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27.06.2012

15:06 Uhr

Stimmt es, dass ...

Spart sich Südeuropa kaputt?

Es ist ein beliebtes Argument gegen Merkels Spardiktat: Wenn die Länder Südeuropas weiter sparen, sparen sie sich kaputt. Stimmt das?

Ein Sparschwein mit Euroscheinen: Es gibt nur wenige Möglichkeiten, in einer Währungsunion aus dem Dilemma zu kommen. dpa

Ein Sparschwein mit Euroscheinen: Es gibt nur wenige Möglichkeiten, in einer Währungsunion aus dem Dilemma zu kommen.

Ja und nein. Ja, weil die Kürzungen der Staatsausgaben die Nachfrage drücken.

Nein, weil die Staaten bereits so hoch verschuldet sind, dass sie sich nicht mehr weiter verschulden können - was sie eigentlich müssten, um den Mangel an privater Nachfrage auszugleichen.

Um diese relativ komplizierte Materie zu verstehen, müssen wir zunächst einmal den Geldkreislauf anschauen. Wenn der Staat Geld ausgibt, das er sich durch den Verkauf von Anleihen von privaten Investoren geholt hat, ändert sich am Geldumlauf im Prinzip nichts. Geld, das die Investoren dem Staat geben, können sie nicht selbst ausgeben oder anderen zur Verfügung stellen. Das ist die These von der Verdrängung privater Nachfrage durch Staatsausgaben.

Norbert Häring

Norbert Häring ist Korrespondent in Frankfurt.

Anders sieht es nur aus, wenn Haushalte und Unternehmen auf Teufel komm raus ihre zu hohe Verschuldung abbauen wollen oder wegen Kreditzurückhaltung der Banken abbauen müssen. Dann geben sie weniger aus, als sie einnehmen. Wenn alle, einschließlich Staat, das versuchen, dann klappt die Entschuldung nicht, weil die Einkommen sinken, aus denen die Schulden zurückgezahlt werden sollen. Es kommt zu einer Abwärtsspirale.

Um den Unternehmen und Haushalten zu ermöglichen, sich zu entschulden, ohne dass es zu dieser Abwärtsspirale kommt, haben die Regierungen der betreffenden Länder ihre Defizite steigen lassen. Das haben sie in den USA und Großbritannien ebenso getan. Doch diese Länder haben eine eigene Währung. Jeder Dollar, den die US-Regierung zusätzlich an Schuldendienst ausgibt, zirkuliert weiter in der US-Wirtschaft.

Ein zusätzlicher Euro, den die spanische Regierung ausgibt, findet aber schnell seinen Weg ins Ausland und wird dadurch dem heimischen Geldkreislauf entzogen. Die spanische Regierung kann mit ihrer Ausgabenpolitik nichts tun, um das zu ändern.

Es gibt nur drei Möglichkeiten, in einer Währungsunion aus dem Dilemma zu kommen. Schulden, die zu hoch sind, müssen gestrichen werden, andere müssen sie übernehmen - oder die Zentralbank, die als Einzige direkt oder indirekt über die Banken neues Geld schaffen kann, sorgt dafür, dass der Geldumlauf mit einer angemessenen Rate wächst.

Letzteres kann die Zentralbank bewerkstelligen, indem sie mit frischem Geld Anleihen der betroffenen Länder kauft. Oder indem sie den Banken, die ihre Nothilfen in Anspruch nehmen, Vorgaben für deren Kreditvergabe macht - gepaart mit flankierenden Vorgaben zur Begrenzung der Gehälter und der Dividenden.

Von

noh

Kommentare (6)

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Ben-Wa

27.06.2012, 15:19 Uhr

Oder die Eurozone auflösen und jeder Nation die eigene Währung geben, damit sie damit glücklich werden. Die einzig richtige Alternative!

Fehrmann

27.06.2012, 16:25 Uhr

Verschuldete Staaten mit weiteren Schulden zu retten kann doch wohl nicht wahr sein! Nur durch Tilgung und Sparen kann ein Land saniert werden. Ich wohne seit 17 Jahren in Portugal. Ich kenne die Korruption und den Arbeitseinsatz der Bevölkerung. Solange das Geld woanderst herkommt - 60 Millionen pro Tag Handelsbilanzdefizit - ist doch alles gut.

steuerschaetzer

27.06.2012, 16:33 Uhr

NA TOLL!

Und die Schuldner-Länder verschulden sich weiter bis zum Sankt-Nimmerleinstag, denn sie bekommen das nötige Geld von der EZB. Wie soll dann die marode Wirtschaftstsruktur eines Schuldnerlandes reformiert werden? Das geht eben nur über KÜRZUNG ZU HOHER LÖHNE und ZU HOHER SOZIALAUSGABEN sowie die SCHRUMPFUNG der AUFGEBLÄHTEN ÖFFENTLICHEN VERWALTUNGEN und ein ENDE der ÜBER-REGULIERUNGEN im PRIVATEN SEKTOR; da wirkt die weitere Schuldenfinanzierung durch die EZB wie die weiteren Spritzen für den Rauschgiftsüchtigen. Der Kollaps kommt auf alle Fälle.

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