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03.09.2012

12:07 Uhr

Stimmt es, dass...

Wächst die US-Wirtschaft stärker als die deutsche?

VonNorbert Häring

Der US-Statistik darf man nicht immer glauben. Besonders nicht in Zeiten der US-Wahlen. Konjunkturmeldungen werden seit dem Jahr 2000 systematisch verzerrt, so dass ein Vergleich mit Deutschland schwierig ist.

US-Präsident Barack Obama. Die Wirtschaftslage ist enorm wichtig für seine Wiederwahl. Reuters

US-Präsident Barack Obama. Die Wirtschaftslage ist enorm wichtig für seine Wiederwahl.

Stimmt es, dass die US-Wirtschaft stärker wächst als die deutsche? Obwohl die offizielle Statistik das aussagt, ist es nach den Erfahrungen mit der US-Statistik aus den letzten zwölf Jahren eher unwahrscheinlich. In den USA sind im November Präsidentschaftswahlen. "It's the economy, stupid" gilt natürlich immer noch: Auf die Wirtschaftslage kommt es an, und zwar nicht nur auf die tatsächliche, sondern auch auf die gemessene und verkündete.

Danach ist die US-Wirtschaft im ersten Quartal um zwei Prozent gewachsen, im zweiten Quartal um 1,7 Prozent. Das sind auf Jahresraten hochgerechnete Veränderungen zum Vorquartal. Die Amerikaner rechnen alles was gut ist, gern auf Jahresraten hoch, weil es durch Vervierfachung größer wird. Alles was schlecht ist - wie Inflation - rechnen sie natürlich nicht hoch.

Norbert Häring

Norbert Häring ist Korrespondent in Frankfurt.

Im ersten Quartal waren es also offiziell 0,5 Prozent, gleich viel wie in Deutschland, im zweiten Quartal 0,42 Prozent, gegenüber 0,3 Prozent in Deutschland. Ein minimaler offizieller Vorsprung. Aber warum freuen sich die Deutschen dann ob der guten Wirtschaftsentwicklung, während die Notenbank in den USA wegen der schlechten Lage die Panik bekommt und eine neue Runde von großen Anleihekäufen zur Stimulierung der Wirtschaft in Aussicht stellt?

Vielleicht ist die Wirtschaftslage ja deutlich schlechter als offiziell gemessen. In den drei Wahljahren 2008, 2004 und 2000 war das jedes Mal der Fall. Die ersten drei Quartale 2008 wurden im Folgejahr gegenüber der ersten Meldung um durchschnittlich - nicht auf Jahresrate hochgerechnet - gut einen halben Prozentpunkt nach unten revidiert. Auf ein ganzes Jahr gerechnet bedeutet das, dass zunächst rund zwei Prozent mehr Wachstum vermeldet wurden, als vorhanden war. Die ersten drei Quartale 2004 betrug die Überschätzung am Anfang gut 0,2 Prozentpunkte pro Quartal, in den ersten drei Vierteljahren 2000 war es etwa ein viertel Punkt pro Quartal.

Dabei ist es seit etwa dem Jahr 2000 typisch, dass am Anfang mehr verkündet wird als am Schluss übrig bleibt. Im Durchschnitt beträgt die Überschätzung gut 0,1 Prozent pro Quartal oder gut ein halbes Prozent pro Jahr. Das lässt die Wirtschaftspolitik der jeweiligen Regierung, von deren Behörden auch die Daten erhoben werden, besser aussehen. Denn die ersten Meldungen bekommen viel mehr Aufmerksamkeit als die Revisionen später. In den Wahljahren, in denen die Revisionen erst nach der Wahl veröffentlicht werden, scheint die Versuchung sich in eine bestimmte Richtung zu verschätzen, besonders groß zu sein.

In den zwanzig Jahren bis 2000, als die Wachstumsraten noch höher und stabiler waren, gab es die systematische Verzerrung der ersten Meldungen nach oben noch nicht. Sie ist auch seit 2000 immer dann besonders ausgeprägt, wenn das Wachstum unbefriedigend ist. Wenn das Quartalswachstum - nicht hochgerechnet - mindestens bei 0,50 Prozent lag, war das Verhältnis von Überschätzung und Unterschätzung fast ausgeglichen. Wenn es auf oder unter 0,40 Prozent lag, kamen Überschätzungen dreimal so häufig vor.

Kommentare (4)

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Moika

03.09.2012, 12:28 Uhr

Die amerikanische Wirtschaft braucht nach eigenen Einschätzungen rund 2,5 - 3 Prozent Wachstum, um neue Arbeitsplätze zu generieren.

Die laufenden US Arbeitsmarktstatistiken bestätigen diesen Sachverhalt auf eindrucksvolle Weise.

Account gelöscht!

03.09.2012, 12:55 Uhr

Wo soll das denn bitte immer alles hinwachsen? In der Natur nennt man so etwas KRebs!!! Weiter traue ich absolut keiner einzigen Zahl die von einer Politik kommt, wo die Obrigkeit am Volk vorbeientscheidet und macht was sie will...das gilt für die USA, wie Deutschland und dem anderen Saftläden.

scharfschuetze

03.09.2012, 13:57 Uhr

Und wenn die amerikanische Wirtschaft wächst, was heisst das schon? Wenn Mcdonalds, BurgerKing, KFC, Wendys etc. ihre Umsätze erhöhen, heißt das nur,das die AMis mehr fressen und somit noch fetter werden.

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