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22.10.2012

11:45 Uhr

Standortvergleich

Energiewende bedroht Deutschlands Aufstieg

Als attraktiver Standort für Industriekonzerne hat Deutschland international kräftig aufgeholt. Neben traditionellen Stärken gibt es aber auch einige lange bekannte dunkle Flecken - und ein paar ganz neue Risiken.

Michael Hüther

IW-Chef: "Bei den Kosten müssen wir vernünftig bleiben"

Michael Hüther: IW-Chef: "Bei den Kosten müssen wir vernünftig bleiben"

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DüsseldorfAuf den ersten Blick fällt das Bild fast rosarot aus, dass das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) vom Wirtschaftsstandort Deutschland zeichnet. Im Ranking der besten Industriestandorte habe die Bundesrepublik kräftig aufgeholt und ist von der 14. auf die fünfte Stelle weltweit geklettert. Doch im Detail sieht das Bild etwas anders aus.

Tatsächlich hat Deutschland sich in vielen Punkten verbessert, zeigt die Studie des arbeitgebernahen Instituts im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums auf. Die Bundesrepublik liegt nun vor Ländern wie Irland und den Niederlanden, die bislang als beliebte Standorte für die Zentralen globaler Konzerne galten. Zu den Stärken Deutschlands gehören laut IW "die ausgebaute Infrastruktur, die gute Bildung der Bevölkerung und der zuverlässige Ordnungsrahmen", teilte das IW mit. Das sind bekannte Faktoren, die die Bundesregierung seit Jahrzehnten propagiert und Basis des Erfolgs von "Made in Germany" waren.

Die weltweit besten Industriestandorte

Platz 1

Die USA behaupten sich im IQ-Index auf dem ersten Rang. Dort waren die Vereinigten Staaten bereits 1995 zu finden.

Platz 2

Im Vergleich von 45 Industrienationen belegt Schweden den zweiten Rang. Seit 1995 hat sich Schweden damit um zwei Plätze verbessert.

Platz 3

Dänemark macht zwei Plätze gut und springt auf Rang 3. Skandinavien macht derzeit wirtschaftlich eine gute Figur.

Platz 4

Auch Deutschlands Nachbar Schweiz schafft es auf einen der vorderen Plätze – 1995 stand die Alpenrepublik noch auf Rang 7.

Platz 5

Deutschland macht den größten Sprung bei den Top-Industrienationen. 1995 sah das IW-Institut die Bundesrepublik noch auf Platz 14.

Platz 6

Knapp hinter Deutschland folgt Australien auf Platz 6 – sogar mit dem gleichen Indexwert aus den 58 einzelnen Kategorien.

Platz 7

Platz 7 geht an die Niederlande – damit verschlechtert sich unser Nachbar deutlich. Die Holländer lagen 1995 noch an zweiter Stelle des IW-Rankings.

Platz 8

Auch Kanada muss einen Rückschlag hinnehmen. Der nordische Nachbar der USA stürzt um satte fünf Plätze ab.

Auch die Schwächen, die das IW nennt, sind aus den Klagen der Industrie bekannt: hohe Arbeitskosten, der mangelnde Fachkräftenachwuchs, die demografische Entwicklung und eine relativ hohe Steuerbelastung. Dennoch sei es Deutschland gelungen, vom 14 Rang (1995) auf dem fünften Platz der besten Industriestandorte der Welt zu klettern.

Allerdings: die Daten beziehen sich auf das Jahr 2010 - und sind damit nicht mehr völlig frisch. Denn seither ist nicht nur die Euro-Krise ausgebrochen, sondern auch eine Energiewende über Deutschland hinweg gefegt. Die relativ vorteilhaften Standortbedingungen, so das Institut, seien immerhin die Grundlage für eine starke, exportorientierte Industrie - die wiederum dafür gesorgt hat, dass Deutschlands Konjunktur nicht unter dem Druck der Euro-Krise in die Knie gegangen ist.

Kritischer sieht es jedoch bei den Auswirkungen des Atomausstiegs nach dem Reaktorunglück im japanischen Fukushima aus. Denn die "stabile Versorgung mit Energie und Rohstoffen" zählt das IW zu den Stärken Deutschlands - und die ist plötzlich zu einem Wackelfaktor geworden. Die stabile Versorgung mit Strom aber stufen laut IW fast alle Industrieunternehmen als "nahezu unverzichtbar" ein. Bereits jetzt beurteilten die Unternehmen die Strompreise im internationalen Vergleich als zu hoch.

Kommentare (19)

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Joker1

22.10.2012, 11:58 Uhr

Klar, man findet immer Schwachstellen.
Der Turbokapitlismus sucht die Eier legende Wollmichlsau.
Profit über ALLES!
Gesunde Umwelt und funktionierende Infrastruktur spielen
für diese "Patrioten" keine Rolle.
An den Lohnkosten kanns ja nicht mehr unbedingt liegen,
nach der Euroeinführung.

Account gelöscht!

22.10.2012, 12:33 Uhr

Frischere Zahlen als die von 2012 kann man sich doch wohl nicht wünschen oder hab ich da was übersehen.

Wuest

22.10.2012, 12:34 Uhr

>>Energiewende bedroht Deutschlands Aufstieg<<

Irgendwas bedroht immer den Aufstieg. Diese Überschrift ist des HB-s unwürdig! Und dann der nachfolgende Artikel??? - Wer hat hier eigentlich was recherchiert? Das Ganze ist nur BlaBla auf der Dose.

Natürlich eignet sich die Headline für reißerische Ansprache bestimmter konservativer Kreise, die stets gegen alles Neue sind und immer schon darauf verwiesen haben, dass es doch vor 30 Jahren auch schon klappte - warum sollte man daran rühren?

So einfach ist die Energiewelt aber nicht. Tendenziell werden die Preise weiter steigen und wir alle können nur hoffen, dass es uns gelingt, über regenerative Energien ROTE LINIEN einzuziehen. Bei der Photovoltaik sind wir da ganr nicht mal so weit weg. Auf dem Dach des Endverbrauchers montiert, mit Gestehungskosten in Höhe der aktuellen Strompreise (Endkundenpreise, nicht Strombörsen-Mondpreise) kommt dieser ROTEN LINIE schon nahe. Jetzt muss noch eine Zwischenspeicher-Lösung an den Markt und fertig ist der Selbstversorger. Ende der Preis-Treiberei incl.

Und seien wir mal ehrlich. Das Thema Subventionierung müssen sich ausnahmslos alle Energiearten gefallen lassen. Kohl, Atom, Wind, Sonne, alles subventioniert!

72% der Bundesbürger haben es bereits begriffen. Die Energiewende ist gut. - Wann dürfen wir die HB-Redakteure in diesen Kreis aufnehmen?

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