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20.08.2012

15:43 Uhr

Stimmt es, dass ...

Führt Biosprit-Beimischung in armen Ländern zu Hunger?

VonNorbert Häring

In den USA gibt es bereits die Forderung, den Anbau von Mais für die Bioprit-Produktion zurückzufahren. Doch was ist dran an der behaupteten Verbindung von Biosprit, Finanzanlagen in Nahrungsmitteln und Hunger?

Norbert Häring

Norbert Häring ist Korrespondent in Frankfurt.

Entwicklungshilfe-Minister Dirk Niebel hat gefordert, den Verkauf der Benzinsorte E10, die zehn Prozent pflanzliches Ethanol enthält, auszusetzen. Damit will er dem Anstieg der Nahrungsmittelpreise begegnen, den die schwere Dürre in den USA ausgelöst hat. Auch dort gibt es Forderungen, den Massenanbau von Mais für die Biosprit-Produktion zurückzufahren.

Mitschuld an den hohen Nahrungsmittelpreisen - und damit am Hunger in der Dritten Welt - sollen auch Banken haben, die Finanzprodukte auflegen, mit denen Investoren auf die Entwicklung der Nahrungsmittelpreise spekulieren können.

Was ist dran an der behaupteten Verbindung von Biosprit, Finanzanlagen in Nahrungsmitteln und Hunger?

Zunächst einmal folgt aus steigenden Nahrungsmittelpreisen nicht unbedingt, dass es armen Ländern schlechter geht. Denn diese Länder sind auch wichtige Nahrungsmittelproduzenten - oder könnten welche sein, wenn die Preise hoch genug wären. Manche Länder, und deren arme Landbevölkerung, profitieren durchaus. Andere haben vor allem den Schaden.

Das größere Problem ist nicht die Höhe der Preise, sondern deren fehlende Verlässlichkeit. Solange arme Länder als Abladeplatz für die temporäre Überproduktion der Industrieländer missbraucht werden, kann sich dort keine Landwirtschaft entwickeln, die die eigene Bevölkerung verlässlich ernährt und darüber hinaus noch Überschüsse für den Export erwirtschaftet - auch dann nicht, wenn die Preise zeitweise mal hoch sind. Denn wenn sie im nächsten Jahr wieder in den Keller rutschen, gehen die Betriebe wieder ein, die es gewagt haben, im Vertrauen auf die hohen Preise zu investieren. Ihre Konkurrenten in den Industrieländern werden dagegen durch Exportsubventionen und direkte Hilfen gestützt.

Bei den meisten Pflanzenarten und Standorten, die für die Produktion von Bio-Ethanol genutzt werden, ist sehr zweifelhaft, ob sich mit ihnen wirklich mehr Energie gewinnen lässt, als beim Anbau hineingesteckt wird. Insofern erscheint die Produktion von Biosprit allenfalls sinnvoll, um zeitweilige Überschüsse zu verarbeiten und damit die Preise zu stabilisieren. In Dürrezeiten müsste sie dann aber dementsprechend ausgesetzt werden. Niebels Vorschlag geht daher in die richtige Richtung.

Geldanlage in Nahrungsmittel verschärft das Problem der Preisschwankungen. Mal fließt viel Geld in diese Anlageform und treibt die Preise nach oben. Dann fließt es wieder ab und die Preise gehen in den Keller. Dem steht kein erkennbarer Vorteil gegenüber, lässt man einmal die Anbieter der Finanzprodukte und das Interesse der Anleger an der Risikostreuung außer Acht.

Der Druck der Straße auf die Finanzinstitute, keine solchen Produkte mehr anzubieten, ist also durchaus gerechtfertigt.

Kommentare (8)

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1-weltregierung

20.08.2012, 16:13 Uhr

so lange man Zellulose nicht zu Sprit verarbeiten kann, klaut man mit BIO Sachen den Menschen in den III. Staaten das Essen.

1 Woche BIO Essen udn 1 Kind verhungert zusätzlich

Es handelt sich IMMER um eine negative Energie-Billanz

So gesehen hilft BIO, dass die Weltbevölkerung langsamer wächst / rediziert werden kann (Wegschaffen der unnützen Esser)

Charly

20.08.2012, 16:25 Uhr

"Solange arme Länder als Abladeplatz für die temporäre Überproduktion der Industrieländer missbraucht werden, kann sich dort keine Landwirtschaft entwickeln, die die eigene Bevölkerung verlässlich ernährt und darüber hinaus noch Überschüsse für den Export erwirtschaftet"

Es ist übrigens noch nicht so furchtbar lange her, da haben gerade die Greenpeace & Co. Leute genau dieses durch die Presse propagiert.
Nämlich, dass der Export von EUdSSR-Überschüssen z.B. nach Afrika deren Landwirtschaft zerstört, weil die EUdSSR-Exporte zu billig seien.
Derzeit ist es gerade wieder populistisch umgekehrt zu argumentieren.

Im Übrigen ist die BioSprit-Beimischung ein der besseren Entscheidungen der EUdSSR, sie vermindert die Abhängigkeit von Rohölimporten. Ohne Biosprit steigen die Ölpreise noch stärker.
In der Intensivlandwirtschaft sind Treibstoffe unverzichtbar.
Kein Weizenanbau ohne Traktor und Mähdrescher, keine Geflügelproduktion ohne Kühlung und hohen Energiebedarf.
Insofern wird die Nichtherstellung von Biosprit über einen noch stärker steigenden Ölpreis ebenfalls die Nahrungsmittelpreise steigen lassen.

vandale

20.08.2012, 16:46 Uhr

Solange man die Anbauflächen für Lebensmittel für die "Bioenergie" Produktion nutzt, entzieht man dieser Flächen. In der Folge steigt der Preis.

Ich hatte im Mittleren Osten gelebt, ein wenig Arabisch gesprochen, mich regelmässig in Aegypten aufgehalten, einem Land dass knapp die Hälfte seiner Lebensmittel importiert und in dem die Einkommen meist sehr sparsam sind. Zahlreiche Arbeitnehmer bekamen seinerzeit Löhne von z.B. nicht mehr als 400 LE, entsprechend 60€/Monat, wovon die Familie zu ernähren ist. Brot, Speiseöl waren subventioniert. Bei steigenden Lebensmittelpreisen wird dann nach wie vor gegessen, allerdings werden die Rücklagen für Krankheiten, Hygiene etc. notfalls auf 0 gesetzt. Von Hungertoten habe ich nicht gehört, allerdings dürfte die Lebenserwartung durch reduzierte Hygiene und sparsame medizinische Versorgung bei steigenden Lebensmittelpreisen sinken.

Grundsätzlich lässt sich Benzin preiswerter und sinnvoller mittels Erdöl herstellen. Strom mittels Kohle, oder der umweltfreundlichen Kernenergie. Die Herstellung von Biosprit und Biostrom ist rein ökoreligiös motiviert.

Die Oekoreligion mit ihren Endzeitkatastrophen wie Waldsterben, CO2 Klimahölle, dämonischen Atomstrahlen, "Erneuerbaren Energien" ist eine sehr intolerante und grausame Religion.

Vandale

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