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27.09.2012

11:31 Uhr

Stimmt es, dass...

Wird Inventur des Bundesbank-Goldes zur Staatsaffäre?

VonNorbert Häring

Die Bundesbank muss den deutschen Goldschatz einer Inventur unterziehen. Ein Großteil des Schatzes lagert bei der Federal Reserve Bank of New York, die keine unabhängige Prüfung zulässt. Kommt es zur Staatsaffäre?

Nicht alle deutschen Goldreserven liegen wie diese in Frankfurt. dpa

Nicht alle deutschen Goldreserven liegen wie diese in Frankfurt.

Anfang des Jahres überstellte der Rechnungshof der Bundesbank einen Bericht. Darin stellte er fest, dass die Bundesbank rechtlich verpflichtet sei, unseren Goldschatz von 133 Milliarden Euro, der zum großen Teil bei der Federal Reserve Bank of New York lagert, einer Inventur zu unterziehen. Die Bundesbank verweigert diese. Im Frühjahr forderte der Haushaltsausschuss vom Rechnungshof dieses Gutachten an. Dieser teilte mit, der Bericht werde binnen weniger Wochen übermittelt.

Es sollte nur eine Stellungnahme der Bundesbank und ein abschließendes Resümee der Rechnungsprüfer angehängt werden. Eine erneute Nachfrage in dieser Woche ergab das gleiche Ergebnis. Innerhalb einiger Wochen, „wohl noch im Oktober“ werde der Bericht den Parlamentariern zugehen. Es gehe um „schwierige Rechtsfragen“ heißt es von Bundesbank und Rechnungshof zur Erklärung.

Das ist wenig überzeugend. Denn seit Jahren muss sich die Bundesbank mit parlamentarischen Anfragen zu dem Thema auseinandersetzen. Eigentlich genügend Zeit für das halbe Hundert Bundesbank-Juristen, eine Rechtsmeinung zu entwickeln. Es scheint, als habe der Rechnungshof Angst vor der eigenen Courage bekommen, seit die Bundesbank ihm die potenziellen diplomatischen Verwicklungen eines Inventurwunsches erklärt hat.

Die Federal Reserve von New York, eine privatwirtschaftlich verfasste Niederlassung der US-Notenbank, verwaltet nicht nur Bundesbankgold, sondern auch Gold der USA und von weiteren Nationen. Eine unabhängige Inventur lässt sie nicht zu. Entsprechende Forderungen von US-Parlamentariern blockt sie ab. Wie kann sie da das deutsche Gold unter Aufsicht zählen lassen? Wenn es beim Lagerort allein um praktische Erwägungen ginge, könnte die Bundesbank die Konsequenz ziehen und das Gold abholen.

Norbert Häring

Norbert Häring ist Korrespondent in Frankfurt.

Falls sie das aber nicht ohne massive diplomatische Verwicklungen tun kann, steckt sie in der Klemme. Die Parlamentarier beweisen unterdessen Engelsgeduld und Einsichtsfähigkeit. Selbst der aufmüpfige Vorsitzende der Jungen Union, Philipp Mißfelder, der im Frühjahr mit der „Bild“-Zeitung im Tross zur Goldbesichtigung nach New York fuhr und sich bis August kämpferisch gab, ist inzwischen in Sachen Goldreserven nicht mehr zu sprechen.

Die Abgeordnete Erika Steinbach wollte Mitte August in einer parlamentarischen Anfrage an die Bundesregierung wissen, wann das deutsche Gold das letzte Mal durch „körperliche Inaugenscheinnahme“ überprüft worden ist. Nun ist sie nach eigener Aussage mit der Antwort vollständig zufriedengestellt, dass es eine jährliche „Buchinventur“ gebe. Das Feld für eine Überstellung des hochnotpeinlichen Rechnungshofberichts, vermutlich an die Geheimschutzstelle des Parlaments, scheint gut bestellt.

Kommentare (18)

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Hagbard_Celine

27.09.2012, 11:52 Uhr

Deutschlands Goldreserven gehören in den Tresor der EZB zusammen mit den Reserven der anderen Euro Staaten, in den USA oder England haben die rein gar nichts zu suchen.

Unser Gold lagert also bei einer Firma im Ausland wo wir es nicht einmal begutachten dürfen ?

Warum mag das wohl so sein ?

Welche Hintergedanken unsere "Freunde" mögen da wohl eine Rolle gespielt haben ?

Adenauer

27.09.2012, 11:53 Uhr

Es gibt Thesen, welche besagen, dass es im Rahmen der Besatzung Deutschlands, der Überleitungsverträge, nach dem 2. Weltkrieg Geheimverträge gibt, welche u.a. bis 2099 eine Stationierung incl. Stationierungskosten der US-Truppen, den sogenannten Kanzler Erlass (s.a. das Buch von ehm. MAD General Komossa) und die Lagerung des Goldes in den USA vorsehen. Da die "freie Presse" und die Medien nach WK 2 von den Amerikanern übernommen wurden ist es der Tod jedes Politikers sich gegen atlantische Interessen zu wenden. Westerwelle war innerhalb nur 1 Woche nach seiner "falschen" Abstimmung zum Lybien Einsatz den Parteivorsitz los und kam in den Medien fast nicht mehr vor.

Klartext

27.09.2012, 11:53 Uhr

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dies ist seit langem der erste Artikel zu einem politisch brisanten Thema, der die notwendige journalistische Distanz wahrt und daher objektiv und sachlich nüchtern die Tatsachen darstellt. Insbesondere wurde auf die subversive Propaganda verzichtet, mit der sonst in solchen Artikeln gezielt Desinformation betrieben wird und/oder die politische Meinung gesteuert werden soll.

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