Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.01.2010

10:56 Uhr

Staatsbankrott

Ruin oder Reinigung?

VonKonrad Fischer

Heute Griechenland, morgen Portugal oder vielleicht Spanien: Viele Länder stehen nach dem internationalen Finanzcrash vor dem Staatsbankrott. Das klingt nach Inferno, aber was bedeutet es wirklich? Kommt dann der Uno-Gerichtsvollzieher und beschlagnahmt das Parlamentsgebäude? Wichtige Fragen rund um das Thema „Staatsfinanzen und Staatsbankrott“ – und die passenden Antworten.

Als Deutsche Michel verkleidete Demonstranten laufen mit Säcken voller Pro-Kopf-Schulden in Berlin am Finanzministerium vorbei. dpa

Als Deutsche Michel verkleidete Demonstranten laufen mit Säcken voller Pro-Kopf-Schulden in Berlin am Finanzministerium vorbei.

Was passiert bei einem Staatsbankrott?

Von einem Staatsbankrott spricht man, wenn ein Staat bekannt gibt, seine Gläubiger nicht mehr bedienen zu können. Das Land zahlt also seine Auslandsschulen nicht mehr, Staatsanleihen verlieren dann ihren Wert.

Da es keine globale Instanz gibt, die über die Liquidität von Staaten wacht, kommt es jedoch nicht zu einem formalen Insolvenzverfahren, an dessen Ende wie bei einem Unternehmen die Auflösung des Staates stehen würde. Denn die Existenz eines Staates hängt nicht von seiner Liquidität ab, sondern nach einer klassischen Definition des österreichischen Staatsrechtlers Georg Jellinek von der Erfüllung der drei Kriterien Staatsgewalt, Staatsgebiet und Staatsvolk. Nur eine Übernahme der Staatsgewalt durch eine andere Macht oder die freiwillige Übertragung dieser Staatsgewalt an eine andere Instanz kann einem Staat also ein Ende setzen. Eine weitere theoretische Möglichkeit wäre die Auswanderung der gesamten Bevölkerung.

Der Staatsbankrott kann jedoch Ursache für solch eine existenzielle Krise sein, dass es später zur Auflösung des Staates kommt.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Hyperinflation INC

25.01.2010, 22:33 Uhr

Eine gute Zusammenfassung.

ich finde es interessant, wie sich in letzter Zeit diese und ähnliche Artikel in der Mainstream Presse häufen.

Soll die bevölkerung unterschwellig auf einen Absturz eingestimmt werden?

CrisisMaven

26.01.2010, 21:19 Uhr

"Zum einen kann er versuchen, durch radikale Ausgabenkürzungen oder deutliche Steuererhöhungen seinen Haushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen."
bei den heutigen Staatshaushalten funktioniert das nicht - die Steuerquoten sind so hoch, dass eine weitere Erhoehung zu einer REALEN Senkung des Gesamtsteueraufkommens spaetestens im Folgejahr fuehrt, und die Haushaltsansaetze sind ueberwiegend rechtlich zementiert. im Gegenteil, wenn der Staat JETZT den Schuldendienst einstellte, wuerde er ViELLEiCHT gerade soviel an Ausgaben sparen, dass er den Verlust seiner Neuverschuldungsmoeglichkeikt ausgleicht, er gewinnt also nichts. Der point of no return ist also bereits ueberschritten ...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×