters und der Universität Michigan stieg im Februar auf den höchsten Wert seit November. Ein Barometer, das die Konsumneigung wohlhabender Amerikaner misst, passt da schon eher ins Bild.

Das sogenannte Mendelsohn Affluent Barometer, das die Verbraucherstimmung in Haushalten mit einem Jahreseinkommen von mehr als 100.000 Dollar untersucht, zeigt nach oben. 52 Prozent der Befragten setzten im Februar darauf, dass sich ihre finanzielle Lage binnen Jahresfrist verbessert haben wird. Damit ist das Lager der Optimisten innerhalb von zwei Monaten um elf Prozentpunkte gewachsen.

Arbeitsmarkt: USA schaffen weit mehr Stellen als erwartet

Arbeitsmarkt

USA schaffen weit mehr Stellen als erwartet

In den USA ist die Arbeitslosenquote gefallen – auf nun 7,7 Prozent.

Durch die Folgen der Finanzkrise hat sich die soziale Kluft vertieft. Das Heer der Niedriglöhner ist gewachsen und die Mittelschicht geschrumpft, da der Staat den Rotstift angesetzt hat und auch in der Industrie viele Stellen gestrichen wurden.

Der Arbeitsmarkt hat sich zuletzt jedoch mit einem kräftigem Stellenaufbau und der niedrigsten Erwerbslosenquote seit Jahren wieder aufgerappelt. Insbesondere der Bau verspürt wieder Aufwind und stellt fast ein Fünftel der neuen Jobs in den USA.

Strenge Auflagen für Schiefergas-Bohrungen

In den USA bereits voll im Einsatz

In Ländern wie den USA boomt die Ausbeutung schwer zugänglicher Gas- und Ölvorkommen bereits seit längerem - in Deutschland will die Bundesregierung bis zum Sommer Rahmenbedingungen festlegen. Mithilfe der heftig umstrittenen „Fracking“-Technologie können fossile Energieträger aus Gesteinsschichten wie etwa Schiefer herausgelöst werden. Der Begriff steht kurz für „hydraulic fracturing“ - zu deutsch so viel wie hydraulisches Aufbrechen von Gestein.

Fracking-Technologie

Kern der Technik ist es, Wasser, Sand und Chemikalien in Gestein zu pressen und dadurch Druck zu erzeugen. Dadurch sollen Gas oder Öl freigesetzt werden. Von großer Bedeutung sind heute horizontale Bohrungen, mithilfe derer seitwärts innerhalb einzelner Gesteinsschichten gebohrt werden kann. Dadurch können dieses in der Breite erschlossen und schwer erreichbare Rohstoffvorkommen zugänglich gemacht werden.

Kritik

Kritiker bemängeln beim Fracking unter anderem den Einsatz von Chemikalien. Die Substanzen könnten durch undichte Stellen ins Erdreich eindringen. Daneben stellen Bohranlagen für Kritiker einen Eingriff in die Natur dar.

Fracking in Deutschland

Fracking zur Erschließung von schwer zugänglichen Gas- oder Ölvorkommen in Deutschland gibt es nach Angaben des Bundesumweltministeriums bislang nicht. Im Kohlebergbau wird die Technologie jedoch eingesetzt und teils auch bei Erdwärmebohrungen. Regeln für das Fracking gibt es laut Ministerium bislang nicht, nun sollen diese geschaffen werden. Bislang ließen Bundesländer Fracking schon eingeschränkt zu.

Pläne der Bundesregierung

Die Bundesregierung fängt die Kritik in der geplanten Verordnung auf, indem sie Fracking in Trinkwasserschutzgebieten verbietet und Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) für Bohrvorhaben für verbindlich erklärt. Die UVP ist Teil des erforderlichen Planfeststellungsverfahrens für Bohrvorhaben, womit auch die Öffentlichkeit eingebunden wird. Beim Einsatz des Fracking im Bergbau werden Umweltverträglichkeitsprüfungen damit nicht verpflichtend.

Schiefergasvorkommen in Deutschland

Laut Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) lagern unter der Oberfläche der Bundesrepublik bis zu 2,3 Billionen Kubikmeter Erdgas aus Schiefergestein. Damit könnte Deutschland theoretisch über ein Jahrzehnt ohne Gaslieferungen aus dem Ausland auskommen. Durch das Verbot von Fracking in Wasserschutzgebieten dürfte sich das Potenzial deutlich verringern.

Wirtschaftlichkeit

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim kam kürzlich in einer Studie zu dem Schluss, dass sich Fracking in Deutschland und der EU bei den aktuellen Gaspreisen bislang "überhaupt nicht lohnen" würde. Das ZEW befragte Energiemarktexperten, auf welches Niveau der Preis je Megawattstunde Gas dafür steigen müsste. Derzeit kostet Erdgas an Großhandelsbörsen laut ZEW rund 27 Euro. 30 Prozent der Experten halten einen Preis von 40 bis 50 Euro nötig, 34 Prozent der Gaspreise von 50 bis 60 Euro oder darüber mehr.

Fracking in anderen Ländern

Die USA decken einen erheblichen Teil des heimischen Bedarfs mit Schiefergas und Schieferöl. Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) könnten die Vereinigten Staaten 2030 vollkommen unabhängig von Energieträgern aus dem Ausland sein. Schon 2017 könnten die USA demnach Saudi-Arabien und Russland als weltgrößte Ölproduzenten ablösen. Nach Einschätzung des Ölkonzerns Shell haben die USA durch Fracking einen Erdgasvorrat von 100 Jahren - die Staaten der Welt insgesamt für 250 Jahre. In Europa treibt unter anderem Polen die Schiefergas-Förderung voran.

Auch der auf der Fördermethode des "Frackings" basierende Boom im Gas- und Ölgeschäft sorgt für regionale Impulse am Arbeitsmarkt. Bei dem Verfahren werden Wasser und Sand mit Chemikalien vermischt und dann unter hohem Druck in Schiefergestein gepresst, um dieses aufzubrechen und unerschlossene Reserven freizusetzen. In Williston im US-Bundesstaat North Dakota läuft das "Fracking" bereits auf Hochtouren: Zur Freude von Aufseher Kim Hale, der nach mehr als drei Jahren Arbeitslosigkeit endlich wieder einen Job hat: "Ich glaube, der Boom dauert noch länger an. Ich bleibe solange, bis ich gekündigt werde."

Kommentare (1)

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aktionaer

12.03.2013, 17:33 Uhr

Also ich misstraue dem Aufschwung auch nicht. Aber wenn die gefühlten Parameter gerade so abstürzen, dann kommt schon ein gewisses Mistrauen hoch.

Die Märkete in Asien knicken iwi in ihrer Substanz ein und mit den tatsächlichen Wirttschafts Daten sieht es auch nicht besonders gut aus. auch wenne s die Medien kaum bringen, abver selbst die Insider stoßen kräftig ab. Und auch Volkswagen geht nicht von einem echten Wachstum in 2013 aus.

Evlt bessert es sich zum Jahresende, aber der aktuelle Aufschwung erscheint mir wie ein Strohfeuer oder das Aufflackern des verlöschenden Lichts.

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