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09.08.2012

06:23 Uhr

Stimmt es, dass...

Sollte die Waffenlobby nach Amoklauf nicht allein im Fokus stehen?

VonNorbert Häring

In den USA kann man sich legal Waffen kaufen. Die lockeren Gesetze werden für Amokläufe wie in Colorado mit verantwortlich gemacht. Allerdings sollte sich der Fokus auch auf psychisch Kranke richten.

Trauer und Fassungslosigkeit nach dem Amoklauf in Colorado - hätten schärfere Waffengesetze das verhindern können? dapd

Trauer und Fassungslosigkeit nach dem Amoklauf in Colorado - hätten schärfere Waffengesetze das verhindern können?

Der Amoklauf in einem Kino im US-Bundesstaat Colorado ist eine Tragödie, wie sie jedes Land treffen kann, die USA ebenso wie Norwegen oder Deutschland. Aber auch wenn sich solche Wahnsinnstaten nie ausschließen lassen, sind sie doch nicht unabwendbar wie Naturgewalten. Es gilt, die richtigen Schlüsse zu ziehen und Veränderungen einzuleiten, damit sie weniger häufig vorkommen.

In den USA, wo sich fast jeder legal beliebig viele, sogar halbautomatische Waffen kaufen kann, geraten nach jedem Amoklauf die liberalen Waffengesetze und die Waffenlobby in den Fokus. Doch, wie die Waffenlobby ebenso richtig wie engstirnig argumentiert: Waffen töten niemanden. Deshalb sollte sich das Interesse auch auf die psychisch Kranken richten, die solche Taten verüben. Wie geht eine Gesellschaft mit ihren psychisch Kranken um? Gibt es hinreichend Behandlungsmöglichkeiten? Was passiert, wenn jemand als schizophren oder paranoid auffällt?

In dieser Hinsicht haben viele Länder große Schwächen. In den USA und in Colorado sind sie besonders groß. Daran hat sich auch nach dem Schulmassaker von Columbine, Colorado im Jahr 1999 nichts geändert.

In Colorado und vielen anderen Staaten gibt es nach einem Bericht der National Allicance on Mental Illness (NAMI) so gut wie keine Daten über Wartezeiten für psychiatrische Behandlung oder über die Anzahl der Behandlungsbedürftigen. Der Bundesstaat gibt pro Einwohner nur zwei Drittel des Landesdurchschnitts für psychische Gesundheit aus und hat das entsprechende Budget von 2009 bis 2012 noch um acht Prozent gekürzt.

Norbert Häring ist Korrespondent in Frankfurt und Buchautor. Bernd Roselieb für Handelsblatt

Norbert Häring ist Korrespondent in Frankfurt und Buchautor.

Insgesamt haben die US-Bundesstaaten von 2009 bis 2011 1,6 Milliarden bei den psychisch Kranken gekürzt. Auch die Regierung in Washington gibt weniger. Folgen sind die Schließung von psychiatrischen Kliniken und der Ausschluss vieler beim Zugang zu psychiatrischer Behandlung.

Ohnehin gibt es in den USA viel zu wenige Möglichkeiten für eine stationäre Behandlung psychisch Kranker. Und sehr viele haben gar keinen Zugang. Über 45 Millionen Menschen sind nicht krankenversichert. Von diesen ist der NAMI zufolge jeder vierte psychisch krank oder drogenabhängig. Und selbst bei denen mit Krankenversicherung, sind die Versicherer teilweise sehr restriktiv bei der Übernahme der Kosten für die Behandlung psychischer Krankheiten.

Folge der schlechten Versorgung ist, dass die psychisch Kranken die Notaufnahmen der Krankenhäuser, die Obdachlosenasyle und die Gefängnisse überquellen lassen. Abgesehen vom großen Leid der Betroffenen, sind Arbeitsunfähigkeit und Bedürftigkeit Standardfolgen unbehandelter psychischer Störungen. Gewalt und Amokläufe sind nur die besonders sichtbare Spitze eines Eisbergs an Kosten für die Gesellschaft, die durch ein Sparen an der falschen Stelle entstehen.

Kommentare (2)

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09.08.2012, 14:53 Uhr

Warum gibt es solche Massaker quasi nur in den USA?

1. Weil die Waffen verfügbar sind?

Leuchtet das wirklich ein? Wenn jemand eine Waffe beschaffen will bekommt er sie auch - auch in Deutschland. Ist es eine spontane Tat? Wenn man die Untersuchungen ansieht meist nicht?

2. Weil jemand ein Interesse hat Vorfälle zu schaffen, die die Forderung nach einem Waffenverbot unterstützen angesichts eines kollabierenden Systems und zu erwartender Gewalt von Seiten der Straße?

Schonmal mind mind-control beschäftigt ? zB Stichwort MK-Ultra ... Das ist definitiv Fakt. Clinton hat sich für die Versuche und Verbrechen in den 60/70ern sogar öffentlich entschuldigt. Buchtipp: "Tranceformation of America"

Aldinger

10.08.2012, 07:55 Uhr

Deutschland, USA u.a. haben kein Problem mit Waffen, sie haben ein Problem mit der Gesellschaft. Wenn die Medien jeden sog. Amoklauf ausschlachten und die Täter gewollt, ungewollt zu Vorbildern machen, mus man sich über Nachahmer nicht wundern. Die Welle der School-Shootings in Deutschland ging erst los, nachdem die Tat in der Columbine High von den Medien ausgeschlachtet wurde, vorher gab es in den vorangegangen 100 Jahren gerade mal 2 ähnliche Ereignisse in Deutschland, danach 4 in 10 Jahren.

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