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28.08.2012

11:54 Uhr

Stimmt es, dass ...

Ist die deutsche Mittelschicht wirklich stabil?

Glaubt man der Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), steht es um die deutsche Mittelschicht seit Jahren gut. Dabei sprechen die Zahlen des IW eine ganz andere Sprache.

Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther. Analyse und Zahlen des IW widersprechen sich, sagt Norbert Häring. dapd

Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther. Analyse und Zahlen des IW widersprechen sich, sagt Norbert Häring.

Wenn man der Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) glaubt, dann ja. Wenn man den Zahlen des IW glaubt, dann nein. Das ist die Analyse des IW: „Seit 2004 sind die Anteile der jeweiligen Schichten stabil, auch am unteren Ende - wenn auch auf etwas höherem Niveau als kurz nach der Wiedervereinigung. Die im Jahr 2005 in Kraft getretenen Hartz-Regelungen haben somit weder zu einer weiteren Auffächerung im unteren Bereich der Einkommensskala geführt noch zu einer merklichen Erosion der Mittelschicht. Von dem häufig behaupteten Schrumpfen dieser Einkommensschicht kann also keine Rede sein.“

Das sind die Zahlen des IW, auf denen die Analyse fußt: Im Jahr 2000 betrug der Anteil der mittleren Mitte, also derer, die zwischen 80 und 150 Prozent der Einkommensmitte verdienten, noch 53,5 Prozent der Bevölkerung. Im Jahr 2009 waren es nur noch 48,7 Prozent. Das ist ein längerer Zeitraum, als ihn das IW in den Vordergrund stellt. Für das Empfinden der Bevölkerung hinsichtlich einer schleichenden Strukturveränderung ist er relevanter als der kurze von 2005 bis 2009. (Für 2004 liefert das IW nicht wirklich Zahlen.)

Die Einkommensunterschicht, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens, also 2009 weniger als 960 Euro verdiente, wuchs von 12,5 auf 15,9 Prozent, also um gut ein Viertel.

Eine Erosion der Mitte ist klar erkennbar. Dabei ist die Anzahl derer, die zeitweise abrutschen, deutlich größer. „Etwa jeder zehnte Mittelschichtler, der in einem Jahr zur typischen Mitte zählte, ist im Jahr darauf in die einkommensschwache Mitte abgerutscht und verfügt nur noch über 60 bis 80 Prozent des mittleren Einkommens“, stellt das IW fest.

So betrachtet ist kein Wunder, dass „die Gefahr des sozialen Abstiegs für Mittelschichtler ein Aufreger-Thema bleibt“, wie das IW mit Erstaunen feststellt. Diese „häufig auch von den Medien geschürten Ängste“ sind dem Institut zufolge aber „nicht wirklich besorgniserregend“.

Wenn jedes Jahr ein Zehntel der Mittelschicht eine Stufe abrutscht, dann braucht es nicht viel Medienhype, um als Angehöriger dieser Schicht eine gewisse Unsicherheit zu verspüren.

Zu Unrecht, meint jedoch das IW, denn: Pro Jahr gleiten nur sehr wenige aus der breit definierten Mittelschicht - die immerhin bis zum Zweieinhalbfachen der Einkommensmitte reicht - bis in die Einkommensarmut ab. Doch wer von 200 oder 250 Prozent des mittleren Einkommens auf 70 Prozent abrutscht, wird das als sozialen Absturz empfinden. Auch der Abstieg von 140 Prozent auf 70 Prozent, also von der mittleren in die untere „Mitte“, ist ein ziemlich steiler.

Kommentare (5)

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Hermann.12

28.08.2012, 12:22 Uhr

Es zeigt mal wieder deutlich, was man schon vorher gehnt hat. hier wird manipuliert was das Zeug hält.
Verschwindet die Grundlage für das Problem, kann eben das ganze problem ignorieren und sogar negieren.
Den Autoren sei dazu gesagt, das dies eine Form der Lüge und des Betruges ist und zumindst ich sie auch so beurteile.
Das dieser Betrug clever verschleiert wird, ändert letztlich nichts an der kriminellen Ernergie.
Es ist mittlerweile leichter einem Hartz IV Empfänger Seriösität zu unterstellen, als unseren Kleverles.

H.

Account gelöscht!

28.08.2012, 12:51 Uhr

Welche Mittelschicht denn???

Die ist längst Geschichte:

http://www.youtube.com/watch?v=qz2Xt3NAPQU

Account gelöscht!

28.08.2012, 13:12 Uhr

Der TRICK ist, dass die Mittelschicht RELATIV definiert wird. Dadurch wird es immer eine Mittelschicht geben. Fakt ist aber dass die Bevölkerung durch Jahrzehntelanges Lohndumping insgesamt nach unten abgerutscht ist. Die oberen 10% ausgenommen.

Weiterhin sind die Zahlen insbesondere zum Vermögen und Einkommen der oberen 10% sind belastbar, da diese Möglichkeiten hat diese Werte zu verschleiern. Welcher Multimillionär legt schon sein Geld bei der Sparkasse an? In den Steueroasen der Welt liegt das wirkliche Geld - unsichtbar.

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