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13.06.2012

11:57 Uhr

Stimmt es, dass...

Wird unser Gold auf gut Glauben verwaltet?

VonNorbert Häring

Der Großteil des deutschen Goldschatzes liegt bei ausländischen Unternehmen. Ob es da immer noch ist, weiß niemand so genau. Es fehlen Transparenz und Kontrolle. Aber stimmt das wirklich?

Begehrter Reserven: Die Bundesrepublik hält 3700 Tonnen Gold. dpa

Begehrter Reserven: Die Bundesrepublik hält 3700 Tonnen Gold.

DüsseldorfDer Großteil des deutschen Goldschatzes, der 3 400 Tonnen wiegt, ist in ausländischem Besitz. Die Bundesbank hält nur Zertifikate, die ihren Eigentumsanspruch verbriefen. Für die meisten besorgten Anleger, die aus Misstrauen gegen papierne Ansprüche ihr Geld privat in Gold angelegt haben, wäre das zu wenig. Sie würden auch kaum auf die Idee kommen, ihr Gold - anstatt es in einen Safe oder ein eigenes Schließfach zu legen - einer Bank anzuvertrauen, ohne je nachzusehen oder nachsehen zu dürfen, ob es tatsächlich da ist. Wer so vertraut, braucht kein Gold.

Für ihre Weigerung, eine Inventur ihres im Ausland gelagerten Goldes vorzunehmen, beruft sich die Bundesbank auf Gepflogenheiten unter Zentralbanken und die Vertrauenswürdigkeit der Verwahrer. Den Großteil verwahrt ein ausländisches privates Unternehmen im Besitz der New Yorker Finanzinstitute. Auf die jährliche Bestandsbestätigung dieses Unternehmens verlässt sich die Bundesbank seit Jahrzehnten blind. Die Rede ist von der Federal Reserve Bank von New York. Wie alle zwölf regionalen Notenbanken des Federal Reserve System gehört sie den jeweiligen Mitgliedsinstituten, also Banken. Diese dominieren den Aufsichtsrat, welcher wiederum den Präsidenten auswählt. Bis vor einigen Jahren wurde der Status der Federal-Reserve-Banken als private Unternehmen gut kaschiert. Erst als die New York Fed offenlegen sollte, wem sie welche Rettungsgelder gegeben hatte, berief sie sich darauf, dass das Informationsfreiheitsgesetz für Privatunternehmen nicht gelte.

Norbert Häring

Norbert Häring ist Korrespondent in Frankfurt.

Die New York Fed verweigert jede Stellungnahme dazu, wie sie zu einer Inventur der ausländischen Goldreserven unter ihrer Obhut steht. Was soll sie auch sagen? Sagt sie "kein Problem", steht die Bundesbank blamiert da, sagt sie, "wir wollen das nicht", geht ein Sturm der Entrüstung los. Die Bundesbank gibt keine Auskunft darüber, ob die Federal Reserve etwas dafür berechnet, das deutsche Gold zu verwahren. Das könnte wichtig werden, wenn einmal nachgezählt würde und etwas fehlte. Vieles an Schwund könnte man notfalls mit den Lagerkosten von Jahrzehnten begründen.

Eine Theorie, warum die Bundesbank nicht nachzählt oder nachzählen darf, lautet, ein Teil des Goldes sei an Banken verliehen und nicht zurückgegeben worden. Eine andere besagt, das Gold lagere nicht zufällig, sondern als Faustpfand für Wohlverhalten bei den ehemaligen Besatzungsmächten USA, Großbritannien und Frankreich. Deshalb dürfe die Bundesbank gar nicht darüber verfügen. Widerlegen lassen sich solche Theorien nur durch Transparenz und Kontrolle. Heute, wo der Bestand des Euros in Gefahr scheint, ist Vertrauen in die Verfügbarkeit unseres Goldschatzes wichtig wie selten.

Kommentare (2)

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WFriedrich

13.06.2012, 16:35 Uhr

Die Einhaltung der Rahmenbedingungen für den bleibenden Erfolg des Euro wurde ebenfalls nicht kontrolliert. Wer hat also anderes betreffend das Volksvermögen "Gold" erwartet? Die seit Längerem Raum greifende Vermutung, das Gold sei Faustpfand oder könnte durch unsere Bündnispartner veruntreut worden sein, ist ein schändliches, rückwärtsgewandtes Resultat der Unterlassung unserer Inventurpflicht. Es ist nicht Aufgabe der FED oder US-Nationalbank sich mit dieser Folge der unterlassenen Kontrollpflicht auseinander zu setzen. Andere wäre die Umkehr von Verantwortung.

Account gelöscht!

13.06.2012, 19:06 Uhr

Die große Frage ist doch, wie ist dieser Goldbestand entstanden und wer hat diesen mit welcher gesetzlichen Grundlage zu dem Aufbewahrungsort transferiert. Oder sind diese Verantwortlichen mittlerweile alle verstorben und es wurden keine Aufzeichnungen gemacht. Dieses wäre dann eigenmächtiges Handeln auf höchster Ebene.
Wahrscheinlich gehören uns auch keine Währungsreserven in größerem Wert mehr und wir müssen nach wie vor den Vorgaben der Alliierten folgen.

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