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04.05.2012

13:52 Uhr

Stimmt es, dass...

Sind einheitliche Regeln für Banken nötig?

VonNorbert Häring

Die Bundesregierung stellt keine höheren Eigenkapitalanforderungen an die eigenen Banken, als das Minimum nach dem Regelwerk Basel III vorschreibt. Sie will eine Kreditverknappung vermeiden.

Norbert Häring

Norbert Häring ist Korrespondent in Frankfurt.

Die Bundesregierung hat sich mit Schützenhilfe Frankreichs und der EU-Kommission dem britisch-schwedischen Ansinnen widersetzt, in ihren Ländern höhere Eigenkapitalanforderungen an die eigenen Banken zu stellen, als das Minimum nach dem Regelwerk Basel III vorschreibt. Ihr Hauptargument: Wenn die Briten ihren Banken mehr Eigenkapital abverlangen, dann könnten diese in Deutschland ihre Kreditvergabe einschränken. Die Kreditverknappung könnte der deutschen Wirtschaft schaden.

Das Argument trägt im Prinzip, ist aber in der Praxis irrelevant. Bei Basel I, Basel II und Basel III ging es immer darum, Mindeststandards festzulegen, damit nicht Banken aus einem Land mit besonders niedrigen Standards extrem günstige Konditionen anbieten können, um den Markt in einem anderen Land aufzurollen. So etwas schadet nämlich direkt den Bankengewinnen im Zielland.

Es gefährdet dort auch die Finanzstabilität. Denn Banken mit wenig Eigenkapital, die ihre Kreditvergabe stark ausdehnen, geraten relativ leicht in eine Vertrauenskrise und ziehen das Zielland dann mit nach unten.

Wenn dagegen ein Land besonders viel Eigenkapital vorschreibt, dann sollte einerseits eine Bankenkrise dort sehr unwahrscheinlich sein und andererseits wären dessen Banken im internationalen Wettbewerb im Kostennachteil. Sie würden es deshalb kaum schaffen, in einem anderen Land große Marktanteile zu gewinnen, mit denen sie dort die Wirtschaft gefährden könnten, sollten sie unerwarteter Weise doch in eine Krise geraten.

Es sei denn - und dafür spricht einiges - die Kundschaft hält die Eigenkapitalanforderungen nach Basel III für immer noch viel zu niedrig und macht ihr Geschäft lieber mit einer ausländischen Bank, die mit höherem Eigenkapital größere Sicherheit ausstrahlt. Im Fachjargon heißt das Goldplating, Bilanzvergoldung.

Für Banken wie BNP Paribas und die Deutsche, die in direkter Konkurrenz mit den britischen Banken stehen und mit viel Fremdkapital arbeiten, wäre das ein Problem. Deren Interesse vertreten Berlin, Paris und Brüssel, nicht das der Steuerzahler.

Wenn nationale Bankensysteme mit mehr Eigenkapital Erfolg hätten, dann wäre das aus einem weiteren, noch wichtigeren Grund äußerst unangenehm für die Bankbranche. Sie könnte nicht mehr sagen, die Eigenkapitalquoten nach Basel III seien das absolute Maximum dessen, was man ihr abfordern kann.


Kommentare (2)

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Mazi

04.05.2012, 14:45 Uhr

Einheitliche Regeln für Bankengeschäfte sind aus Gründen des Wettbewerbs unumgänglich. Es ist nur anzumerken, dass nicht alle Banken die gleichen Geschäfte betreiben.

Eine Deutsche Bank würde es sich verbitten mit einer kleinen Volksbank in Niedersachsen verglichen zu werden. Es sei denn, es geht darum eben dieser kleinen Volksbank die Eigenkapitalregeln eines international engagierten Instituts auf's Auge zu drücken.

Es ist jedermann klar, dass so etwas Nonsens sein muss. Aber die Diskussionen haben sich so verselbständigt, dass den Akteuren selbst nicht mehr klar ist, um was es überhaupt geht.

BASEL ist zu einem Schlüsselwort geworden. Alles wird darin zu einem Brei verrührt und die kleinen Institute, die kein Geld haben, entsprechend ausgebildete Leute zu bezahlen, die diese Sprache sprechen oder sprechen können, sind nicht mehr in der Lage ihr eigenes Geschäftsmodell mit Gehör vorzutragen. Sie werden einfach von den "Investmentbankern" überrollt, niedergewalzt. Sie sind so unterlegen, dass sie sich nicht einmal mehr vertreten, geschweige denn Gehör verschaffen können.

Die Forderung ist daher nicht nur gleiche Geschäfte nach gleichen Regeln abzubilden, sondern die Regeln adäquat zum Geschäftsmodell zu fassen.

Wenn o.g. Volksbank in Nordfriesland in Konkurs ginge, würde davon in Frankfurt niemand Notiz nehmen. Wenn die Deutsche Bank in Frankfurt in Konkurs ginge, wäre das anders. Der Steuerzahler müsste und würde einspringen.

Der Fall ist ja nicht unbekannt oder theoretischer Natur.

Sachlogisch ist daher, dass die Deutsche Bank einer anderen Eigenkapitalanforderung unterworfen sein muss als die kleine Volksbank in Nordfriesland.

Neben dieser verschärften Eigenkapitalanforderung für die Deutsche Bank ist es risiko- und sachgerecht, dass diese neben den Kapitalanforderungen für den "Versicherungsschutz des Steuerzahlers" an diesen eine zweckgebundene Versicherungsprämie abzuführen hat.

Account gelöscht!

04.05.2012, 19:17 Uhr

Ich stimme zu, dass "one size fit´s it all" grundlegend falsch ist. Für die Volks- und Raiffeisenbanken sollte eine Verbundlösung das Richtige sein, da wären sie m.E. auch nicht sprachlos. Definitiv ist dort ein anderes Geschäftsmodell am Werk, welches andere EK-Hinterlegungen rechtfertigt. Hier könnte die "qualitative Bankenaufsicht", welche schon in Basel II als Ziel formuliert wurde, richtig sein. Dann wäre eine oben postulierte Versicherungsprämie auch nicht notwendig. Risikoadäquate Haftung entspricht marktwirtschaftlichen Grundsätzen und ermöglicht eine risikoorientierte EK-Unterlegung.

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