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27.08.2015

17:12 Uhr

Starke Konjunkturdaten

US-Wirtschaft zieht im zweiten Quartal kräftig an

Die US-Wirtschaft wächst – sogar deutlich stärker als erwartet. Konsum, Investitionen und Außenhandel haben kräftig zugelegt. Das wirft für Anleger die Frage auf: Leitet die US-Notenbank bald die Zinswende ein?

Kommt bald die Zinswende? Die Anzeichen verdichten sich. AFP

Fed in Washington

Kommt bald die Zinswende? Die Anzeichen verdichten sich.

WashingtonDie US-Wirtschaft ist im Frühjahr stärker gewachsen als bisher angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt legte von April bis Juni aufs Jahr hochgerechnet um 3,7 Prozent zum Vorquartal zu, wie das Handelsministerium am Donnerstag in einer zweiten Schätzung mitteilte. „Die Zahlen machen deutlich, dass das Wachstumsszenario in den USA intakt ist“, sagte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. Von Reuters befragte Experten hatten nur einen Anstieg von 3,2 Prozent erwartet. Bisher war lediglich ein Plus von 2,3 Prozent gemeldet worden.

Der Konsum, der mehr als zwei Drittel der US-Wirtschaft ausmacht, stieg mit 3,1 Prozent stärker als zunächst angenommen. Für Impulse sorgten auch die Investitionen der Firmen, die um 3,2 Prozent zulegten, und der Außenhandel, da die Exporte stärker anzogen als die Importe.

Die Konjunkturdaten dürften der US-Notenbank Fed als Entscheidungshilfe dabei dienen, ob sie den Leitzins bereits im September anheben kann oder noch bis zum Jahresende wartet. Zuletzt hatten Fachleute wegen der heftigen Börsen-Turbulenzen in China die Frage aufgeworfen, ob die Fed überhaupt zügig die Zinswende einläuten kann. Diese im nächsten Monat zu starten, „scheint für mich weniger zwingend zu sein als noch vor ein paar Wochen“, sagte etwa der Präsident der Fed von New York, William Dudley, am Mittwoch.

Pro und Kontra für eine Zinswende der Fed

Pro: Robuste Konjunktur

Die amerikanische Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren stark von dem Einbruch nach der Wirtschaftskrise erholt. Von Abschwung oder Krise ist weit und breit nichts mehr zu sehen. Einige Fachleute argumentieren sogar, dass die Notenbank ihre Geldpolitik schon zu lange locker hält. Die Gefahr: Fließt zu viel billiges Zentralbankgeld in Vermögenswerte wie Häuser, könnte das zu ähnlichen Übertreibungen führen wie vor dem Ausbruch der Finanzkrise.

Pro: Boom am Arbeitsmarkt

Als Folge der robusten Wirtschaft hat sich die Lage am Arbeitsmarkt stark gebessert. Allein im vergangenen Jahr sind mehr als drei Millionen Jobs entstanden. Die Arbeitslosigkeit ist massiv gefallen und bewegt sich mittlerweile auf einem Niveau, ab dem die Notenbank von Vollbeschäftigung spricht. Unicredit-Experte Harm Bandholz sagt sogar, der Arbeitsmarkt sei bereits „heißgelaufen“. Rekordniedrige Zinsen hat der Jobmarkt jedenfalls nicht mehr nötig.

Kontra: Schwache Inflation

Trotz robuster Wirtschaft und fallender Arbeitslosigkeit ziehen die Preise nicht an. Was amerikanische Verbraucher freut, ängstigt die Notenbank. Denn sie hat nicht nur das Ziel, das Wachstum zu beleben, sie muss auch die Preise stabil halten. Weil in einer wachsenden Wirtschaft die Preise zwangsläufig steigen, sieht die Fed ihr Inflationsziel bei zwei Prozent. Davon ist sie zurzeit weit entfernt.

Kontra: Löhne ziehen nicht an

Der vielleicht wichtigste Grund, der die Zinswende hinauszögern könnte, sind die allenfalls moderat steigenden Löhne. Zwar rechnen viele Fachleute damit, dass die Gehälter durch den Jobboom bald steigen werden. „Bisher aber zeigen die Löhne kaum Anzeichen eines stärkeren Zuwachses“, sagt USA-Experte Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. Ob die Fed tatsächlich mit Zinsanhebungen beginnt, ohne dass sich Lohndruck abzeichnet, ist aber fraglich.

Kontra: Der starke Dollar

Die amerikanische Währung hat in den vergangenen Monaten massiv an Wert gewonnen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Ein wichtiger Punkt ist gerade die Erwartung steigender Leitzinsen, weil höhere Zinsen Anlagen in den USA lukrativer machen. Das bringt die Fed in die Zwickmühle: Hebt sie die Zinsen tatsächlich an, könnte der Dollar weiter zulegen - und zu einer Belastung für die amerikanische Konjunktur werden.

Kontra: Fed allein auf weiter Flur

Neben der Federal Reserve denkt derzeit keine andere große Zentralbank über Zinsanhebungen nach. Im Gegenteil: Viele Notenbanken, darunter die Europäische Zentralbank, lockern ihre Geldpolitik und schwächen so ihre Währungen. Das setzt die Fed unter Druck, weil der Dollar jetzt umso stärker steigt. Als Folge verteuern sich amerikanische Produkte für ausländische Abnehmer, was die Exportwirtschaft belastet. Zudem werden Einfuhren in die USA günstiger, was die ohnehin schwache Inflation zusätzlich dämpft.

Von

rtr

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