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21.04.2015

11:15 Uhr

Staatsschulden 2014

Griechenland drückt sein Minus

Die Neuverschuldung Griechenlands ist im vergangenen Jahr zwar zurückgegangen. Dennoch liegt das Krisenland weiter über der Maastrichter Defizitmarke. Auch Frankreich bleibt oberhalb der Schuldenschwelle.

Die Staaten der Währungsgemeinschaft sind hoch verschuldet. dpa

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Die Staaten der Währungsgemeinschaft sind hoch verschuldet.

LuxemburgDas hochverschuldete Griechenland hat sein Defizit gedrückt. Die Neuverschuldung betrug im vergangenen Jahr 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung nach 12,3 Prozent zuvor, berichtete das Europäische Statistikamt Eurostat am Dienstag in Luxemburg. Allerdings sind die Zahlen aus 2013 umstritten. Denn in dieser Berechnung sind die die Hilfsgelder des ESM zur griechischen Banken-Rekapitalisierung von rund 50 Milliarden Euro enthalten. Rechnet man diesen Sonderposten heraus, liegt die Defizitquote für 2013 bei nur noch von 4,1 Prozent, die Differenz zu 2014 ist also sehr viel kleiner.

Die Daten sind insbesondere wichtig für die Beurteilung von Ländern, die immer noch in Defizit-Strafverfahren stecken. Allerdings liegt die Verschuldungsquote der Griechen bei 177 Prozent. Ein Jahr zuvor betrug der Wert 175 Prozent. Die EU-Obergrenze liegt eigentlich bei 60 Prozent der Wirtschaftskraft. Nachdem die EU-Partner Griechenland 2012 mit einem zweiten, milliardenschweren Hilfspaket unter die Arme gegriffen hatten, lag die Schuldenquote noch bei rund 157 Prozent. Danach folgen Italien (132 Prozent), Portugal (130 Prozent) und Irland (109 Prozent).

Die frühere griechische Regierung und die internationalen Partner hatten vereinbart, dass die Schuldenquote bis 2022 auf 110 Prozent sinken soll, damit Griechenland seinen Schuldenberg selbst abtragen kann. Zudem war ein dauerhafter Primärüberschuss im Haushalt – also ohne Berücksichtigung von Zinszahlungen – von 4,5 Prozent vorgesehen. In diesem Jahr sollte der Überschuss drei Prozent betragen. Die neue Links-Rechts-Regierung geht für dieses Jahr indes nur noch von einem Überschuss von 1,5 Prozent aus. Eurostat berechnet den Primärüberschuss für Griechenland nicht.

Im laufenden Defizit-Strafverfahren hat Griechenland noch bis 2016 Zeit, die Maastrichter Defizitmarke von 3 Prozent einzuhalten. Defizitsünder Frankreich kommt im vergangenen Jahr auf 4 Prozent Neuverschuldung. Die zweitgrößte Volkswirtschaft bekam von den EU-Partnern bereits eine neue Frist bis 2017, um die Defizitgrenze von 3 Prozent wieder zu respektieren.

Doch es gibt noch weitere Länder, die über der Defizitgrenze liegen, insgesamt sind es zwölf: Darunter Zypern mit einer Neuverschuldung von 8,8 Prozent, Spanien mit 5,8 Prozent, Slowenien mit 5,7 Prozent, Portugal mit 4,9 Prozent und Irland mit 4,5 Prozent.

Insgesamt sieht die Lage so aus: Im Euroraum und in der EU war das Defizit insgesamt zwar geringer als noch 2013. Doch die öffentlichen Schulden stiegen – sowohl für den Euroraum als auch für die EU.

Kommentare (7)

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Herr Heinz Keizer

21.04.2015, 11:45 Uhr

Interessant in dem Zusammenhang, Griechenland zahlt seine Rechnungen an Firmen nicht, wie vor einigen Tagen in Medien berichtet wurde.

Herr Jordache Gehrli

21.04.2015, 12:09 Uhr

UUUUhhhhh....ja Wahnsinn. Griechenland wird noch der europäische Musterknabe, wenn das so weitergeht ;-)

Herr stephan heinrich

21.04.2015, 12:18 Uhr

Die Höhe der Neuverschuldund und die Höher der Schulen in % des BIP´s in den meisten €uro-Länder kann eigentlich nicht überraschen. Warum sollte man bitteschön regelkonform wirtschaften wenn schon die Nichteinhaltung der Konversionskriterien stillschweigend gedultet wurde ? Im letzten Bericht des dmaligen EU-Währungskommissars vor der Einführung des € als Buchgeld am 1.1.99 hiess es, Italien dürfe als EG-Gründungsmitglied in den Euro - und zwar m Vertrauen darauf, dass das Land seine Verschuldung binnen 10 Jahren auf 60% des BIP senke. Damals betrug diese etwa 120%. Italien hat diese Quote nicht einmal ansatzweise versucht zu senken und kann heute mit noch fetteren Zahlen ungestraft mitmachen. Der €uro hat so gesehen ausmeiner Sicht langfrisitg nur zwei Perspektiven: Implosion oder endgültiger Verfall zur Ramschwährung.

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