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28.11.2011

15:50 Uhr

Statistisches Bundesamt

Deutsche Inflation sinkt im November

Die Inflationsrate in Deutschland ist im November den zweiten Monat in Folge gesunken. Analysten gehen davon aus, dass der Höhepunkt vom September überschritten ist und die Inflation weiter zurückgeht.

Verbraucher haben trotz Krise Spendierhosen an

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BerlinDer Preisdruck in Deutschland schwindet und dürfte die Inflationsrate schon bald wieder unter die kritische Marke von zwei Prozent sinken lassen. Im November kosteten Waren und Dienstleistungen im Schnitt 2,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, teilte das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung mit. Im Oktober lag die Jahresteuerung bei 2,5 Prozent, im September gab es mit 2,6 Prozent noch ein Drei-Jahres-Hoch. Fachleute gehen davon aus, dass der Preisdruck wegen der bevorstehenden Konjunkturflaute weiter abebbt. „Wir dürften den Höhepunkt überschritten haben“, sagte Unicredit-Analyst Alexander Koch. „Die schlechten Wachstumsaussichten dämpfen auch die Inflationsrisiken“, ergänzte Commerzbankerin Ulrike Rondorf.

Seit Jahresanfang liegt die Inflation über der Marke von zwei Prozent, bis zu der die Europäische Zentralbank (EZB) von stabilen Preisen spricht. „Der Anstieg ist überwiegend auf Preiserhöhungen bei Haushaltsenergie - vor allem bei Heizöl und Gas - zurückzuführen“, erklärten die Statistiker zu den November-Daten. In Bayern, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen etwa mussten die Verbraucher rund elf Prozent mehr für Haushaltsenergie zahlen als vor Jahresfrist. Im Vergleich zum Oktober blieben die gesamten Verbraucherpreise unverändert. Details will das Bundesamt am 9. Dezember vorlegen.

Die Fachleute Koch und Rondorf gehen davon aus, dass die Inflationsrate Anfang 2012 wieder unter zwei Prozent rutscht. Auch die Bundesregierung rechnet damit, dass die Teuerung von 2,3 Prozent im Jahresschnitt 2011 im nächsten Jahr spürbar auf 1,8 Prozent sinkt. Rondorf sieht in den nächsten eineinhalb Jahren keine Inflationsrisiken.

Das könnte den privaten Konsum stabilisieren, wenn sich der Rückenwind vom Außenhandel weiter abschwächt und die Binnennachfrage künftig fast das gesamte Wirtschaftswachstum schultern muss. Wie die GfK-Marktforscher ermittelt haben, neigen die durch die Schuldenkrise verunsicherten Verbraucher trotz Rezessionssorgen dazu, ihr Geld eher auszugeben als es für niedrige Zinsen anzulegen. Das GfK-Konsumklima für Dezember stieg auf 5,6 Punkte und damit den dritten Monat in Folge. Die Nürnberger Experten gehen davon aus, dass die Deutschen durchschnittlich 241 Euro für Weihnachtsgeschenke ausgeben und damit rund vier Euro weniger als im vorigen Jahr.

Auch wenn der Preisauftrieb in der nächsten Zeit also nachlässt, geht Commerzbankerin Rondorf davon aus, dass „langfristig eine höhere Inflation droht“. „Denn die EZB wird aus Rücksicht auf die Probleme der Peripherieländer für lange Zeit eine für Deutschland zu expansive Geldpolitik verfolgen.“ Die Europäische Zentralbank hat im November ihren Leitzins auf 1,25 Prozent gesenkt und dürften nach Ansicht vieler Marktbeobachter ihre Geldpolitik im Dezember noch einmal auf 1,0 Prozent lockern.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Wahrheit

28.11.2011, 16:37 Uhr

"Traue keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast" hat Winston Churchill gesagt...das trifft auf die Inflation seit Jahren zu.

Mischael

28.11.2011, 17:08 Uhr

@ Wahrheit, jeder sagt soviel den ganzen Tag da braucht man niemandem mehr trauen! Man weiss ja nie was die Ziele und Interessen der jeweiligen Personen ist, das trifft auch auf dieses Forum zu! Wenn ich mich aus Angst vor einen Inflation massenweise (vielleicht auch über Schulden?) z. B. mit Gold eingedeckt hätte, hätte ich auch keine Lust auf eine sinkende Inflation! ;-)

Ist doch klar dass die Inflation bei einer Rezession zurückgeht, da drohen eher deflationäre Zeiten! Für eine Inflation benötigt man Wachstum und steigende Gehälter, was beides auf lange Zeit nicht eintreten wird.

itstk

28.11.2011, 17:22 Uhr

Nur ZWEI Gegenbeispiele:

1. Mein Stromanbieter hat dieser Tage angekündigt, seinen Atomstrom ab nächstem Jahr mal eben um 7% zu verteuern. Das sind Lebenshaltungskosten, die JEDEN treffen. Denn auch Ökostrom bewegt sich in dieser Größenordnung, nur mit anderer Argumentationsgrundlage: Die Ökos argumentieren mit Expansion, die Atomlobby mit den Ökos...

2. Auch Benzin ist um 7% teurer geworden. Das trifft jeden direkt, der nicht alles zu Fuß erledigt. Alle anderen zahlen den Spritpreis an der Supermarktkasse mit.

Wenn man natürlich einen Warenkorb zu Rate zieht, der unabhängig von ihrem Verbreitungsgrad auch Luxusgüter mit entsprechend hohen Einstandspreisen listet, die alleine schon durch ihren hohen Absolutbetrag um ein Vielfaches höher gewichtet sind, kann man die Inflation auf fast jeden Prozentsatz beliebig schönrechnen.

Solange neben dem Ergebnis nicht auch der Rechenweg für jedermann zugänglich veröffentlicht wird, ersatzweise die Zusammensetzung nebst Gewichtung, halte ich mich vorrangig an meine eigene "Statistik" aus gesammelten Quittungen der vergangenen Jahre.

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