Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.09.2012

12:07 Uhr

Stimmt es, dass...

Werden geschiedene Väter steuerlich diskriminiert?

VonNorbert Häring

Die Frage, ob geschiedene Väter steuerlich benachteiligt werden, verneinen deutsche Gerichte einhellig. Norbert Häring sieht die Lage etwas anders und erklärt, warum auch Scheidungskinder diskriminiert werden.

Ein Vater mit seinen Kindern. dpa

Ein Vater mit seinen Kindern.

Die Gerichte sagen einhellig Nein. Der gesunde Menschenverstand, jedenfalls meiner, sagt Ja. Worum geht es? Geschiedene Elternteile, deren Kinder beim anderen Elternteil leben - in der Praxis meistens die Väter -, haben das Recht und die Pflicht, Umgang mit ihren Kindern zu pflegen. Wenn sie aus beruflichen Gründen an einem anderen Ort oder gar in einem anderen Land als die Mutter wohnen müssen, kann das ziemlich teuer sein. Sie müssen beträchtliche Fahrtkosten in Kauf nehmen.

Wenn ihre Kinder regelmäßig bei ihnen sind, müssen sie eine hinreichend große Wohnung mieten oder kaufen. Die Finanzämter und die Gerichte erkennen solche Kosten nicht als außergewöhnliche Belastung an, mit sonderbar anmutenden Begründungen. Zum einen seien die Belastungen nicht außergewöhnlich, sondern Konsequenz einer Normalität, nämlich des Umgangs mit den eigenen Kindern. Zum anderen seien solche Belastungen durch das Kindergeld, das dem Vater normalerweise hälftig zusteht, abgegolten.

Man stelle sich einmal vor, das Finanzamt würde diese Argumentation mit der Normalität der Belastung auf den Umgang eines nicht geschiedenen Fernpendlers mit seiner Frau anwenden. „Es ist normal, dass ein Mann seine Frau am Wochenende sehen will, das ist keine außergewöhnliche Belastung“, würde das dann heißen. Das Bundesverfassungsgericht würde das sofort mit dem grundgesetzlich gebotenen Schutz von Ehe und Familie kassieren. Es ist schwer verständlich, warum die Gerichte in Deutschland bei dieser Schutzbestimmung immer nur den ersten Teil beachten, der sich auf die Ehe bezieht, nicht aber auf die Familie, sprich die Kinder. Der Vater bleibt Vater, auch wenn er geschieden ist. Die Kinder gehören zu seiner Familie.

Diese Kinder sind es, die neben dem Vater darunter leiden, wenn Besuche aus finanziellen Gründen eingeschränkt werden. Ein Fernpendler, der pendeln muss, weil sein Beruf ihn an einen bestimmten Ort bindet, kann nur über den Teil des Gehalts verfügen, der nach den beruflich bedingten Pendelkosten übrig bleibt, egal ob er zur Frau pendelt oder zu den Kindern oder die Kinder zu ihm. Nur auf dieses Gehalt nach Pendelkosten sollte er Steuern zahlen müssen. Danach zu unterscheiden, ob man zur Ehefrau oder zu den Kindern pendelt, ist kaum nachvollziehbar.

Norbert Häring

Norbert Häring ist Korrespondent in Frankfurt.

Das Argument mit der Abgeltung durch das Kindergeld mag durch juristische Spitzfindigkeiten unanfechtbar sein. Kindergeldbeträgen um 100 oder 200 Euro, die man als geschiedener Vater bekommt, stehen für die Fernpendler teilweise Belastungen von vielen Hundert Euro pro Monat gegenüber. Die als abgegolten und „nicht außergewöhnlich“ zu betrachten, ist schon ziemlich extravagant.

Kommentare (13)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

ob@bad-homburg.eu

14.09.2012, 12:48 Uhr

[+][+] z stimme!

GrUESSe ob@bad-homburg.eu
http://www.bad-homburg.eu

Ralph_St

14.09.2012, 13:51 Uhr

Manchmal, aber nur manchmal werden auch noch Benzinkosten anerkannt (Null-Verschleiß bei hobbymäßigem Gebrauch!). Mindestvoraussetzung hierfür ist das Vorzeigepapa-Dasein in Form von nachweislicher Gewährung von Kindesunterhalt und zwar in der Höhe, die dem Mindestunterhalt gemäß §1612a BGB entspricht - oder besser - diesen übersteigt.
Ist der Herr mal nicht solvent, kann er sich am SGB versuchen und über Jahre mit den Sozialämtern vor Gericht streiten oder muss inkauf nehmen, dass seine Zeiten mit den Kindern auf ein kleineres Maß zusammengestrichen wird. Da macht es auch nicht, wenn der Herr Papa, wie beinahe jeder andere auch, nur über sechs Wochen Jahresurlaub verfügt.
- Was sind für ein Kind schon weitere 30-50 Tage im Jahr mit einem Erzeuger, das es eigentlich gar nicht sehen mag?
Die ganze Sache, Herr Häring, stinkt zum Himmel, das wissen Sie wie auch ich, aber immerhin schon so lange, dass sich die meisten an den Gestank gewöhnt haben.
Danke, dennoch!

MfG

Maja_Sch

14.09.2012, 15:11 Uhr

Richtig und es verstößt sowohl gegen das Grundgesetz als auch gegen die Menschenrechte, zum einen für die Kinder, denen damit der Umgang mit dem Vater deutlich erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht wird, als auch des Vater, welcher selbstverständlich soviel Zeit wie möglich mit seinen Kindern verbringen möchte, dies aber nicht kann weil ihm dafür finanziell einfach die Möglichkeiten genommen werden. Es ist nur fraglich, warum dagegen juristisch scheinbar nichts helfen soll können bzw. sich niemand findet, dass mal so aufzubereiten, dass es gerichtlich anerkannt wird. So furchtbar schwer und wenig einleuchtend für unsere Richter(innen) sieht es doch gar nicht aus ...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×