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21.02.2012

16:19 Uhr

Stimmt es, dass ...

... der Nobelpreis für Yunus ein Irrtum war?

VonNorbert Häring

Die Idee hinter den Mikrokrediten, die Nobelpreisträger Muhammad Yunus einst ins Leben rief, war ehrenhaft. Doch damit die Armut wirklich zu besiegen, das funktioniert nicht. Woran die Idee krankt.

Muhammad Yunus, Gründer der Grameen Bank. AFP

Muhammad Yunus, Gründer der Grameen Bank.

Die Ziele des charismatischen Bangladeschi waren sicherlich eines Friedensnobelpreises würdig. Mit Mikrokrediten für Kleinstunternehmer und Unternehmerinnen, wie sie seine Grameen-Bank vergab, versprach Muhammad Yunus, innerhalb einer Generation die Armut auszurotten. Ursprünglich arbeiteten die Mikrokreditgeber mit Entwicklungshilfemitteln und Spenden. Um die Jahrtausendwende wurde das Modell dann weithin auf kommerzielle Kreditkonditionen umgestellt.

Die Idee dahinter ist, armen Menschen in Entwicklungsländern Zugang zu Krediten zu geben, mit denen sie sich eine Existenz als Kleinstgewerbetreibende aufbauen und so der Armut entfliehen können. Die Idee wurde massiv unterstützt. 2005 rief die UN das Jahr des Mikrokredits aus, 2006 erhielten Yunus und die Grameen-Bank den Friedensnobelpreis.

Inzwischen ist große Ernüchterung eingekehrt. Rund ein Dutzend Länder, von Bangladesch bis Bolivien, von Kambodscha bis Bosnien, können als Mikrokredit-gesättigt gelten. Die davon ausgelösten Fortschritte bei der Armutsbekämpfung sind - vorsichtig ausgedrückt - bescheiden. Stattdessen zeigten sich negative Auswüchse, die sehr an die Subprime-Kredite für nicht kreditwürdige Immobilienbesitzer in den USA erinnern. Immer neue kommerzielle Mikrokreditgeber drückten immer mehr Kredite in den Markt. Viele Kreditnehmer brauchen neue Mikrokredite, nur um die alten bezahlen zu können, und geraten in aussichtslose Verschuldung. Familienmitglieder und Freunde, die gebürgt haben, werden mit in den Abgrund gerissen. Mancherorts kam es gar zu Selbstmordepidemien, etwa im indischen Andhra Pradesh, das besonders großzügig mit Mikrokrediten bedacht wurde.

Es blieb nicht bei solchen Berichten, die man als negative Auswüchse einer Erfolgsgeschichte abtun könnte. Eine vom britischen Entwicklungshilfeministerium finanzierte Studie nahm die positiven Wirkungsanalysen der Mikrokreditbranche unter die Lupe und stellte 2011 fest, dass sie ausnahmslos verzerrt, unvollständig oder auf andere Weise mangelhaft waren und dass "die Euphorie für Mikrokredite auf Sand gebaut" war.

Kommentare (2)

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OhZeus

21.02.2012, 16:39 Uhr

gute Analyse, die leider nichts Gutes für die Euro_Milliarden an GR vermuten läßt, denn die Parallelen sind frappierend:

Mikro-Kredite an Entwicklungsländer - auch GR ist ein Entwicklungsland
Keine industrielle Basis (weder Groß- noch Mittelindustrie) - auch GR hat nur ein Kleinstunternehmertum ohne Wertschöpfung
Förderkredite ohne Hoffnung auf wirtschaftlichen Multiplikatoreffekt - auch in GR werden die Milliarden nichts bringen, die deutsche Industrie wendet sich schon jetzt mit Schaudern ab und verweigert jede Neuinvestion, von der maroden indsutriellen Basis in GR selbst ist da sowieso nichts zu erwarten

Numismatiker

21.02.2012, 17:28 Uhr

Diese Analyse zeigt nur, wie einseitig und kurzblickend Menschen (in diesem Fall der Autor) denken können.

Das Problem sind nicht die Mikrokredite an sich, sondern die KOMMERZIELLEN Mikrokredite. Die Grameen Bank arbeitet weitestgehend zum Selbskostenpreis und ist nicht profitorientiert, anders als die nachfolgenden Kreditgeber.

Bevor Herr Yunus das System der Mikrokredite erfand, trieben private Wucherer die Menschen mit Wucherzinsen in den Selbstmord; heute sind es die Finanzkonzerne, darunter auch die Allianz. Zu der Zeit, als Non-Profit-"Banken" wie die Grameen Bank Mikrokredite vergaben, hat das System funktioniert und die Kreditnehmenr konnten sich eine -bescheidene- Zukunft aufbauen. Die Kreditnehmenr der Grameen Bank konnten in den allermeisten Fällen die Kredite aus eigener Kraft zurückzahlen.

Wenn man jedoch nur den Ist-Zustnd betrachtet und die Verhältnisse und in den Kategorien des Großfinanz- (Un-)wesens denkt, kommt natürlich ein solcher Artikel zustande.

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