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11.04.2014

09:47 Uhr

Statistische Bundesamt

Energiepreise drücken Inflation auf 1,0 Prozent

Sprit ist günstig, Heizen auch - was Verbraucher freut, könnte Gift sein für die Konjunktur. Die Inflation ist niedrig. Die Angst vor einem breiten Preisverfall hält sich. Ökonomen rechnen aber mit einer Trendwende.

Die Heizung darf wieder aufgedreht werden, denn die Energiepreise fallen. Mit ihnen fällt aber auch die Inflation. dpa

Die Heizung darf wieder aufgedreht werden, denn die Energiepreise fallen. Mit ihnen fällt aber auch die Inflation.

WiesbadenSinkende Energiepreise haben die Inflation in Deutschland auf den tiefsten Stand seit August 2010 gedrückt. Im März lag die jährliche Teuerungsrate bei 1,0 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Damit bestätigte die Wiesbadener Behörde ihre erste Schätzung von vor zwei Wochen.

Der seit Monaten rückläufige Trend bei den Verbraucherpreisen setzte sich somit fort: Für Dezember war noch ein Wert von 1,4 Prozent ermittelt worden, im Januar dann 1,3 Prozent, im Februar 1,2 Prozent. Von Februar auf März 2014 zogen die Preise um 0,3 Prozent an.

Gefährliche Inflation

Was ist Inflation?

Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Sich-Aufblasen“. Der Begriff bezeichnet einen andauernden starken Anstieg des Preisniveaus: Waren- und Dienstleistungspreise steigen insgesamt an, blasen sich quasi auf. Die Kaufkraft des Geldes sinkt, da man weniger Waren und Dienstleistungen als zuvor für den gleichen Geldbetrag kaufen kann. Wenn die Preise nur einzelner Güter steigen, herrscht noch keine Inflation. Kennzeichnend für eine Inflation ist vielmehr, dass das Geld generell und fortlaufend an Kaufkraft verliert. Das Eurosystem hat definiert, dass eine jährliche Inflationsrate von unter zwei Prozent noch mit dem Ziel der Preisstabilität vereinbar ist.

Quelle: Deutsche Bundesbank, Bundeszentrale für politische Bildung.

Wie wird die Inflation gemessen?

Am häufigsten wird zur Messung der Inflation der Verbraucherpreisindex (früher Preisindex für die Lebenshaltung) als Maßstab für Preisveränderungen herangezogen. Der Verbraucherpreisindex wird anhand eines Verbrauchsschemas, des sogenannten Warenkorbs, berechnet, der alle Güter und Dienstleistungen enthält, die den typischen Verbrauchsgewohnheiten eines Durchschnittshaushalts entsprechen. Dazu gehören Güter des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel, Bekleidung oder Mieten und langlebige Gebrauchsgüter wie Kraftfahrzeuge oder Möbel genauso wie Dienstleistungen (z. B. Friseurbesuche oder Versicherungen). In der Regel wird der Warenkorb ungefähr alle fünf Jahre neu festgesetzt, weil sich die Konsumgewohnheiten der Verbraucher verändern oder neue Waren und Dienstleistungen angeboten werden. Die Berechnung der Preisveränderung für die Lebenshaltung erfolgt durch die Ermittlung der Preise für die einzelnen Güter des Warenkorbes. Diese Preise werden dann als Indexzahl, bezogen auf ein Basisjahr (derzeit Preisbasis 2005 = 100), ausgedrückt.

Wann spricht man von Hyperinflation?

Eine Hyperinflation ist eine Inflation mit gigantischen Preissteigerungen. Die Inflationsraten liegen mindestens bei 50 Prozent, meist sogar höher. Ist eine Hyperinflation im Gange, nimmt die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ständig zu. Das liegt daran, dass jeder sein Geld möglichst sofort ausgibt, um weiteren Preissteigerungen zuvorzukommen. Die Folge ist eine immer schnellere Nachfrage und immer schnellere Preissteigerungen, bis schließlich das Vertrauen der Bevölkerung in die inländische Währung total verloren geht. Spätestens in dieser Situation weicht die Bevölkerung auf wertbeständiges ausländisches Geld oder auf knappe Sachgüter als Ersatzwährung aus (z. B. amerikanische Zigaretten nach dem Zweiten Weltkrieg in Westdeutschland), um sich auf dem Schwarzmarkt mit notwendigen Gütern zu versorgen.

Schützen Immobilien vor Inflation?

Dass Stein und Beton gegen die Geldentwertung helfen stimmt nur bedingt. Denn die Preise von Eigentumswohnungen und Häusern steigen vor allem in Metropolen. Der Maklerverband IVD hat festgestellt, dass die Preise für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser von 1977 bis 2010 stärker gestiegen sind als die Inflation, aber vor allem in Metropolen und nicht in Kleinstädten oder auf dem Land.

Schützt Gold vor einer Inflation?

Gold gilt als besonders sicher, weshalb Anleger gerade aus Furcht vor fallenden Börsenkursen und Angst vor steigender Inflation hier zugreifen. Allerdings raten Verbraucherschützer regelmäßig zur Vorsicht: Denn die künftige Entwicklung des Goldpreises ist reine Spekulation. Zwar spricht aus ihrer Sicht nichts dagegen, in Gold zu investieren. Allerdings gibt es einiges zu beachten: Da Gold in Dollar gehandelt wird, besteht ein Währungsrisiko. Wer Goldbestände aus Sicherheitsgründen nicht daheim lagern will, muss zudem Kosten für ein Schließfach einkalkulieren.

Schützen Aktien vor einer Inflation?

Neben Immobilien und Edelmetallen gelten auch Aktien als verlässlicher Schutz. Die Idee dahinter: Steigt das allgemeine Preisniveau, schlägt sich das früher oder später auch in den Preisen und Kursen realer Vermögenswerte nieder. Einigkeit herrscht unter Experten aber auch darin, dass dieser Zusammenhang erstens nur tendenziell gilt und zweitens vor allem langfristig.

Weil die Werte für den gesamten Euroraum zuletzt noch niedriger lagen - im März bei 0,5 Prozent - warnen manche Volkswirte vor einer gefährlichen Abwärtsspirale sinkender Preise auf breiter Front. Das könnte die ohnehin noch fragile Konjunkturerholung ausbremsen, weil Unternehmen und Verbraucher in Erwartung weiter sinkender Preise Investitionen aufschieben.

Ein solches Deflationsszenario sieht die Europäische Zentralbank (EZB) bislang nicht, auch wenn die Inflation nach Einschätzung der Notenbank erst 2015 allmählich wieder in Richtung des EZB-Ziels von knapp unter 2,0 Prozent steigen dürfte. Bei diesem Niveau sehen die Währungshüter stabile Preise gewahrt.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte vor einer Woche klargestellt, die Notenbank werde sich notfalls auch mit unkonventionellen Mitteln gegen einen zu schwachen Preisauftrieb stemmen. Möglich wäre zum Beispiel ein breit angelegter Kauf von Anleihen.

Volkswirte gehen jedoch davon aus, dass die Teuerungsraten schon im April wieder anziehen werden - unter anderem weil Ostern in diesem Jahr relativ spät liegt und die Preise für Pauschalreisen daher in diesem April stärker anziehen dürften als vor einem Jahr.

Die vergleichsweise niedrige März-Inflationsrate in Deutschland erklärte das Bundesamt wie in den Vormonaten mit sinkenden Preisen für Mineralölprodukte. Heizöl und Kraftstoffe verbilligten sich in der Summe im Jahresvergleich um 4,2 Prozent. Dagegen mussten Verbraucher für Nahrungsmittel im Schnitt 2,2 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor. Der Preisanstieg bei Lebensmitteln fiel jedoch deutlich geringer aus als in den Vormonaten.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

11.04.2014, 11:52 Uhr

@pizzarro53
Wenn Sie sich aufregen wollen, dann bitte über die Biokraftstoffquote. Mindestens 2 Millionen Tonnen wertvolle Öle und Fette gehen in den Kraftstoff. Durch die fixe Quote sind diese Öle an den Preismechanismus von Mineralöl gekoppelt.
Streichen Sie die Quote, dann ist die Deflation beim Lebensmittel quasi garantiert. Die Malaysier sind beim Palmöl weit ehrlicher und bezeichnen deren Biospritquote als Qantitative Easing.
E10 und Biogas kommt mengenmäßig obendrauf.
Wenn Sie alternativ die Quote mit Ökostrom aus billiger Windkraft oder Photovoltaik erzeugen, dann spart man Volskwirtschaftlich mindestens die Hälfte, eher mehr. Dazu kommen die Zweitrundeneffekte, da Ökostrom hier und Soja- und Palmöl im Ausland erzeugt wird.

Das EEG macht nicht den Strom teuer, sondern wesentlich sind die Stamokap Zentralkommitee Regeln der GroKo. Der Anteil Ihres Geldes der tatsächlich für den Ausbau der Erneuerbaren genutzt wird, ist verhälnismäßg lächerlich.

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