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11.01.2011

17:12 Uhr

Streit über Geldpolitik

US-Notenbanker riskiert Großkonflikt mit Bernanke

Die Federal Reserve hatte im November ein neues, rund 600 Milliarden Dollar schweres Ankaufprogramm für US-Staatsanleihen beschlossen. Fed-Chef Bernanke hatte für die Maßnahme bereits heftige Kritik aus dem Ausland einstecken müssen. Jetzt bekommt er auch innerhalb der US-Notenbank kräftigen Gegenwind.

Unter Beschuss: Ben Bernanke. Quelle: Reuters

Unter Beschuss: Ben Bernanke.

HB PHILADELPHIA. Die aggressiven Bondkäufe der Federal Reserve könnten nach Ansicht eines hochrangigen Notenbankers zu schlimmen Folgeschäden führen. Sobald die Konjunkturerholung in den Vereinigten Staaten an Fahrt aufnehme, müsse das im Spätherbst beschlossene zweite Kaufprogramm für Staatsanleihen überdacht werden, forderte der Chef der regionalen Fed von Philadelphia, Charles Plosser, am Dienstag.„Die Aggressivität unserer extrem konjunkturstimulierenden Geldpolitik könnte sich gegen uns wenden, wenn wir nicht beginnen sie graduell zu verändern“, sagte Plosser, in diesem Jahr stimmberechtigtes Mitglied des Offenmarktausschusses, des wichtigsten geldpolitischen Entscheidungsgremiums der Fed.

Die Federal Reserve hatte im November ein neues, rund 600 Milliarden Dollar schweres Ankaufprogramm für US-Staatsanleihen beschlossen. Sie will mit dem so in die Wirtschaft gepumpten Geld die anhaltend lahme Konjunktur und vor allem den immer noch unter der Krise leidenden Arbeitsmarkt auf Trab bringen. Für die so ausgelöste Geldschwemme war Bernanke im In- und Ausland heftig kritisiert worden. Experten fürchten unter anderem, dass die auf vollen Touren rotierenden Gelddruckmaschinen der Fed schon bald zu einem Teuerungsschub führen könnten.

Auch Plosser sieht dies so. Die von Bernanke und anderen führenden US-Notenbankern vertretene Auffassung, die Inflation sei gefährlich niedrig und könnte schlimmstenfalls so weit sinken, dass eine Abwärtsspirale zu schwerwiegenden Schäden für die Wirtschaft führe, sei zu pessimistisch, sagte er. „Wenn die Inflationsrate mit aktuell 1,5 bis zwei Prozent auf einem Niveau liegt, dass viele Geldpolitiker gut finden, dann folgt daraus nun nicht unbedingt, dass Deflation droht oder dass sie sehr wahrscheinlich wäre.“

Die Fed hatte ihr zweites Ankaufprogramm zum einen mit der mauen Situation des Arbeitsmarktes, aber auch mit der nach Einschätzung einiger Notenbanker zu niedrigen Teuerungsrate begründet. In den USA liegt die Arbeitslosenquote trotz jüngster Hoffnungszeichen immer noch über neun Prozent und damit für dortige Verhältnisse ungewöhnlich hoch. Plosser sagte, er gehe davon aus, dass die Zahl der Beschäftigten in der nächsten Zeit steigen werde.

Auch Bernanke hatte sich Ende vergangener Woche positiver als zuletzt zur Entwicklung der US-Wirtschaft geäußert. Er ist aber wie die meisten anderen Entscheidungsträger in der Fed noch weit entfernt davon, die Stützungsmaßnahmen der Notenbank, zu denen auch das zweite Ankaufprogramm gehört, zurückfahren zu wollen.

Plosser gilt als geldpolitischer Hardliner, der lieber früher als später die Geldpolitik wieder straffen würde. Die Fed hatte in der Krise ihren Leitzins auf rekordniedrige null bis 0,25 Prozent gekappt sowie zudem massiv Anleihen in ihre Bilanz genommen und auf diese Weise die Geldmenge aufgebläht.

Kommentare (3)

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Politikverdruss

11.01.2011, 19:14 Uhr

Haben die keynesianischen Verirrungen der Obama-Regierung bald ein Ende?

k.h.a.

11.01.2011, 19:35 Uhr

bernanke`s QE 2 bewirkt keinesfalls mehr Arbeitsplätze - im Gegenteil wächst die Arbeitslosigkeit beständig weiter. Das liegt auch daran, daß die industrie sowie Teile der Dienstleister in hohem Maße ihre "Produktion" auslagern und damit in USA Arbeitsplätze dauerhaft verlorengehen. Dieselben Unternehmen tragen dennoch zum US-GDP bei (und steigern ihre US-Gewinne) indem ihre etwa in China für wenig Geld produzierten high-tech-Produkte zum neun- bis zehnfachen desselben aus USA heraus weltweit verkauft werden. Auch dieser Vorteil vergeht in dem Moment, wo die Unternehmen - aus welchen Gründen auch immer - ihren Sitz in die Karibik oder sonstwohin verlegen. Das beständig wachsende US-Proletariat wird eines Tages gegen diese Versager im Amt auf die Straße gehen - vielleicht noch bevor es die Chinesen in ihrer Heimat tun werden.

artur

11.01.2011, 19:49 Uhr

Die Finanzpolitik des Wohlfahrtstaates macht es erforderlich, dass es für Vermögensbesitzer keine Möglichkeit gibt, sich zu schützen. Dies ist das schäbige Geheimnis, dass hinter der Verteufelung des Goldes durch die Vertreter des Wohlfahrtstaates steht. Staatsverschuldung ist einfach ein Mechanismus für die "versteckte" Einteignung von Vermögen. Gold verhindert diesen heimtückischen Prozess. Es beschützt Eigentumsrechte.
Wenn man das einmal verstanden hat, ist es nicht mehr schwer zu verstehen, warum die befürworter des Wohlfahrtstaates gegen den Goldstandard sind. (Allan Greenspan 1966 Gold und Wirtschaftliche Freiheit)

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