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27.03.2012

10:10 Uhr

Stimmt es, dass...

Verdienen die Vorstände, was sie verdienen?

VonNorbert Häring

Die Diskussion um das Einkommen von Vorständen ist wieder entfacht. Vor zwei Jahren begann die Gehaltsentwicklung in den USA: Mit der sogenannten Principal-Agent-Theorie. Aktienoptionen sind der Haupttreibsatz.

Mit 17,456 Millionen Euro hat Martin Winterkorn von Volkswagen das höchste Einkommen eines Dax-Vorstands. AFP

Mit 17,456 Millionen Euro hat Martin Winterkorn von Volkswagen das höchste Einkommen eines Dax-Vorstands.

Die Vergütung der Vorstände großer deutscher Unternehmen haben sich um den Kaufkraftverlust des Geldes bereinigt, von 1992 bis 2006 auf durchschnittlich 660 000 Euro verdoppelt. Bei den am besten bezahlten hat sie sich sogar auf rund 2,3 Millionen Euro vervierfacht. Nebenleistungen wie Aktienoptionen sind dabei eingerechnet. Nach einem krisenbedingten Rückgang war 2011 ein gutes Jahr für die Vorstände, was die Diskussion um ihre Bezahlung neu angefacht hat.

Seinen Ausgang nahm die rasante Gehaltsentwicklung der letzten zwei Jahrzehnte in den USA. Dort entwickelten Ökonomieprofessoren die Principal-Agent-Theorie. Sie befasst sich mit der Frage, wie sicherzustellen ist, dass Beauftragte (Agents), das tun, was im Sinne ihrer Auftraggeber (Principals) ist, und nicht das, was ihnen selber nützt.

Vorstände sollten davon abgehalten werden, sich ein ruhiges Leben zu machen oder ihrer Großmannssucht zu frönen und stattdessen einen Anreiz bekommen, das Vermögen der Aktionäre zu mehren. Die Lösung: höhere und vor allem erfolgsabhängige Bezahlung. Dafür wurden Aktienoptionen als besonders geeignet propagiert. Die Regierung Clinton unterstützte das. Als sie eine Gehaltsgrenze von einer Million Dollar einführte, nahm sie erfolgsabhängige Aktienoptionen aus. Sie wurden dann der Haupttreibsatz hinter der Himmelfahrt der Vorstandsvergütungen in den USA. Dort haben sie ein Niveau erreicht, das deutsche Vorstände vor Neid erblassen lässt. Öffentlichen Aufruhr verursachen erst dreistellige Millionenvergütungen für gescheiterte Unternehmenschefs.

Eines vergaßen die Verfechter der erfolgsabhängigen Vergütung sonderbarerweise: das Principal-Agent-Problem zwischen Aktionären und Aufsichtsräten. Erfolgsabhängige Vergütungssysteme fallen nicht vom Himmel, sondern müssen ausgehandelt werden. Vorstände wollen natürlich eine möglichst hohe Vergütung mit möglichst geringem Risiko. Die Aufsichtsräte sollten eigentlich im Sinne der Aktionäre Vergütungssystem durchsetzen, die Einsatz und Erfolg belohnen und Misserfolg bestrafen. Die große Frage ist, ob die Aufsichtsräte einen Anreiz dazu haben oder ob sie nicht lieber ein gutes Verhältnis zu den Vorständen pflegen. Gerade im einstufigen System der USA, wo der Chief Executive Officer (CEO) oft auch Chairman of the Board ist und eine Abwahl des Boards gegen den Willen des CEO sehr schwer ist, beantwortet sich die Loyalitätsfrage für die Board-Mitglieder fast von selbst.

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