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06.08.2015

14:55 Uhr

Statistisches Bundesamt

Anteil der befristeten Jobs geht zurück

Der Boom am Arbeitsmarkt wirkt sich auf die Jobsicherheit der Beschäftigten aus. Der Anteil der befristeten Jobs ist in den vergangenen Jahren leicht zurückgegangen. Davon profitieren allerdings nicht alle.

Vor allem in der Gastronomie, dem Wissenschaftsbetrieb sowie im Gesundheits- und Sozialbereich werden Arbeitnehmer häufig nur befristet angestellt. dpa

Einige Branchen besonders betroffen

Vor allem in der Gastronomie, dem Wissenschaftsbetrieb sowie im Gesundheits- und Sozialbereich werden Arbeitnehmer häufig nur befristet angestellt.

BerlinDer Anteil der befristeten Arbeitsverhältnisse in Deutschland ist in den vergangenen vier Jahren wieder gesunken. Wie aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht, war 2014 nur noch jeder zwölfte Arbeitnehmer ab 25 Jahren auf Zeit beschäftigt. Die „Süddeutsche Zeitung“ (Donnerstag) hatte zuvor darüber berichtet. Der Anteil der befristet Beschäftigten sei damit seit 2011 von 8,9 Prozent auf 8,1 Prozent zurückgegangen - insgesamt seien das nur noch drei Millionen. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit leicht unter dem EU-Durchschnitt von 8,2 Prozent.

Grund für den Rückgang ist nach den Worten von Karl Brenke, Arbeitsmarktexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, der hohe Beschäftigungsstand am deutschen Arbeitsmarkt. 2014 waren 42,6 Millionen Menschen erwerbstätig, so viele wie nie zuvor. „Die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer ist dadurch besser geworden“, sagte Brenke der „Süddeutschen Zeitung“.

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Weit verbreitet sind solche Arbeitsverträge vor allem in der Gastronomie, an Universitäten und wissenschaftlichen Instituten sowie im Gesundheits- und Sozialbereich. Der Anteil der Beschäftigten mit solchen Zeitverträgen war laut den Zahlen aus Wiesbaden in den 1990er Jahren schon deutlich niedriger. Seit 2005 bewegt er sich aber um die Marke von acht bis neun Prozent und ist seit dem Ende der Finanzkrise rückläufig.

Unverändert ist allerdings, dass Verträge auf Zeit vor allem jüngere Menschen treffen. Mit 17,2 Prozent war der Anteil bei den 25- bis 34-Jährigen mehr als doppelt so hoch. „Befristete Angebote treffen damit vor allem die Menschen, die sich gerade in der Familiengründung befinden“, sagte Karin Schulze Buschoff vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der gewerkschaftsnahen Hans Böckler Stiftung. Der Berufseinstieg gestalte sich damit häufig schwierig.

Die Historie der Hartz-Reformen

Startschuss 2012

Am 22. Februar 2002 wurde durch die Bundesregierung unter Gerhard Schröder eine Kommission mit dem Namen „Kommission für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“ – kurz „Hartz-Kommission“ – eingesetzt. Sie gilt als Startschuss für die späteren Hartz-Reformen.

Peter Hartz

Peter Hartz ist ein ehemaliger deutscher Manager, der die „Hartz-Kommission“ leitete. Er war bis Juli 2005 der Personalvorstand und Vorstandsmitglied der Volkswagen AG. Nach ihm wurden die Arbeitsmarktreformen benannt.

Das Hartz-Konzept

Die Vorschläge der Kommission wurden in vier Phasen (Hartz I bis IV) umgesetzt und traten zwischen dem 1. Januar 2003 und dem 1. Februar 2006 in Kraft.

Ziel der Kommission

Das Ziel der Kommission war es, die Arbeitslosenzahl von damals offiziell vier Millionen innerhalb von vier Jahren zu halbieren. Die Kommission legte im August 2002 einen Bericht vor.

Hartz I

Hartz I beinhaltet einen Gleichstellungsgrundsatz: Leiharbeitnehmer müssen demnach zu denselben Bedingungen wie Stammarbeitnehmer des entleihenden Unternehmens beschäftigt werden. Im Klartext: Gleiche Arbeitszeit, gleiches Arbeitsentgelt und gleiche Urlaubsansprüche.

Hartz II

Hartz II regelt geringfügige Beschäftigungsverhältnisse: Als geringfügig Beschäftigter gilt, wer monatlich bis zu 400 Euro verdient. Der Beitragssatz zur Krankenkasse wird von zehn auf elf Prozent des Bruttolohnes erhöht und der Arbeitgeber zahlt eine pauschale Steuer in Höhe von zwei Prozent des Bruttolohnes.

Hartz III

Das „Dritte Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt vom 23. Dezember 2003“ organisierte die Restrukturierung und der Umbau der Bundesanstalt für Arbeit (Arbeitsamt) in die Bundesagentur für Arbeit (Agentur für Arbeit). Die Kommission erhoffte sich davon eine Effizienzsteigerung.

Hartz IV

Ab dem 1. Januar 2005 wurde die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe für Erwerbsfähige vollzogen. Das Einkommen wurde auf ein Niveau unterhalb der bis dahin geltenden Sozialhilfe festgelegt.

Kritik am Hartz-Konzept I

Das ehrgeizige Ziel des Hartz-Konzepts, die Arbeitslosigkeit in Deutschland auf zwei Millionen Arbeitslose zu senken, wurde nicht erreicht. Gewerkschaften kritisieren die hohen Kürzungen für Hartz-IV-Empfänger.

Kritik am Hartz-Konzept II

Der Gegenseite gehen die Kürzungen für Hartz-IV-Empfänger nicht weit genug: Sie sehen in der Bundesrepublik eine übermäßige Erwartungshaltung der Menschen an den Staat als Versorger.

Kommt es zu einer Befristung, so ist die Unsicherheit außerdem groß: 58 Prozent der befristet Beschäftigten besaßen 2014 nur einen Arbeitsvertrag mit einer Laufzeit von weniger als einem Jahr. Bei 20 Prozent lag die Dauer bei ein bis zwei Jahren. 22 Prozent hatten Sicherheit für zwei bis drei Jahre.

Arbeitnehmer im Alter unter 25 Jahren, die noch häufiger befristete Verträge haben, fließen nicht in die Berechnung des Statistischen Bundesamtes ein. Auch die Gruppe der Auszubildenden, deren Verträge per se befristet sind, werden nicht berücksichtigt.

Von

dpa

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