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26.04.2012

11:12 Uhr

Stimmt es, dass...

Wem gehört das Gold der Zentralbank?

VonNorbert Häring

Wer ist eigentlich der Herr über das Gold der Zentralbank? Sie selbst oder die Aktionäre? Oder das Volk? Die Frage stellt sich umso mehr, wenn man bedenkt, dass die Fed ihr Gold gerüchteweise gar nicht mehr hat.

Das meiste Gold der Bundesbank lagert in New York. ap

Das meiste Gold der Bundesbank lagert in New York.

Als im März 2011 die „Financial Times“ schrieb, italienische Banken wollten sich das Gold „ihrer“ Zentralbank zurechnen lassen, um ihr Eigenkapital zu erhöhen, wurde das rasch dementiert. Eine Aufklärung, wem das Zentralbankgold gehört, steht aber noch aus.

Auf Nachfrage erhielt unsere Italien-Korrespondentin Katharina Kort von der Bank von Italien die verschwurbelte Antwort, das Gold gehöre ihr als Institution. Es habe die Funktion, die Stabilität der Banken und der Märkte zu garantieren. Es gehöre nicht den Aktionären der Banca d'Italia, die in gewissem Sinne nur symbolische Eigentümer seien. Das Gold gehöre aber auch nicht dem Volk, in dem Sinne, dass Politiker darauf zugreifen könnten.

Norbert Häring

Norbert Häring ist Korrespondent in Frankfurt.

Was das Gold der Bundesbank angeht, hatten wir in der Kolumne vom 7. März gesehen, dass das meiste davon in New York lagert und Gerüchte um eingeschränkte Verfügungsgewalt blühen. Was den größten Goldschatz der Welt angeht – den der US-Notenbank Federal Reserve – sieht es ganz ähnlich aus. Die New York Fed als eine von zwölf regionalen Untergliederungen gehört den Banken, und das nicht nur „symbolisch“.

In der Bilanz der Federal Reserve gibt es elf Milliarden Dollar Gold-Zertifikate, also Ansprüche auf Gold des Finanzministeriums. In den Fußnoten kann man nachlesen, dass der Finanzminister autorisiert ist, Gold-Zertifikate an die Federal Reserve Banken zu veräußern, und zwar zum Vorzugspreis von 42,2 Dollar je Feinunze. Zu diesem Preis stehen die Zertifikate in der Fed-Bilanz. Rechnet man nach, stellt man fest, dass der ganze US-Goldschatz von 8000 Tonnen zu einem Vierzigstel seines aktuellen Werts an die Fed fast verschenkt wurde. Beim gegenwärtigen Marktpreis ist das ein Wert von 430 Milliarden Dollar.

Wie bei der Bundesbank schießen auch in den USA Gerüchte ins Kraut, dass die Federal Reserve das Gold gar nicht mehr hat. Das könnte zum Beispiel der Fall sein, wenn sie es verliehen hätte, die Leihnehmer es verkauft hätten, und nicht mehr zurückkaufen können, weil es zu teuer geworden ist. Dann hätte die Notenbank Grund, auf Rückgabe zu verzichten, um den Verlust nicht offenbaren zu müssen. Eine unabhängige Inventur des US-Goldes hat nie stattgefunden. Die Federal Reserve wehrt sich mit Händen und Füßen gegen Bestrebungen im Kongress, sie einer Rechnungsprüfung zu unterziehen, die auch die Goldreserven und vorhandene Besitztitel darauf einschließen würde. Warum nur?

Kommentare (5)

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Nachdenker

26.04.2012, 11:37 Uhr

das ist eine wirklich gute Frage. Warum wohl ? Ich rate von eigenen Recherchen ab, da es wie in New York die Gesundheit beeinträchtigen könnte....

Account gelöscht!

26.04.2012, 11:55 Uhr

Nun gut,dann suchen wir bei Goldfinger und setzen den US-$ einstweilen auf Null.

Schlaumeier

26.04.2012, 12:01 Uhr

Die FED dürfte keine einzige Unze mehr besitzen. Sie verkauft doch ständig, wenn der Goldpreis zu steigen droht.
Ebenso andere Notenbanken. Der Goldpreis wird explodieren, wenn die ganzen Zertifikatebesitzer sich einmal ihr Gold effenktiv ausliefern lassen würden. Das wird jedoch nicht passieren, weil die FED dann den Goldbesitz bei Strafe verbieten würde
(wie in der Vergangenheit). Also auch hier, wie überall LUG und BETRUG.

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