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30.03.2012

15:46 Uhr

Stimmt es, dass...

Ist Insiderhandel von Vorständen erlaubt?

VonNorbert Häring

Vorstände bekommen einen großen Teil ihres Gehalts in Form von Aktien, die sie normalerweise verkaufen wollen, um ihre Ausgaben zu decken. So wird Insiderhandel also zwingend.

Die Anzeigetafel des Deutschen Aktien-Index (DAX). dpa

Die Anzeigetafel des Deutschen Aktien-Index (DAX).

Kursrelevante Informationen über ein Wertpapier, die der Öffentlichkeit (noch) nicht zur Verfügung stehen, für gewinnbringende Börsengeschäfte zu nutzen, ist eine Straftat. Das hat einen guten Grund. Denn der Gewinn des einen bei der Auswahl des richtigen Kauf- oder Verkaufszeitpunkts ist der Verlust eines anderen. Wer Insiderinformationen nutzt, schadet allen anderen Investoren, deren zu erwartende Rendite sinkt.

Die Definition von Insiderinformationen beschränkt sich allerdings auf konkrete, kursrelevante Informationen, die so wichtig sind, dass Unternehmen sie per Ad-hoc-Veröffentlichung sofort mitteilen müssen. Das ist zum Beispiel ein Übernahmeangebot, ein großer Auftrag oder der Rücktritt eines Vorstands.

Für die meisten Arten von Insidern ist diese Definition ausreichend. Es gibt jedoch eine Gruppe, die über eine solche Fülle von Informationen unterhalb der Ad-hoc-Schwelle verfügt, dass deren Nutzung für Wertpapiergeschäfte andere Investoren benachteiligt. Das sind die Vorstände von Unternehmen, insbesondere die Vorstandsvorsitzenden. Sie wissen nicht nur früh von kursrelevanten Tatsachen, sie können oft auch steuern, ob und wann diese eintreten. Sie haben weit besseres Wissen über die Entwicklung des Unternehmenswerts, als es die Öffentlichkeit aus ihr zugänglichen Informationen je bekommen kann.

Gleichzeitig bekommen Vorstände oft einen großen Teil ihres Gehalts in Form von Aktien und Aktienoptionen. Aus Gründen der Risikostreuung und um ihre Ausgaben zu decken wollen sie diese normalerweise laufend verkaufen. Das zwingt sie zu Insiderhandel, ob sie wollen oder nicht. Ein Vorstandsvorsitzender, der auf Aktienverkäufe verzichtet oder gar zukauft, weil die Börse sein Unternehmen unterbewertet, lässt in diese Einschätzung eine Fülle von Informationen über das Unternehmen einfließen, die Aktienanalysten und Investoren nicht haben.

Viele Unternehmen haben immerhin in den letzten Jahren sogenannte Blackout-Perioden eingeführt. Das sind Zeiten um die Bekanntgabe von Geschäftszahlen, in denen Angehörige des Unternehmens nicht mit den Aktien des Unternehmens handeln dürfen. Aber das mildert das Problem nur etwas. Es wäre leicht, es weitgehend oder ganz abzustellen. Eine einfache Möglichkeit wäre, dass Unternehmensangehörige Aktienkäufe und -verkäufe mit einem beträchtlichen Vorlauf bei einer internen Aufsichtsstelle ankündigen müssen. Eine weitergehende, dass sie die Ausübung von Aktienoptionen und Verkäufe von Aktien aus ihren Vergütungspaketen nach einem vorher vereinbarten Zeitplan über das Jahr verteilt vornehmen müssen.

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