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08.11.2012

08:54 Uhr

Stärkster Einbruch seit 2009

Deutsche Exporte geraten ins Wanken

Deutsche Unternehmen müssen sich auf schwierige Zeiten einstellen. Die Exporte in die Euro-Zone sind massiv eingebrochen. Auch die leicht steigenden Ausfuhren nach Übersee können das nicht wettmachen.

Um 9,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat brachen die Exporte in die Euro-Zone ein. dpa

Um 9,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat brachen die Exporte in die Euro-Zone ein.

BerlinDie deutschen Exporte sind im September wegen der schwachen Nachfrage aus der Euro-Zone so stark gesunken wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Sie fielen um 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 91,7 Milliarden Euro, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. "Das ist der erste Rückgang im Jahresvergleich seit Januar 2010 und zugleich der stärkste seit November 2009", sagte ein Statistiker der Nachrichtenagentur Reuters.

Verglichen mit dem Vormonat fielen die Ausfuhren um 2,5 Prozent. Einen größeren Rückgang hatte es zuletzt im Dezember 2011 gegeben. Ökonomen hatten lediglich mit einem Minus von 1,5 Prozent gerechnet.

Grund für die Einbußen ist die stark sinkende Nachfrage aus der krisengeplagten Euro-Zone. Die Exporte dorthin brachen um 9,1 Prozent im Vergleich zum September 2011 ein, die in die EU-Länder um 7,0 Prozent. Dagegen wuchsen die Ausfuhren in Drittländer - zu denen beispielsweise die USA und große Schwellenländer wie China gehören - um 1,8 Prozent.

Auch in den kommenden Monaten müssen sich die Unternehmen auf ein schwieriges Geschäft einstellen. Die Auslandsaufträge der Industrie fielen im September um 4,5 Prozent. Dabei ging die Nachfrage aus der Euro-Zone mit 9,6 Prozent mehr als doppelt so stark zurück.

Ökonomen rechnen damit, dass sich die schwache Entwicklung der Exporte in den nächsten Monaten fortsetzt. „Die Nachfrage aus den europäischen Partnerländern und auch in Asien hat sich abgeschwächt. Das hat man bereits bei den Industrieaufträgen gesehen,“ sagt Christian Schulz von der Berenberg Bank.

Nach den Worten von Deka-Ökonom Andreas Scheuerle hat sich die Schuldenkrise seit dem Frühjahr mit einer globalen Abschwächung vermengt. „ Zu der Verunsicherung, die schon seit Sommer 2011 auf der Investitionstätigkeit lastet, tritt zum Jahresende 2012 auch eine schwächere Auslandsnachfrage hinzu", sagt er.

In den ersten neun Monaten erhöhten sich die Exporte um 4,1 Prozent auf 825,9 Milliarden Euro. Der Außenhandelsverband BGA rechnet im Gesamtjahr mit einem Wachstum von etwa vier Prozent. Damit würde die 2011 erstmals erreichte Billionen-Grenze beim Umsatz erneut übertroffen.

Die deutschen Importe fielen im September im Vergleich zum Vormonat um 1,6 Prozent. Ökonomen hatten lediglich ein Minus von 0,1 Prozent erwartet. Die Einfuhren summierten sich auf 74,9 Milliarden Euro, was einem Minus von 3,6 Prozent im Vergleich zum September 2011 entspricht. Die Handelsbilanz - die Differenz zwischen Exporten und Importen - wies einen saison- und kalenderbereinigten Überschuss von 17,0 Milliarden Euro aus.

Von

rtr

Kommentare (39)

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Account gelöscht!

08.11.2012, 09:17 Uhr

Ein Grund mehr, die Last 'Europa' endlich neu zu ordnen, und wenn sich die anderen sperren, eben abzuwerfen.

Makro2012

08.11.2012, 09:50 Uhr

Jeder, der von makroökonomischen Zusammenhängen etwas versteht, konnte schon lange wissen, dass genau das eintreten wird. Denn wer, wie unsere Politiker und Wirtschaftsverbandvorsitzenden oder Popökonomen alla Prof. Sinn ernsthaft glaubt, man könnte die Löhne, Renten und Sozialleistungen qua Austeritätspolitik kürzen, ohne die Nachfrage massiv zu behindern, glaubt auch an den Weihnachtsmann.

der_Mahner

08.11.2012, 10:02 Uhr

Welche "wirklichen" Exporte sind nach Südeuropa eingebrochen?

Ohne dt. Geld hätten die Exporte in den vorangegangenen Jahren nach Südeuropa so nie stattgefunden.
Jetzt kommt so langsam die Situatuion das derjenige welcher Bestellt auch bezahlen muss. So wie es für den dt. Bürger schon immer war.
Da jetzt der Geldfluss aus dem gelobten Land ins Stocken gerät und Fr. Merkel nur noch Kopflos versucht die alternativlosen Zockerbuden/Beamtenstaaten am Leben zu erhalten bleibt jetzt eben keine Kohle mehr übrig um dt. Autos bzw. U-Botte zu kaufen.
Jede Hausfrau weiss, dass wenn kein Geld vorhanden ist Sie auch nicht einkaufen kann. Durch den Euro Einheitswahn wurden jedoch sämtliche jahrzehntelang funktionierende Marktmechanismen außer Kraft gesetzt. Jeder Wirtschaft konnte z.B. über die Währung einen gewissen Ausgleich der unterscheidlichen Wirtschaftlichen und Kulturell bedingten Gegebenheiten anpassen.
Dies ist im Einheitswahn/Eurowahn jetzt nicht mehr möglich. Nun wundern sich die Damen und Herren dass Ihnen das ganze mit vehemenz um die Ohren fliegt. Der Euro wird zerbrechen es ist nicht die Fragen wann sondern ob. Wenn dem dt. Michel ersteinmal die wirkliche Rechnung präsentiert wird, bleibt vermutlich kein Stein auf dem anderen. Kummulierte Risiken (EFSF,ESM, Target 2, EZB) von mittlerweile weit mehr als 1000 Mrd€ (1 Billion) werden schlussendlich dt. mit in den Abgrund reißen.

Es ist schon erstaunlich wie es die Politik schafft ein friedliches zusammenleben der Völker innerhalb einer Dekade so an die Wand zu fahren. Dabei sollte doch jedem die negativen Beispiele der wahllos zusammengewürfelten und mittlerweile ausnahmslos zerfallenen Staatenverbünde der jüngsten Vergangenheit mehr als mahnende Zeichen sein.
Ich konnte mir vor 15 Jahren nicht vorstellen dass ich im Kerneuropa nochmals mit kriegerischen auseinandersetzungen rechnen muss. Heute denke ich darüber zu meiner größten Befürchtung ganz anderes.

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