Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.07.2012

10:37 Uhr

Stimmt es, dass...

Kämpfen Sinn und Wagenknecht gemeinsam gegen die Euro-Retter?

VonNorbert Häring

Die Euro-Krise offenbart Gemeinsamkeiten zwischen konservativen Ökonomen wie Hans-Werner Sinn und Linken-Vertretern wie Sahra Wagenknecht. Beide lehnen den aktuellen Rettungskurs ab - und haben in einigen Punkten recht.

Norbert Häring ist Handelsblatt-Korrespondent in Frankfurt und Buchautor. Bernd Roselieb für Handelsblatt

Norbert Häring ist Handelsblatt-Korrespondent in Frankfurt und Buchautor.

Wie so oft berühren sich in Sachen Euro-Rettung die Extreme. Rechter Nationalismus und linker Internationalismus marschieren gemeinsam gegen die immer größer und teurer werdenden Rettungspakete. Der konservative Ökonom Hans-Werner Sinn geißelt den Transfer deutscher Steuergelder nach Südeuropa und die Tatsache, dass Deutschland zugunsten des Südens hohe finanzielle Risiken eingeht.

Und die Linken-Vizechefin Sahra Wagenknecht gehört zu den ganz wenigen Prominenten aus Politik, Medien oder Wirtschaft, die Sinn zustimmen und ihn gegen eine Breitseite der Verdammung in Schutz nehmen. Wie kommt es zu dieser verstörenden Einigkeit von links und rechts?

Es liegt an dem gemeinsamen Nenner, den der Wirtschaftsprofessor und die Kommunistin haben: Ihre Fundamentalkritik an der Dominanz der Interessen des Finanzkapitals bei nahezu allen Maßnahmen der Krisenbewältigung. Sinn kann darauf verweisen, dass trotz Hunderten von Milliarden an Kosten und Risiken, die Deutschland auf sich genommen hat, die Krise Jahr für Jahr schlimmer wird.

Wagenknecht kann darauf verweisen, dass von dem Steuergeld, das fließt, sehr, sehr wenig den Finanzsektor wirklich verlässt. Sie kann darauf verweisen, dass den Menschen in den Krisenländern extreme Härten zugemutet werden, dass aber das Spitzenpersonal der großen internationalen Finanzhäuser schon wieder höhere Gehalts- und Bonuszahlungen bekommt als vor der Krise.

Kommentare (40)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Ludwig500

17.07.2012, 11:01 Uhr

Wenn Frau Wagenknecht in diesem Punkt recht hat, dann ist das halt so.

Ich bin selbst etwas erschreckt, wie sehr sich Frau Wagenknecht´s Aussagen mit meiner Sichtweise deckt.

Bin ich jetzt auch Kommunist? Oder muss man angesichts der konzertierten Einigkeit von CDU/CSU/SPD//Grünen das traditionelle Parteiendenken hintenan stellen und nur überlegen, was richtig und was falsch ist? Selbst in der ganz grossen Koalition gibt es ja vereinzelte Lichtblicke, die sich erlauben eigenständig zu denken.

Vicario

17.07.2012, 11:05 Uhr

Die Ueberschrift sollte eigentlich lauten : Kampf gegen die EU-Verblendung ! Neben Wirtschaftsexperten wie Sinn, Politikern wie Waagenknecht und vielen anderen, die ihren gesunden Menschenverstand noch nicht verloren haben, weden die Reihen der Menschen, die erkennen, dass der Eurowahn unsererseits nicht bezahlbar ist, immer groesser ! Das Volk ist nicht gefragt worden, ob es bereit und in der Lage waere, diesen blinden Aktionismus der Eurokraten zu finanzieren. Referendum jetzt !!"!!

Account gelöscht!

17.07.2012, 11:09 Uhr

Frau Wagenknecht und Herr Sinn haben unterschiedliche Auffassungen was das Wirtschaftssystem betrifft, kommen aber in einigen Punkten überein.

Je mehr Geld in das System hineingepumpt wird, umso größer werden die Schuldenzinsen. Die wiederum erfordern immer größere Mengen an Kapital. Diese Spirale sprengt den Rahmen des Möglichen.
Daraus folgt ein massiver Sozialabbau. Alle Sozialleistungen wie Rente, Arbeitslosengeld, Harz IV, Kindergeld usw. müssen auch in Deutschland um mindestens 10% bis 20% gekürzt werden, so dass das Kapital weiterhin in den ESM fliesen kann.

Fazit: Der Euro wird aufgrund der progressiven Rettungsschirme nicht mehr lange zu halten sein. Und ein Bundesländerfinanzausgleich auf europäischer Ebene ist völlig unrealistisch und idiotisch!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×