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06.07.2012

16:57 Uhr

Stimmt es, dass...

Wird der Klub der reichen Länder kleiner?

VonNorbert Häring

Mit dem globalen Wohlstand wächst auch der Ressourcenverbrauch. Dabei entsteht ein interessantes Phänomen: Geringverdiener in reichen Ländern müssen sich gegenüber Armen in Schwellenländern zunehmend einschränken.

Norbert Häring ist Handelsblatt-Korrespondent in Frankfurt und Buchautor. Bernd Roselieb für Handelsblatt

Norbert Häring ist Handelsblatt-Korrespondent in Frankfurt und Buchautor.

Unsere Erde ist endlich. Gleichzeitig wächst etwa in China und Indien die Wirtschaft und damit der Ressourcenverbrauch. Auch Osteuropa holt von sehr niedrigen Einkommens- und Lohnniveaus aus rasch auf. Das Wachstumsmodell ist jeweils exportorientiert und mit hohen Investitionen in neue Produktionskapazitäten verbunden.

Die massive Zunahme des Rohstoffverbrauchs der aufstrebenden Länder hat zu einem massiven Anstieg der Rohstoffpreise geführt. Denn die Kapazitäten sind schnell aufgebraucht, wenn sowohl Industrieländer als auch Schwellenländer stark wachsen. Auf dem globalen Wachstumszug können nicht alle großen Wirtschaftsblöcke gleichzeitig mitfahren.

Es müssen also entweder einige Länder zurückbleiben, oder der Zug fährt insgesamt langsamer. In Europa sind es die Länder auf mittlerer Einkommensstufe, die abgehängt werden. Als die EU noch aus einem sehr großen, starken Kern und einigen kleineren Peripherieregionen wie Irland, Spanien, Portugal, Süditalien und Griechenland bestand, konnte der Kern es leicht verkraften, der Peripherie per Direktinvestitionen genügend industrielle Kapazität abzugeben, so dass sie aufholen konnten.

Seit der Osterweiterung der EU gehen fast alle Direktinvestitionen nach Osten, wo die Löhne und Steuern noch viel niedriger sind, wenn sie nicht gleich nach China gehen. Gleichzeitig stieg die Importrechnung der Peripherieländer wegen der sich verteuernden Rohstoffe immer mehr an.

Kommentare (1)

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hanji

07.07.2012, 01:36 Uhr

Die Analyse kann ich gut nachvollziehen. Aber wegen des verengten Blicks auf Europa passt die Ueberschrift doch nicht zur ganzen Realitaet. Der Klub der reichen Laender wird weltweit immer groesser. Da sind zunaechst die - zugegeben kleinen - superreichen Oelstaaten Kuwait, V.Emirate, Katar und Brunei. Und dann die soliden Industriestaaten Ostasiens: Singapur, Taiwan, Suedkorea. Erstere haben Westeuropa an Wohlstand laengst ueberholt. Letztere sind in Sachen Infrastruktur, Finanzen, Export- und Innovationskraft an uns vorbeigezogen. Ein Blick auf OECD Statistiken genuegt. Die Gewinner des Schwellennlaenderbooms sind also neben Deutschland vor allem in Ostasien. Und Portugal, Griechenland, Spanien waren doch nie wirklich reiche Industrielaender. Die haben nur mit geliehenen Euros ein paar Jahre so getan als ob. Bis es den Glaeubigern auffiel ...

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