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28.02.2011

14:03 Uhr

Steigende Rohstoffpreise

Exporteure flüchten sich in Preiserhöhungen

Deutschlands Exporteure reagieren auf die explodierenden Kosten für Energie und Rohstoffe: Um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, haben sie ihre Preise stark angehoben. Ein Ende des Kostendrucks ist nicht in Sicht.

Der Ölpreis steigt und steigt - und belastet Deutschlands Unternehmen. Quelle: ap

Der Ölpreis steigt und steigt - und belastet Deutschlands Unternehmen.

BerlinWegen explodierender Kosten für Energie und Rohstoffe haben die deutschen Exporteure ihre Preise so stark angehoben wie seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr. Sie stiegen im Januar um 5,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, teilte das Statistische Bundesamt am Montag mit.

 „Noch stärker wurden die Außenhandelspreise zuletzt im April 1982 mit 5,5 Prozent nach oben geschraubt“, sagte ein Statistiker zu Reuters. Die Unternehmen geben damit einen Teil der rasant steigenden Importkosten an ihre ausländischen Kunden weiter. Der Außenhandelsverband BGA sieht die Inflation mit Sorge, erwartet in diesem Jahr aber trotzdem einen Exportrekord.

 „Die steigenden Importpreise belasten die Unternehmen gewaltig“, sagte BGA-Geschäftsführer Jens Nagel. „Denn 40 Prozent unserer Exporte bestehen aus ausländischen Zulieferungen.“ Besonders Energieprodukte, Stahl und andere Rohstoffe müssen teurer im Ausland eingekauft werden. „Wir haben davon wenig, brauchen aber viel“, sagte Nagel.

"Definieren uns nicht über den Preis, sondern über Qualität"

Rohöl verteuerte sich zu Jahresbeginn um ein Drittel, Benzin und andere Mineralölprodukte um 31 Prozent. Der Preis für Eisenerz verdoppelte sich sogar, bei Nickel betrug der Aufschlag 46 Prozent und bei Rohkupfer 36 Prozent. Insgesamt verteuerten sich die Importe um durchschnittlich 11,8 Prozent. Die Teuerungsrate blieb damit nur knapp unter dem im Dezember markierten 29-Jahres-Hoch.

Trotz der steigenden Preise für ihre Waren erwarten die Exporteure keinen Nachfrageeinbruch, sondern wollen in diesem Jahr erstmals die Umsatzgrenze von einer Billion Euro knacken.

Rohstoffreichen Ländern wie Russland oder den Golfstaaten spült die Preisrallye viel Geld in die Kassen, das sie zum Teil wieder für deutsche Exportschlager wie Maschinen und Fahrzeuge ausgeben. „Wegen der hohen Energiepreise zieht auch die Nachfrage nach energieeffizienten Produkten an“, sagte Nagel.

„Und da sind die deutschen Unternehmen weltweit führend.“ Der langjährige Exportweltmeister profitiere zudem vom guten Ruf „made in Germany“. „Unsere Industrie mischt kaum in den preissensiblen Nischen mit“, sagte der BGA-Experte. „Wir definieren uns nicht so sehr über den Preis, sondern über Qualität.“ Deshalb treffe die Kostenexplosion die deutschen Unternehmen weniger als andere Exportnationen.

Kostendruck steigt weiter

Der Kostendruck hat sich im Februar noch einmal verstärkt, weil vor allem der Ölpreis wegen der Unruhen in Libyen stark nach oben ging: Die vom Markit-Institut befragten deutschen Industriebetriebe meldeten die stärkste Kostenexplosion seit Beginn der Erhebung 1996. Auch die Löhne steigen wieder deutlicher. Volkswagen etwa einigte sich mit den Gewerkschaften auf einen Lohnzuschlag von 4,2 Prozent für seine rund 100.000 Beschäftigten in den westdeutschen Werken.

 

Von

rtr

Kommentare (1)

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no.7

08.03.2011, 13:56 Uhr

die interpretation, andere Exportnationen litten unter dem Kostenschub mehr als deutschland, halte ich-längerfristig geshen- für falsch. längerfristig gesehen wird die inflation die nachfrage gerade nach höherpreisigen deutschen Proudkten zusammenschrumpfen. wenn die kaufkraft wegen der Inflation weltweit nachläßt, werden gerade wir dies an ausbleibenden Bestellungen merken. Auch ist es Augenwischerei, wenn die billionengrenze beim Export nicht durch mehr Produktion, sondern durch Preiserhöhungen erreicht wird, und genau danach sieht es ja aus.

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