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05.04.2012

11:43 Uhr

Stimmt es, dass...

Sind Amerikaner fleißiger als die Deutschen?

VonNorbert Häring

Das Klischee besagt, dass Beschäftigte in den USA sehr viel härter arbeiten und dabei deutlich weniger Freizeit brauchen. Tatsächlich spielt Urlaub bei den Amerikanern eine geringere Rolle - zumindest nach außen hin.

Ein Angestellter von Apple trägt Kartons mit dem neuen Tablet „iPad“ im New Yorker Apple Store. AFP

Ein Angestellter von Apple trägt Kartons mit dem neuen Tablet „iPad“ im New Yorker Apple Store.

Die Arbeitnehmer in den USA haben im Durchschnitt zweieinhalb Wochen bezahlten Urlaub. In Deutschland sind es knapp sechs Wochen. Das ist erstaunlich, sind die Durchschnittseinkommen in den USA doch höher als bei uns. Normalerweise gönnen sich die Menschen mit zunehmendem Einkommen mehr Freizeit. Heißt das, die Deutschen und die übrigen Europäer sind faul? Das kann natürlich sein, aber es gibt auch eine andere Erklärungshypothese.

In den USA spielen kollektive Tarifverhandlungen eine viel geringere Rolle als bei uns, wo die meisten Arbeitnehmer von Manteltarifverträgen erfasst werden, die einen Urlaubsanspruch weit oberhalb des gesetzlichen Minimums von vier Wochen vorschreiben. Sind es also die Gewerkschaften, die die schweigende Mehrheit daran hindern, mehr zu arbeiten und dadurch ihr Einkommen zu steigern? Darauf deutet wenig hin. Eine Reduzierung der Urlaubsansprüche ist kein populäres Thema.

Viel eher scheint es so zu sein, dass die Amerikaner ihre eigenen Vorlieben für mehr Urlaub und Freizeit in individuellen Verhandlungen mit den Arbeitgebern nicht durchsetzen können. Das ist auch kein Wunder. Wen würden Sie einstellen, wenn Sie zwischen zwei ansonsten gleichwertigen Bewerbern entscheiden müssten? Den, der mehr Urlaub fordert und dafür mit einem geringeren Gehalt zufrieden ist, oder den, der sagt, er wolle lieber mehr arbeiten und mehr Geld verdienen?

Norbert Häring ist Handelsblatt-Korrespondent in Frankfurt und Autor des Buches „So funktioniert die Wirtschaft“ (Haufe). Er erläutert täglich grundsätzliche Fragen zum wirtschaftlichen Geschehen. Bernd Roselieb für Handelsblatt

Norbert Häring ist Handelsblatt-Korrespondent in Frankfurt und Autor des Buches „So funktioniert die Wirtschaft“ (Haufe). Er erläutert täglich grundsätzliche Fragen zum wirtschaftlichen Geschehen.

Letzteres wirkt ehrgeizig und arbeitssam, und schlaue Bewerber machen sich das zunutze und behalten ihre Vorliebe für mehr Urlaub für sich. Aus dem gleichen Grund ist es kein Wunder, dass es in den USA sehr wenig Sonderurlaub für Mütter nach der Geburt eines Kindes gibt. Denn eine Kandidatin, die anfängt, hierüber zu verhandeln, könnte auch gleich auf das Bewerbungsgespräch verzichten.

Fazit: Wenn eine Seite in Verhandlungen einen Anreiz hat, ihre wahren Vorlieben zu verbergen, kann in den Verhandlungen nichts herauskommen, was die Wünsche beider Seiten angemessen widerspiegelt. Überall wo das eine wichtige Rolle spielt, können kollektive Verhandlungen überlegen sein.

Der Autor ist erreichbar unter: haering@handelsblatt.com

Kommentare (1)

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05.04.2012, 13:22 Uhr

In Deutschland werden die Leute auf Niedriglohn und HARTZ4 getrimmt, vom GEZ-TV eingelullt und manipuliert. Eine einzige Gehirnwäsche und Verblödungstour ist das. Die wertvollen Arbeitsplätze sind längst im Ausland und wenn man den Mief und die Bevormundung in D satt hat, sollte man beizeiten nach USA auswandern.
Hoffentlich gewinnt Mitt Romney die Wahl, dann wird es dort noch freiheitlicher und der Kontrast noch deutlicher zu Deutschland.

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