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03.04.2006

11:30 Uhr

Stärkster Aufschwung seit 2000

Industrie braucht wieder mehr Personal

Die Industrie in Deutschland und der Euro-Zone erlebt derzeit den stärksten Aufschwung seit fast sechs Jahren und ist zunehmend auf Neueinstellungen angewiesen.

HB BERLIN. Dank kräftiger Steigerungen bei Produktion und Aufträgen kletterte der RBS/BME-Einkaufsmanagerindex für Deutschland im März um 2,3 auf 58,1 Punkte, wie das Forschungsinstitut NTC am Montag mitteilte. Die Firmen stoßen mit ihrem Personal mehr und mehr an Grenzen: Ihre Vorräte an fertigen Produkten schwinden, während sich die Bestellungen stapeln. Seit dem Herbst stellen sie deshalb Monat für Monat Mitarbeiter ein, im März so viele wie seit über fünf Jahren nicht mehr.

In der Euro-Zone hat der Aufschwung die Industrie aller Länder mit Ausnahme der Niederlande erfasst, wobei Deutschland zum vierten Mal in Folge das Zugpferd war. Das Barometer für das Währungsgebiet stieg auf 56,1 von 54,5 Punkten und damit den höchsten Stand seit September 2000. Obwohl das Ifo-Geschäftsklima in der vergangenen Woche den höchsten Stand seit dem Wiedervereinigungsboom erklommen hatte, hatten Volkswirte nicht mit einer so starken Verbesserung gerechnet.

Die Teilindizes für Produktion und Aufträge erreichten mit jeweils knapp 62 Zählern ihren höchsten Stand seit sechs Jahren. Die Firmen profitieren inzwischen von einer kräftig wachsenden Nachfrage in Deutschland: Der gesamte Auftragsindex legte weitaus deutlicher zu als das Barometer für die Export-Aufträge. Am stärksten habe die Produktion von Investitionsgütern zugelegt, aber auch bei Konsum- und Vorleistungsgütern hätten sich die Zuwachsraten enorm beschleunigt, erläuterte NTC.

Angesichts dieser kräftigen Verbesserung fielen die Neueinstellungen nach Einschätzung von NTC-Chefvolkswirt Chris Williamson noch immer relativ mager aus. Das Beschäftigungsbarometer schaffte es trotz seines jüngsten Anstiegs um 0,7 auf 52,1 Punkte noch nicht sehr deutlich über die Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Williamson äußerte die Hoffnung, dass sich dies ändert, sobald die Hersteller von Konsum- und Vorleistungsgütern an das Tempo der Investitionsbranche anknüpfen. Schuld an der Zurückhaltung bei Neueinstellungen dürfte die teure Energie sein: Die Kosten legen immer noch immer weit kräftiger zu als die Verkaufspreise. „Deshalb ist es wahrscheinlich, dass das Jobwachstum ziemlich gedämpft bleiben wird“, sagte Williamson.

Auch die 3000 befragten Firmen aus der gesamten Euro-Zone berichteten von einem kräftigeren Wachstum ihrer Produktion und einem schwunghaftem Anstieg ihres Auftragseingangs. Ein besonders kräftiges Wachstum der Exporte registrierten die Forscher dabei in Deutschland. Auch im gesamten Währungsgebiet blieb die Zahl der Neueinstellungen bei einem Indexwert von 50,9 noch immer gering, auch wenn die Firmen damit so viel Personal wie zuletzt vor über fünf Jahren einstellten. Spanische und italienische Firmen blieben zurückhaltender als deutsche. In Frankreich entließen die Betriebe sogar per saldo Mitarbeiter.

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