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21.05.2012

11:37 Uhr

Stimmt es dass, ...

Kann Spanien dem Abwärtsstrudel nicht mehr entrinnen?

VonNorbert Häring

Das Vertrauen von Anlegern in die Kreditwürdigkeit Spaniens sinkt. Die Sparbemühungen von Staat und Unternehmen tun ihr übriges. Dennoch: Das Land kann aus seiner Abwärtsspirale ausbrechen. Es gibt zwei Möglichkeiten.

Schaufensterpuppen in einem wegen der Finanzkrise geschlossenen Laden in Pamplona. dapd

Schaufensterpuppen in einem wegen der Finanzkrise geschlossenen Laden in Pamplona.

Seit der Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone kein Tabu mehr ist, richtet sich die Aufmerksamkeit der Märkte auf Spanien. Denn Spanien ist das schwächste Land, das noch nicht unter den Fittichen des Rettungsfonds EFSF steht und daher für seine Finanzierung weiter auf das Wohlwollen der Finanzmärkte angewiesen ist. Spaniens Problem besteht vor allem darin, dass die Banken wegen uneinbringlicher Kredite in einem schlechten Zustand sind und zu wenig Kapital haben.

Der Staat ist zu klamm, um es sich leisten zu können, das gesamte Bankensystem mit ausreichend Kapital auszustatten. Aber jeder weiß, dass die Last letztendlich auf den Staat fallen wird. Deshalb sinkt das Vertrauen der Investoren in die Kreditwürdigkeit des Staates mit jedem neuen Problem der spanischen Banken. Das treibt die Renditen für spanische Staatsanleihen nach oben und deren Kurse nach unten, was wiederum die Probleme der spanischen Banken weiter steigert. Denn diese sind die Hauptbesitzer spanischer Staatsanleihen und erleiden durch die Kursrückgänge neue Verluste.

Norbert Häring

Norbert Häring ist Korrespondent in Frankfurt.

Verschlimmert wird die Abwärtsspirale dadurch, dass die Sparbemühungen der Unternehmen und des Staates sowie die Kreditzurückhaltung der Banken die Wirtschaft immer tiefer in die Rezession treiben. Das führt zu noch höheren Kreditausfällen bei den Banken und höheren Defiziten beim Staat.

Spanien steckt also in einer Abwärtsspirale, aber es gibt Möglichkeiten herauszukommen. Eine besteht darin, dass Spanien sich unter einen europäischen Rettungsschirm begibt. Das würde bedeuten, dass es sich einem umfassenden Sanierungsprogramm unterwirft wie Griechenland und dafür Hilfskredite bekommt, die es ermöglichen, die Banken mit neuem Eigenkapital auszustatten und vom Kapitalmarkt zeitweise unabhängig zu werden. Weil das Beispiel Griechenland jedoch so abschreckend ist und auch Portugal unter dem Rettungsschirm nicht gerade saniert wurde, versucht Madrid, diese Unterwerfung unter das europäische Spar- und Reformdiktat unbedingt zu vermeiden.

Eine zweite Möglichkeit besteht darin, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die spanischen Anleihekurse durch Wiederaufnahme ihrer Anleihekäufe nach oben und damit spiegelbildlich deren Renditen nach unten treibt. Das würde eine Aufwärtsspirale bewirken, weil der Spielraum des Staates, den Banken zu helfen, größer und gleichzeitig die Probleme der Banken kleiner würde.

Für diese Art der Problembewältigung, die nicht mit expliziten Auflagen verbunden ist, gibt es in der EZB aber derzeit keine Mehrheit.

Kommentare (6)

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Forist

21.05.2012, 12:06 Uhr

Sehr geehrter Herr Häring, gibt es hier in diesem Deutschland irgendwo einen kritischen Journalisten/in, welche/r gegen den ESM, Banken- und Gläubigerrettung durch Steuerzahlergeld, Prekarisierung europäischer Volkswirtschaften, Sozialabbau, EU-Diktat und gegen die VSE ist?!
Sind alle deutschen Verlage und ihre hochgezahlten Schreiberlinge mittlereile dem „Pro-EU-Euro-Ditat“ aus Brüssel unterworfen?!
Wenn schon so einseitig, dann schreiben Sie bitte dazu, das dieser obige Text ihre persönliche Meinung widerspiegelt und rein gar nichts, mit den realen Fakten zu tun hat, besten Dank nach Düsseldorf.

Keuro

21.05.2012, 14:26 Uhr

Nein, Spanien kann dem Abwärtsstrudel nicht entrinnen: Hohe Privatverschuldung, 3 mal so hohe Unternehmensverschuldung (ohne Bankensektor) wie Deutschland, und doppelt so hohe wie die Unternehmen in den USA. Wo kam denn das Wachstum Spanien in den ersten Eurojahren her? Aus den durch die niedrigen Zinsen fehlgeleiteten Immobilienboom. Der verfassungsfeindliche ESM, der duch den Fiskalpakt-Papiertiger dem deutschen Steuerzahler als Rechtfertigung untegejubelt wird, ist wie alle Rettungsmaßnahmen der Euroretter Vertrags- und Rechtsbruch. Alle EZB-Maßnahmen haben das Mandat überdehnt.Dieser Euro scheint nur durch massive Vertragsverletzungen und Beugung von Recht noch etwas länger am Leben erhalten werden können, auf Kosten der meisten Bürger, bis es alle im Abwärtsstrudel erwischt.
Unglaublich, wie Deutschlands Politiker die nächsten Generationen in Haftung nehmen. Kommt auch mal was vom Bverfg?

Account gelöscht!

25.05.2012, 05:36 Uhr

Merkwürdige Lösungspräsentation, Herr Häring, nach dem, was wir ganz praktisch bei ALLEN "Rettungsbemühungen" seit 2010 erleben: Es wird nur Geld, Kredit, Bonität und sonstiges Vertrauen vernichtet! Die BuBa ist im Prinzip pleite, aus deren Pleite die der EZB resultieren wird, da die EZB über keine eigenen Finanzierungsinstrumente verfügt, sondern nur über Umlagefinanzierungsverfahren ihre Mittel aus Finanzquellen der Mitgliedsstaaten - sofern sie solvent sind bzw. noch über eine enstprechende Bonaität am Kapitalmarkt zur weiteren Schuldenaufnahme verfügen - zu 100% zur Verfügung stellen kann. DIe EZB ist also NUR ein "Verschiebebahnhof" für Finanztrasaktionen udn besitzt nur die Fähigkeit zur Steuerung der Quantitäten unter Abwägung der Risiken. Spanien ist im Prinzip "abgehakt", nur Hollande kämpft geradezu hysterisch, um den "Offenbarungseid" für sein Land hinauszuzögern. Ich hören ihn schon entschuldigend verkünden: "Ich habe mir alle Mühe gegeben, unser Land zu retten, aber als ich mein Amt übernahm, waren die Verhältnisse schon so defizitär, daß keine Aussicht auf Erfolg bestand. Aber es war meine Pflicht, alles zu versuchen, unserer geliebten "Grande Nation" diese Schmach zu ersparen, eine andere Wahl hatte ich nicht!"

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