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24.05.2012

11:06 Uhr

Stimmt es, dass...?

Vermeidet eine Transaktionssteuer Krisen?

VonNorbert Häring

Eine Finanztransaktionssteuer würde auf die Umsätze eines Börsengeschäfts erhoben werden. Das soll zum Beispiel die Wechselkurse von Währungen stabilisieren. Krisen wird man damit wohl nicht verhindern können.

Eine Finanztransaktionssteuer kann Krisen nicht verhindern. dpa

Eine Finanztransaktionssteuer kann Krisen nicht verhindern.

Man kann zur Finanztransaktionssteuer stehen wie man will, aber einen nennenswerten Beitrag zu einem sichereren Finanzsystem sollte man sich davon nicht erhoffen. Ebenso wenig eine nennenswerte Beteiligung der Finanzbranche an den Krisenkosten.

Die Steuer ist gedacht als kleiner umsatzbezogener Obolus auf jedes Börsengeschäft. Das soll sehr kurzfristiges, aber großvolumiges Rein und Raus aus bestimmten Positionen, zum Beispiel Währungen, unattraktiv machen. Die Befürworter erhoffen sich davon, dass rein finanzmarktgetriebene Schwankungen der Wechselkurse, an die sich die produzierende Wirtschaft anpassen muss, seltener werden.

Mit den Ursachen für die gegenwärtige Finanzkrise hat das sehr wenig zu tun. Auch eine Wiederkehr derartiger Krisen macht sie kaum weniger wahrscheinlich. Ursprung der Krise war eine Kreditblase, die zuerst in den Vereinigten Staaten, dann in Teilen Europas platzte. Sie legte offen, dass die Banken viel zu viele Kredite an Immobilienkäufer oder den Staat gegeben hatten. Als die Hochkonjunktur, die der Kreditboom genährt hatte, zu Ende ging, und die vom Kreditzufluss nach oben getriebenen Immobilienpreise aufhörten zu steigen, wurde deutlich, in welch prekäre Lage sich die Banken manövriert hatten.

Hätte es eine Finanztransaktionssteuer gegeben, hätte das nichts geändert. Die exzessive Kreditvergabe wäre für die Banken in den Boomländern nicht weniger attraktiv gewesen. Das Verpacken der Schrottkredite in synthetische Finanzprodukte, für die man sich von den Ratingagenturen Bestnoten kaufte, wäre ein kleines bisschen teurer geworden. Aber das waren keine kurzfristige Geschäfte. Die kleine Steuer wäre nur einmal oder wenige Male angefallen. Die Gewinnspannen aus der Verwandlung von Schrottkrediten in erstklassige Wertpapiere waren sehr viel größer.

Norbert Häring ist Korrespondent in Frankfurt und Autor des Buches „So funktioniert die Wirtschaft “. Bernd Roselieb für Handelsblatt

Norbert Häring ist Korrespondent in Frankfurt und Autor des Buches „So funktioniert die Wirtschaft“.

Im Übrigen wäre das Aufkommen einer Finanztransaktionssteuer voraussichtlich recht gering. Im Verhältnis zu den Gewinnen, die die Finanzinstitute mit der Kreditblase gemacht und dem Schaden, den sie verursacht haben, wäre das ein Klacks.

Wer das Finanzsystem ernsthaft sicherer machen oder die Banken an den Kosten der Schadensbehebung beteiligen will, muss bei den Ursachen ansetzen. Wenn zum Beispiel die Zentralbanken das Vielfache beschränken würden, um das die Banken das Notenbankgeld vermehren können, würden Kreditblasen weniger wahrscheinlich und die Banken sicherer. Die Notenbank und damit der Staat bekäme zulasten der Banken einen größeren Teil vom Geldschöpfungsgewinn. Das wäre kein Klacks.

Kommentare (1)

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Methatron

05.06.2012, 11:32 Uhr

Eine gute und zutreffende Analyse der Thematik, die den grossen Irrtum der meisten Befürworter dieser Steuer offenlegt. Was fehlt ist die Feststellung, dass gerade der globale Forexhandel derart ortsunabhängig ist, dass die Einführung dieser Steuer in einigen kontinentaleuropäischen die Volatilität des Marktes kaum beeinflussen würde.

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