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12.09.2012

14:41 Uhr

Stimmt es dass...

Verzapft Krugman Unsinn?

VonNorbert Häring

Paul Krugman vergleicht das Bankgeschäft mit der Autovermietung und möchte damit die Praxis der Banken, Geld aus dem Nichts zu schaffen, rechtfertigen. Dieser Vergleich sucht allerdings an Plumpheit seinesgleichen.

Ökonom und Nobelpreisträger Paul Krugman. Reuters

Ökonom und Nobelpreisträger Paul Krugman.

Wenn ich diese These meinen Bekannten ausbreite, die nichts mit Ökonomie zu tun haben, schütteln sie spätestens nach dem dritten Satz abfällig den Kopf. Aber Nobelpreisträger Paul Krugman sieht das anders. In seinem Lehrbuch "Volkswirtschaftslehre" beschreibt er, wie Banken Geld schöpfen, indem sie Kredit vergeben und den Kunden dafür aus dem Nichts ein Bankguthaben einräumen. Wenn zu viele Kunden allerdings gleichzeitig eine Bank beim Wort nehmen und über ihre Guthaben verfügen wollten, hätte sie dieses Geld nicht, weil die Banken standardmäßig nur einen kleinen Teil des Geldes verfügbar halten, auf das die Kunden theoretisch jederzeit zugreifen könnten.

Das ist weder unehrenhaft noch unseriös, stellt Krugman fest und bemüht das Beispiel der Autovermietung, die es theoretisch auch jedem ermöglicht, sich jederzeit ein Auto zu mieten, um von A nach B zu kommen. Aber wenn an einem Tag plötzlich alle von A nach B wollten, dann gäbe es nicht genug Autos dafür. Das finde auch jeder normal.

Norbert Häring

Norbert Häring ist Korrespondent in Frankfurt.

Der Vergleich ist blühender Unsinn, wie jeder Nichtökonom sofort merkt. Autovermietungen versprechen uns nicht, uns jederzeit ein Auto zu vermieten. Die meisten Menschen sind nicht einmal in Geschäftsbeziehung mit ihnen. Eine Bank dagegen hat unser Geld und verspricht uns, es jederzeit zurückzuzahlen, ein Versprechen, das sie nur halten kann, wenn alle ihr vertrauen und wenige es in Anspruch nehmen. Wenn die Leute das Vertrauen verlieren, dass eine Autovermietung genug Autos für alle dahat, passiert erst einmal gar nichts. Wenn sie das Vertrauen in die Banken verlieren, bricht der Zahlungsverkehr zusammen. Deshalb müssen die Banken gerettet werden, damit sie ihr Versprechen erfüllen können.

Warum verzapft ein Nobelpreisträger der Ökonomie solch eklatanten Unsinn? Leider hat das System. Praktisch alle führenden Lehrbücher vernebeln bei der Erläuterung des Geldsystems mehr, als sie aufklären. Nur dass wenige es so plump tun wie Krugman. Alle nehmen es als gegeben, dass die Banken das Privileg haben, Geld aus dem Nichts zu schaffen, und den beträchtlichen Gewinn daraus einstreichen dürfen, während der Staat und die übrige Volkswirtschaft die Kosten tragen müssen, wenn etwas schiefgeht.

Das auflagenstärkste Lehrbuch von Mankiw/Taylor beschränkt sich auf die Feststellung, dass eine Erhöhung des Mindestreservesatzes, die die Geldschöpfung durch die privaten Banken begrenzen würde, das Bankgeschäft empfindlich stören könnte.

Warum lesen sich führende Volkswirtschaftslehrbücher, als wären die entsprechenden Abschnitte in den PR-Abteilungen der Banken verfasst worden? Hängt es damit zusammen, dass die Banken und Zentralbanken weltweit die wichtigsten Anbieter von Drittmitteln, Forschungsstipendien, Vortragshonoraren und gut bezahlten Jobs für Makroökonomen sind?

Kommentare (5)

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Volker

12.09.2012, 15:05 Uhr

Möchte der Autor uns etwas mitteilen oder sich auf Kosten eines Anderen profilieren ? Den Artikel hätte man sich sparen können !

Steuerschaetzer

12.09.2012, 15:15 Uhr

Ihre Vermutung hinsichtlich des Einflusses der Banken auf ökonomische Diskussionen scheint nicht abwegig zu sein. Allerdings dürfte sich der Einfluss nicht nur auf wirtschaftliche Lehrbücher auswirken, sondern vielmehr im politischen System. Wo haben die Banken nicht nur ihre Berater und Unterstützer in den Universitäten, im politischen System (bis zu Finanzministern!)und in den internationalen Organisationen wie Weltbank, und IMF z.B. sitzen. So ist Krugman nur Teil eines ganzen Systems, in dem sich die Mitglieder eben zu Gunsten ihrer Geldgeber äußern und selbst wenn es in den Bereich des Unsinns fällt. Letzteres erkennt man schnell, schwieriger wird es bei den Handlungen und Statements von Mitgliedern dieses von der Finanzindustrie gesteuerten Systems, die z.B. im IWF oder der EZB wichtige Entscheidungen treffen. Sind die dann objektiv oder nur zum Nutzen ihrer Geldgeber in der Finanzindustrie, damit diese dicke Gewinne machen?

VDH

12.09.2012, 17:26 Uhr

Also hier zu vermuten, dass Herr Krugman von Banken bezahlt wurde, um durch einen Vergleich von Autovermietern mit Banken das Bankrisiko zu verniedlichen, ist wohl genauso an den Haaren herbeigezogen wie der Artikel selbst.

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