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19.07.2012

09:40 Uhr

Stimmt es, dass...

Profitiert die Schweiz von der Euro-Krise?

VonNorbert Häring

Der Schweizer Franken gilt immer noch als sicher. Viele glauben, in der Alpenrepublik einen sicheren Hafen für ihre von der Krise betroffenen Euros gefunden zu haben. Die Schweizer Währung wird immer weiter aufgewertet.

Schweizer Fahne vor idyllischer Kulisse. dpa

Schweizer Fahne vor idyllischer Kulisse.

FrankfurtAm Beispiel der Schweiz kann man schön sehen, welches Privileg es ist, eine eigene Währung zu haben, von der man beliebige Mengen aus dem Nichts schaffen kann. Der Schweizer Franken stieg im Zuge der Finanzkrise von Mitte 2007 bis Mitte 2011 von 1,65 Franken je Euro auf weniger als 1,10 Franken, weil Fluchtgeld aus dem Euro-Raum bei den als relativ sicher geltenden Banken der Alpenrepublik angelegt wird. Um die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft zu schützen, kauft die Notenbank seit 2011 so viel Euros, wie nötig sind, damit der Euro-Kurs nicht unter 1,20 Franken fällt.

Diese Euros bezahlt sie mit Notenbankguthaben in Franken, die sie zu diesem Zweck zusätzlich schafft. Allein im Mai und Juni hat sie auf diese Weise ihre Devisenreserven um 127 Milliarden Franken oder mehr als 100 Milliarden Euro ausgedehnt. Insgesamt betragen sie mit 365 Milliarden Franken schon fast zwei Drittel einer Jahreswirtschaftsleistung.

Milliarde für Milliarde wird die Schweiz reicher, wenn sie immer noch mehr Euros mit neuen Franken kaufen kann. Das kann die Notenbank weitermachen so lange wie nötig, aber ihr ist es wahrscheinlich ganz recht, wenn viele das nicht richtig verstehen und über die Grenzen der Devisenmarktintervention sinnieren und diskutieren.

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Denn das hält die Hoffnung am Leben, dass die Notenbank irgendwann aufhört, den Euro zu stützen und den Franken zu drücken, so dass den ausländischen Anlegern Aufwertungsgewinne winken würden. Das hält den Zustrom von Euros in Gang. Ein Problem entstünde nur dann, wenn die zusätzlichen Franken massenhaft für Käufe Schweizer Güter genutzt würden, was die Preise dieser Güter nach oben treiben würde. Aber das haben die ausländischen Anleger ja nicht vor. Ihr Geld soll nur sicher auf dem Bankkonto liegen.

Bisher sind die Schweizer Preise auch noch sehr weit davon entfernt, zu stark zu steigen. Wegen der fallenden Einfuhrpreise aufgrund der vorangegangenen starken Franken-Aufwertung sinken sie immer noch. Selbst wenn die Euro-Krise wider Erwarten einmal aufhören sollte und das Fluchtkapital massenhaft die Schweiz wieder verließe, droht keine Gefahr. Mit einem Devisenschatz in dieser Größenordnung kann die Notenbank auch in der anderen Richtung fast nach Belieben intervenieren und den Anstieg des Euro-Kurses durch Verkäufe ihrer Reserven zum Beispiel bei 1,30 Franken je Euro beenden. Wenn sie ein vernünftiges Kursziel verkünden würde, müsste es schon mit dem Teufel zugehen, wenn die Notenbank dabei mehr als einen relativ kleinen Teil ihrer zuvor gewonnenen Reserven wieder einbüßen würde.

Kommentare (23)

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Ben

19.07.2012, 09:58 Uhr

Verdummungspropaganda....
Der Franken kollabiert mit dem Euro.
Dank SNB und deren "Stützungskäufe" ...

Ludwig500

19.07.2012, 10:07 Uhr

Beneidenswert, diese Schweizer. Genial, der Schachzug, Steuerhinterziehung nicht unter Strafe zu stellen. Ein Inlandsgesetz, abgestimmt auf die Wünsche des ausländischen Kapitals. Aber was sollen die auch sonst machen? Die Herstellung von Luxusuhren ernährt kein Volk.

Und dann noch frei zu sein von bettelnden Staatenkollegen, ein Paradies.

Didi

19.07.2012, 10:32 Uhr

Aber wenn doch der EUR kollabiert, brauchen die Schweizer doch nur die gekauften EUR Devisen zu verbennen (die frisch gedruckten CHF "Scheine" haben ja die Zocker in den anderen Ländern).

Also beläuft sich der Maximlaverlust der Schweizer auf die Betriebskosten der Druckerpresse, das Papier zur Herstellung etc. Das ist vermutlich überschaubar :-)

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