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07.09.2015

19:48 Uhr

Stabilisierung der Börse

China senkt Dividendensteuer

China will Anleger dazu bringen, langfristig in Wertpapiere zu investieren, statt kurzfristig auf hohe Gewinne zu spekulieren. Als Anreiz hat die Regierung in Peking Steuererleichterungen beschlossen.

Der chinesische Aktienmarkt ist seit Mitte Juni aus Sorge vor einer Abschwächung der Wirtschaft des Landes um rund 40 Prozent eingebrochen. dpa

Börse in Hongkong

Der chinesische Aktienmarkt ist seit Mitte Juni aus Sorge vor einer Abschwächung der Wirtschaft des Landes um rund 40 Prozent eingebrochen.

Hongkong/PekingMit steuerlichen Erleichterungen will China die heimischen Börsen stabilisieren. Aktionäre sollen künftig keine Abgaben mehr auf Dividenden zahlen, wenn sie die Anteilsscheine mehr als ein Jahr halten, wie die Regierung der Volksrepublik am Montag mitteilte.

China will damit erreichen, dass Anleger langfristig in Wertpapiere investieren und nicht kurzfristig auf hohe Gewinne spekulieren. Bei einer Haltedauer von einem Monat bis zu einem Jahr soll die Steuer halbiert werden. Voll steuerpflichtig sind Investoren, die ihre Aktien weniger als einen Monat besitzen. Die Änderungen treten bereits am Dienstag in Kraft.

Der chinesische Aktienmarkt ist seit Mitte Juni aus Sorge vor einer Abschwächung der Wirtschaft des Landes um rund 40 Prozent eingebrochen. Die Regierung bemüht sich um eine Beruhigung, die Zentralbank hat die Leitzinsen gesenkt und pumpt frisches Geld in den Markt.

Warum in China die Börse abstürzt

Wie tief fallen die Kurse noch?

Am 27. Juli erlebte Chinas Börse den größten Tageseinbruch seit acht Jahren. Wie weit es noch nach unten geht, kann niemand sagen. Doch der Einbruch wäre vermutlich noch schlimmer ausgefallen, wenn die Börsenaufsicht und die Zentralbank nicht neue Hilfen angekündigt hätten.

Welche Rolle spielt der Staat für die Entwicklung an den Börsen?

Indem die chinesische Regierung Privatanleger in Aktien drängt, versucht sie, das Finanzierungsproblem für Unternehmen zu lösen – und die Schwächen des Bankensektors zu vertuschen.

Welche Nachteile ergeben sich hieraus?

Einmal angefangen, kommt der Staat nun nicht mehr aus der Sache heraus: Damit die Strategie aufgeht, sich das Ersparte für Kleinanleger mehrt und Firmen an Geld kommen, müssen die Kurse oben bleiben. Einen Crash kann man sich schon wegen der Reputation im Grunde nicht leisten.

Warum greifen die staatlichen Maßnahmen nicht?

Die Hilfsprogramme der Regierung nutzen sich ab – oder besser: sie nützen nichts, wenn gleichzeitig immer mehr Anleger nicht mehr an die Börsen glauben.

Hat der Börsencrash in China Auswirkungen auf die Realwirtschaft?

Wenig. Der Aktienmarkt hat sich schon lange von der Realwirtschaft entkoppelt.

Wie hart trifft der Börsencrash die chinesischen Sparer?

Chinesen sind zwar emsige Sparer. Sie haben aber nur einen kleinen Teil ihres Geldes in Aktien investiert. Fünf Prozent der Ersparnisse stecken in Wertpapieren.

Welche deutschen Aktien geraten durch die Turbulenzen in China unter Druck?

Besonders exportorientierte deutsche Unternehmen. Für Volkswagen und Daimler ist China enorm wichtig. Auch Chemiekonzerne wie Bayer und BASF geraten unter Druck.

Wie groß ist die Ansteckungsgefahr an den Börsen der Welt?

Lange Zeit durften Ausländer nicht an Chinas Börsen handeln. Peking hatte seine Finanzmärkte weitgehend abgeschottet. Dadurch schlagen Turbulenzen in China nur sehr abgeschwächt auf internationale Börsen durch.

Welche Rollen spielen ausländische Anleger bei dem Börsen-Crash?

Seit den Turbulenzen ziehen viele internationale Anleger ihr Geld über die Börse in Hongkong wieder aus dem chinesischen Festland ab. Bis Wochenanfang waren auf diesem Weg bereits mehr als sechs Milliarden US-Dollar abgeflossen.

Die Regulierer des Riesenreichs wollen zudem mit einer verschärften Aufsicht einen Börsencrash wie im Sommer künftig verhindern. Bei erheblichen Kursschwankungen soll ein System den Aktien-Handel stoppen können. Als Reaktion auf die Börsenturbulenzen hatte China am 11. August den Wert der Landeswährung Yuan überraschend um fast zwei Prozent gesenkt. Danach intervenierte die Regierung verstärkt im Handel, um die Währung zu stabilisieren.

Dabei musste der Staat mit den weltweit größten Währungsreserven tief in seine Schatztruhe greifen.

Von

rtr

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