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30.01.2007

10:46 Uhr

Sprudelnde Unternehmensgewinne

Japans Arbeitnehmer profitieren kaum vom Wirtschaftsboom

Japans Wirtschaft geht es gut. Die Gewinne der Unternehmen sprudeln, doch für die Arbeitnehmer fällt von dem Boom kaum etwas ab.

HB TOKIO. Obwohl die Unternehmen der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt im nunmehr fünften Jahr in Folge mit steigenden Erträgen rechnen, ziehen die Löhne kaum an. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Noch nie zuvor waren in Japan so viele Teilzeitkräfte und Vertragsarbeiter beschäftigt wie heute. Während Unternehmen wie Toyota Rekorde einfahren, leben immer mehr Haushalte von Wohlfahrtszahlungen.

Japans Unternehmen profitieren vor allem von der weiterhin hohen Nachfrage im Ausland. Da sich die Konjunktur in den USA robuster zeigt als erwartet, dürften die Gewinne der japanischen Unternehmen auch in diesem Jahr weiter sprudeln. Hinzu kommt der Vorteil des schwachen Yen. „Da die Bank von Japan wegen der schwachen Binnennachfrage die Zinsen kaum erhöhen kann und die Ölpreise weiter fallen, bleibt der Druck auf der Kostenseite der Unternehmen gering“, sagt Martin Schulz, Ökonom beim Fujitsu Research Institute in Tokio.

Dass die Unternehmen ihre Belegschaft dennoch nicht an den Profitsteigerungen teilhaben lässt, können diese mit lauernden Risiken wie den weiterhin schwachen Ausgaben der Verbraucher begründen, die zu über 50 Prozent zur Wirtschaftsleistung beitragen.

Hinzu kommt der extrem hohe Konkurrenzdruck aus dem benachbarten Asien. Heute arbeitet in Japan schon jeder dritte Beschäftigte mit einem befristeten Vertrag und verdient im Durchschnitt weniger als Zweidrittel des Gehalts der Kernbelegschaft. Hinzu kommt, dass kein Land so schnell Industriearbeitsplätze ins Ausland verlegt hat wie Japan. Über die Hälfte aller Autos werden bereits im Ausland gebaut.

Auch wenn die Unternehmen in den Frühjahrstarifverhandlungen für eine Nullrunde bei den Grundgehältern höhere Bonuszahlungen anbieten, profitiert davon gewöhnlich die Kernbelegschaft, nicht aber die Teilzeitkräfte. Bei den Lohnverhandlungen können sich die Unternehmen zudem auf die Notwendigkeit weiterer Investitionen berufen.

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