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01.06.2015

14:41 Uhr

Steigende Inflation

Immer noch zu wenig

Die Verbraucherpreise haben sich im Mai leicht verteuert. Doch mit einer Inflationsrate von 0,7 Prozent liegt der Wert noch deutlich unter dem angestrebten von zwei Prozent. Die EZB versucht weiter, gegenzusteuern.

Die Inflation in Deutschland steigt, liegt aber weiter deutlich unter dem Niveau von zwei Prozent. dpa

Verbraucherpreise

Die Inflation in Deutschland steigt, liegt aber weiter deutlich unter dem Niveau von zwei Prozent.

WiesbadenDie Verbraucherpreise in Deutschland haben im vierten Monat in Folge leicht angezogen. Die jährliche Teuerungsrate kletterte im Mai nach einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes auf 0,7 Prozent. Von April auf Mai 2015 zogen die Preise nach Mitteilung der Wiesbadener Behörde vom Montag voraussichtlich um 0,1 Prozent an.

Die Verbraucher mussten im Mai für Nahrungsmittel tiefer in die Tasche greifen als ein Jahr zuvor, die Preise zogen um 1,4 Prozent an. Haushaltsenergie und Kraftstoffe dagegen waren um 5,0 Prozent günstiger als im Mai 2014.

Niedrige Inflation: Fluch oder Segen?

Warum ist Preisstabilität so wichtig?

Bei stabilen Preisen bleibt die Kaufkraft des Geldes erhalten. Das stützt den Konsum. Inflation steht hingegen für Geldentwertung: Bei steigenden Preisen können sich alle, die längerfristig gleichbleibende Einkommen beziehen wie Tarifgehälter, Renten oder Sozialleistungen, immer weniger von ihrem Geld kaufen. Auch für Menschen mit Geldvermögen und Sparer ist Inflation schlecht, weil sie am realen Wert des Vermögens knabbert.

Wie weit ist die Notenbank von ihrem Preisziel entfernt?

Das Statistische Bundesamt errechnete für September auf Jahressicht vorläufig einen Anstieg der Verbraucherpreise in Deutschland um 0,8 Prozent. Im Euroraum fiel die Inflation im September sogar auf 0,3 Prozent - den tiefsten Stand seit Oktober 2009. Insgesamt habe die EZB das Versprechen einer stabilen Währung aber eingehalten, betonte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann erst am Montag: „In den ersten Fünfzehneinhalb Jahren nach der Euro-Einführung lag die durchschnittliche Inflationsrate bei 2,0 Prozent und damit grosso modo im Einklang mit dem Stabilitätsziel des EZB-Rats.“

Warum strebt die EZB eine höhere Teuerung an?

Die EZB sieht Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent gewahrt. Damit will die Notenbank ein Abrutschen in eine Deflation verhindern, also einen Preisverfall auf breiter Front. Denn in Erwartung einer weiter nachlassenden Inflation oder gar sinkender Preise könnten Unternehmen und Verbraucher Investitionen und Konsumausgaben zurückstellen. Das würde eine Spirale in Gang setzen, die die Konjunktur abwürgt und Arbeitsplätze kostet. Zudem hat EZB-Präsident Mario Draghi betont, dass der sehr geringe Preisauftrieb schlecht ist für Schuldner: „Ist die Inflation niedrig, sinkt der reale Wert der Schulden von Staaten und Unternehmen langsamer.“ Dadurch werde der Schuldenabbau erschwert.

Wie entwickeln sich die Preise für Nahrungsmittel?

Nach den vorläufigen Zahlen der Statistiker kosteten Nahrungsmittel im September 0,9 Prozent mehr als vor einem Jahr. Seither haben aber Discounter und Supermärkte eine neue Welle für Preissenkungen eingeläutet: So hatte Deutschlands Discount-Marktführer Aldi Anfang Oktober die Preise für Käse-Produkte wie Aufschnitt, Frisch- und Schmelzkäse oder Sahneprodukte zum Teil um mehr als 13 Prozent gesenkt. Der Billiganbieter begründete den Schritt mit gesunkenen Rohstoffpreisen. Seit Monatsmitte sind auch Pommes frites und Zucker billiger.

Was sind die Gründe für die niedrige Teuerung?

Insbesondere weltweit sinkende Energie- und Nahrungsmittelpreise haben die Inflation gedrückt. Zwischenzeitlich verbilligte zudem der starke Euro importierte Waren. Inzwischen hat die EZB eingegriffen und den Euro gegenüber dem Dollar geschwächt. Zwar führe der Rückgang des Ölpreises auch an den Zapfsäulen weiter zu sinkenden Preisen, erklärt der ADAC: Allerdings werde dieser Effekt auf die Spritpreise durch den schwächeren Euro teilweise aufgefangen. Trotzdem: Sprit wird seit Monaten immer billiger. Nach ADAC-Angaben kostete der Liter Diesel im September durchschnittlich 136,2 Cent. Vor einem Jahr mussten Autofahrer demnach noch 144,0 Cent bezahlen, vor zwei Jahren 152,4 Cent. Nach Angaben des Deutschen Mieterbunds sanken auch die Preise für Heizöl von Januar bis Juli um 5,4 Prozent.

Damit setzt die Inflation in Deutschland ihren kontinuierlichen Anstieg auf niedrigem Niveau fort - nachdem die Teuerungsrate noch im Januar erstmals seit 2009 ins Minus gerutscht war. Im Februar lag die Jahresteuerung bei 0,1 Prozent, im März bei 0,3 Prozent, im April bei 0,5 Prozent.

Trotz dieses Trends ist die Inflation immer noch weit entfernt von der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Notenbank strebt ein stabiles Preisniveau bei knapp unter 2,0 Prozent an. Um diesen Wert wieder zu erreichen, pumpt die EZB seit Anfang März über den Kauf von Staatsanleihen pro Monat 60 Milliarden Euro billiges Zentralbankgeld in den Markt. Das soll die Inflation im Euroraum anheizen.

Details zur Entwicklung der Verbraucherpreise im Mai 2015 will das Statistische Bundesamt am 16. Juni veröffentlichen.

Von

dpa

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