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31.05.2012

15:35 Uhr

Stimmt es, dass...

Schließt die Währungsunion ihre Tore?

VonNorbert Häring

Die Turbulenzen in Südeuropa zeigen, dass die Euro-Zone sich durch zu lasche Beitrittsstandards hohe Lasten aufgeladen hat. Nun mehren sich die Zeichen, dass Brüssel neue Kandidaten weitaus strenger beäugen will.

Die Währungsgemeinschaft zieht ihre Grenzen enger. dapd

Die Währungsgemeinschaft zieht ihre Grenzen enger.

Es gilt heute als Fehler, dass Ländern wie Griechenland durch großzügige Auslegung der Beitrittskriterien die Teilnahme an der Europäischen Währungsunion erlaubt worden ist. Denn Länder mit hohem Zinsniveau und niedrigen Einkommen erlebten aufgrund des Zinsrückgangs in der Währungsunion einen ungesunden Boom, in dessen Verlauf Löhne und Verbraucherpreise überproportional stiegen und die Preise für Immobilien durch die Decke schossen.

Ein solcher Boom nährt sich selbst. Wenn die Inflationsrate nachhaltig höher ist als im Durchschnitt der Währungsunion, die Zinsen aber einheitlich, dann ist der um die Inflationsrate bereinigte reale Zins in den Boomländern niedriger. Es lohnt sich dann besonders, Kredit aufzunehmen, und das Kreditwachstum treibt den Boom. Außerdem locken anhaltende Immobilienpreissteigerungen Spekulanten. Das führt zu einem Bauboom, der die Wirtschaft weiter antreibt und so die hohen Preise zu rechtfertigen scheint. Irgendwann kommt es dann zur Krise.

Norbert Häring ist Handelsblatt-Korrespondent in Frankfurt. Bernd Roselieb für Handelsblatt

Norbert Häring ist Handelsblatt-Korrespondent in Frankfurt.

Die Europäische Zentralbank (EZB) glaubt, kein für sie akzeptables Mittel gegen solche sich selbst treibenden Kredit- und Spekulationsexzesse zu haben. Deshalb hat sie den Schluss gezogen, die Beitrittskriterien möglichst strikt auszulegen, um ärmere Länder von vorneherein draußen zu halten. Nachzulesen ist das Ergebnis dieser Strategie im jüngsten Konvergenzbericht, den die EZB am Mittwoch vorgestellt hat.

Ein Beispiel: Kandidaten dürfen den Durchschnitt der drei Länder mit der niedrigsten Inflationsrate in der EU um maximal 1,5 Prozentpunkte überschreiten, das Niveau der langfristigen Zinsen in diesen drei Ländern um zwei Prozentpunkte. Irland, das wegen seiner Finanz- und Wirtschaftskrise Hilfen vom Europäischen Rettungsfonds bekommt, gehört zu den Ländern mit der niedrigsten Inflationsrate. Das ist kein Wunder, fallen doch die Löhne krisenbedingt dramatisch. Ob das vorbildhaft ist, sei dahingestellt. Die EZB berücksichtigt die irische Inflationsrate aber bei der Berechnung des Inflations-Schwellenwerts. Beim Niveau der langfristigen Zinsen wird Irland dagegen ausgeklammert, weil das sehr hohe Niveau dort nicht vorbildhaft sei.

Die EZB hat also die Lehre gezogen, die Tür in die Währungsunion möglichst weit zuzuziehen. Besser wäre es, an Instrumenten gegen negative Folgen eines an sich ja wünschenswerten Zinsrückgangs zu arbeiten. Aber das würde bedeuten, das Recht der Banken zu beschneiden, am Finanzieren einer Spekulationsblase viel Geld zu verdienen.

Der Autor ist erreichbar unter: haering@handelsblatt.com

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

31.05.2012, 15:45 Uhr

Aber dann bitte auch Schengen schließen!!! Und vor allem das Mitspracherecht in Währungsdingen.
Die Briten haben den Euro nicht, wollen aber mitbestimmen!

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