Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.04.2012

12:26 Uhr

Standard & Poor's

Bundesregierung hält zu herabgestuften Spaniern

Jetzt erst recht. Die Bundesregierung hat sich demonstrativ an die Seite Spaniens gestellt - auch und gerade weil die Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit des Landes herabgesetzt hat.

Noch stehen die Flaggen in Madrid wegen der wirtschaftlichen Krise des Landes nicht auf Halbmast. dapd

Noch stehen die Flaggen in Madrid wegen der wirtschaftlichen Krise des Landes nicht auf Halbmast.

New York/Tokio/SydneyAuch nach der Herabstufung der Bonität Spaniens hat die Bundesregierung nach eigenen Angaben weiter Vertrauen in den Willen des Landes zur Krisenbewältigung. Die Regierung habe Vertrauen und Zutrauen in die Entschlossenheit des Landes, das Nötige zu tun, um die Herausforderungen der Krise zu bewältigen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. Dies hätten die Reformschritte Spaniens in der Vergangenheit gezeigt. Die Ratingagentur S&P hatte die Kreditwürdigkeit des Euro-Landes zuvor um zwei Stufen zurückgesetzt.

Seibert machte zudem deutlich, dass Deutschland weiter eine direkte Vergabe von Hilfsgeldern aus den Rettungsschirmen an Banken ablehnt. Zunächst seien hier die Mitgliedsstaaten selbst gefragt, im Notfall dem Sektor zu helfen. Auch der vereinbarte Fiskalpakt solle nicht geändert werden. Er sei auch schon in der beschlossenen Form in zwei Länder ratifiziert worden.

Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte Spanien herabgestuft, weil es erhebliche Risiken für das Wirtschaftswachstum und den Haushalt gebe, wie die Bonitätswächter erklärt hatten. S&P setzte den Ausblick auf negativ und senkte die Bewertung auf BBB-plus von zuvor A. Es sei möglich, dass das südeuropäische Land dem Bankensektor erneut unter die Arme greifen müsse. Die Agentur erklärte, sie glaube zudem nicht, dass die Arbeitsmarktreformen unter dem Strich in absehbarer Zeit Jobs schaffen würden.

Die Zahl der Arbeitslosen in dem Land steigt weiter. Zum Ende des ersten Quartals lag die Arbeitslosigkeit bei 24,4 Prozent, dem höchsten Wert seit 18 Jahren. Ende vergangenen Jahres hatte die Quote noch 22,9 Prozent betragen, wie das spanische Statistikamt am Freitag mitteilte. Spanien steckt derzeit in einer Rezession.

In einer ersten Reaktion auf die Herabstufung hatte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums in Madrid die Entscheidung kritisiert. S&P habe nicht ausreichend die angekündigten Reformen berücksichtigt, sagte sie. „Sie werden einen großen Einfluss auf die wirtschaftliche Lage in Spanien haben.“

Ineffizienz: „Sehr dunkle Wolken“ über Spaniens Banken

Ineffizienz

„Sehr dunkle Wolken“ über Spaniens Banken

Spanien versetzt die Investoren in Alarmbereitschaft. Schwedens Finanzminister Anders Borg hat diese Woche vor „sehr dunklen Wolken“ über den spanischen Banken gewarnt.

Die Herabstufung Spaniens hat den Euro in Fernost vorübergehend belastet - und drückte die Stimmung an der Tokioter Börse. Eine Reihe von japanischen Konjunkturdaten blieb da ohne nennenswerten Einfluss auf den Handel. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index lag im Verlauf faktisch unverändert bei 9568 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index sank um knapp 0,1 Prozent auf 809 Punkte. „Wie immer gibt es schlechte Nachrichten aus Spanien“, sagte Hiroyuki Mutsuro von Mizuho Securities.

Spanien gilt seit längerem an den Finanzmärkten als Wackelkandidat. Der Refinanzierungsbedarf des Finanzsektors hat zuletzt Sorgen geschürt, das Land müsse auf Hilfsgelder seiner internationalen Partner zurückgreifen. Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) haben die angeschlagenen Banken aber ausreichend Kapital, um die Rezession auszuhalten.

Die spanische Arbeitsmarktreform

Geringere Abfindungen

Bis 2012 mussten einem Angestellten in Spanien bei grundloser Kündigung eine Abfindung von 45 Tageslöhnen pro Jahr im Unternehmen gezahlt werden. Die konservative Regierung reduzierte diese Abfindung auf 20 Tageslöhne und legte für die Zahlungen zudem eine neue Höchstdauer von 24 im Unterschied zu davor 41 Monaten fest.

Flexiblere Kündigungen

Lange unterteilte der Arbeitsmarkt in Spanien sich vor allem in zwei Fraktionen: Eine „Elite“ nahezu unkündbarer Festangestellter und Angerstellten, die sich von Zeitvertrag zu Zeitvertrag hangelten. Die Einführung eines neuen, flexibleren Kündigungsrecht erlaubte 2012 erstmals auch das Aussprechen betriebsbedingter Kündigungen bei sinkenden Unternehmensumsatz.

Lockere Tarifverträge

Gleichzeitig wurden auch Gehälter variabler gestaltet. Unternehmen erhielten die Möglichkeit, in Absprache mit den Mitarbeitern Löhne und Arbeitszeiten individuell zu vereinbaren - ohne sich an die geltenden Tarifverträge halten zu müssen.

Bonus für junge Angestellte

Weil in Spanien besonders viele junge Menschen arbeitslos sind, zahlt der Staat Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern eine Prämie. Pro eingestelltem 16-30-Jährigen gibt es bis zu 3300 Euro, für Frauen im gleichen Alter bekommt die Firma sogar bis zu 3600 Euro.

Bonus für alte Angestellte

Besonders betroffen von der schlechten Wirtschaftslage sind auch die älteren Arbeitslosen. Die Regierung zahlt daher jedem Unternehmen, das einen über 45-jährigen Spanier einstellt, bis zu 3900 Euro (für Frauen bis zu 4500 Euro). Der neue Mitarbeiter muss in den 18 Monaten vor Vertragsbeginn jedoch mindestens zwölf Monate arbeitslos gewesen sein. 

Zeitverträge mit Limit

Befristete Verträge dürfen nur noch maximal zwei Jahre gelten und nicht mehr verlängert werden. Soll der Angestellte im Unternehmen bleiben, muss der Vertrag in einen unbefristeten umgewandelt werden.

Zuletzt zeigte sich die Regierung in Madrid zuversichtlich, ihr Sparziel für dieses Jahr zu erfüllen. Mit Hilfe eines strikten Sparkurses von mehr als 27 Milliarden Euro will Spanien einen Fehlbetrag von 5,3 Prozent nach Brüssel melden. Im vergangenen Jahr waren es noch 8,5 Prozent. Die drastischen Sparbemühungen sollen dazu führen, dass die Finanzmärkte wieder Vertrauen in das hoch verschuldete Land fassen. Zwar kann Spanien noch erfolgreich den Kapitalmarkt anzapfen, muss die Anleger aber zunehmend mit höheren Zinsen locken.

Kommentare (74)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

26.04.2012, 23:45 Uhr

Freue mich schon auf den ESM.

Account gelöscht!

26.04.2012, 23:52 Uhr

..hier kommt der nächste Kandidat den Deutschland und vor allem der deutsche Steuerzahler retten muss - unter Inkaufnahme des Verzichtes seiner Rente !

Wacht endlich auf ! ! !

Mir_egal

27.04.2012, 00:00 Uhr

Ich geh jetzt schlafen. Und morgen wach ich auf, und die Sonne geht immer noch im Osten auf und im Westen am Abend wieder unter. So what!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×