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11.01.2012

10:29 Uhr

Starkes BIP drückt Defizitquote

Deutschlands Schulden wachsen, aber langsamer

Für Deutschland war 2011 trotz Eurokrise ein gutes Jahr: Die Wirtschaft wuchs um drei Prozent. Daher fiel die Neuverschuldung des Staates kräftig. Dieser starke Rückenwind für Finanzminister und Kämmerer flaut aber ab.

Die Schulden des Bundes, der Länder und der Kommunen steigen noch, aber deutlich langsamer. Schuldenuhr in Hamburg. dpa

Die Schulden des Bundes, der Länder und der Kommunen steigen noch, aber deutlich langsamer. Schuldenuhr in Hamburg.

WiesbadenDie im Aufschwung kräftig steigenden Steuereinnahmen haben das deutsche Staatsdefizit 2011 deutlich gedrückt. Die Haushaltsverantwortlichen in Bund, Ländern und Kommunen nahmen zwar weitere 26,7 Milliarden Schulden auf - aber in Relation zur gesamten Wirtschaftsleistung waren das nur noch 1,0 Prozent. Das teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mit. Damit hält Deutschland erstmals seit drei Jahren wieder die Obergrenze des EU-Stabilitätspaktes ein. Die europäischen Regeln erlauben höchstens 3,0 Prozent Defizit.

In den Jahren 2009 (3,2 Prozent) und 2010 (4,3 Prozent) hatte Deutschland dagegen verstoßen. Unter dem Strich stand für das vergangene Jahr ein Fehlbetrag von 26,7 Milliarden Euro. Im Vorjahr belief sich der Finanzierungssaldo von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung auf minus 105,86 Milliarden Euro.

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Trotz schwächelnder Konjunktur soll das Staatsdefizit weiter abgebaut werden. Die Defizitquote soll noch in diesem Jahr auf rund ein Prozent sinken. Allerdings bereiten die Griechenland-Hilfen dem Fiskus Probleme.

Die EU-Kommission sagt für Deutschland für dieses Jahr erneut ein Defizit von 1,0 Prozent voraus, das 2013 sogar auf 0,7 Prozent nachgeben soll. Allerdings bleibt die Bewältigung der Euro-Krise ein erheblicher Unsicherheitsfaktor, unter Umständen muss Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble schneller und tiefer in die Kasse greifen, um den neuen europäischen Rettungsschirm ESM mit Kapital auszustatten.

Die Inflationsrate in Deutschland war in den letzten Monaten des vergangenen Jahres auf knapp über zwei Prozent zurückgegangen.

Hauptursache für den Rückgang der Neuverschuldungsquote war das nach wie vor starke Wachstum der deutschen Volkswirtschaft, die um 3,0 Prozent zulegte. Das meldete das Statistische Bundesamt aufgrund vorläufiger Zahlen. 2010 hatte die Wirtschaft sogar um 3,7 Prozent zugelegt, das Krisenjahr 2009 hatte Deutschland mit einem Minus von 5,1 Prozent die tiefste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg gebracht.

Konjunkturindikatoren

ZEW-Konjunkturerwartungen

Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

ifo-Index

Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

Einkaufsmanagerindex

Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

Geldmenge (M1)

Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

 

Baltic Dry Index (BDI)

Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

GfK-Konsumklimaindex

Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

 

Volkswirte sprachen von einer erstaunlich robusten Wirtschaft in Deutschland: während andere Länder in die Rezession abrutschten, schwächte sich der Boom in Deutschland zunächst nur leicht ab. Aber auch die Experten gehen davon aus, dass sich die Exportnation Deutschland angesichts des weltweiten Konjunkturabschwungs und der anhaltenden Schuldenkrise im Euroraum jetzt auf substanzielle Dämpfer einstellen muss. Die Wirtschaftskraft war im vierten Quartal 2011 bereits leicht gesunken - preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,25 Prozent. Ökonomen der Deutschen Bank gehen bereits davon aus, dass die Wirtschaftsleistung darüber hinaus nicht nur im ersten Quartal 2012 schrumpft, sondern auch im zweiten Quartal.

Für das gesamte laufende Jahr wird im Schnitt mit allenfalls 0,5 Prozent Wachstum gerechnet.

Kommentare (25)

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Meinungsmache

11.01.2012, 09:40 Uhr

Will man uns Lesern hier NEUverschuldung als positiv verkaufen?!
Wenn es positiv wäre, müßte die Headline lauten:
„Keine Neuverschuldung notwendig-Deutschlands Gesamtschuldenlast um 1,0 Prozent abgebaut“.

Account gelöscht!

11.01.2012, 09:57 Uhr

Ich warte ja noch drauf bis Internet abgeschaltet wird in D und Volksempfänger verteilt werden, damit ja jeder den Propagandamist Tag ein Tag aus hört bis es jeder glaubt!

Übrigens hatte niemand vor eine MAuer zu errichten ;)

norbert

11.01.2012, 09:59 Uhr

Bei einem - für unsere Verhältnisse traumhaften - Wachstumswert von 3 % machen wir immer noch Schulden ?

Das wird nix ...

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