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21.01.2013

11:33 Uhr

Studie

Deutsche Verbraucher haben mehr Geld in der Tasche

Mehr Geld, mehr Konsum? Die Tariflöhne- und gehälter in Deutschland sind im vergangenen Jahr merklich gestiegen, das ergab eine Studie des WSI-Instituts. Nun stehen wieder Verhandlungen in Schlüsselbereichen an.

Mehr im Geldbeutel: Die Tariflöhne sind gestiegen. dpa

Mehr im Geldbeutel: Die Tariflöhne sind gestiegen.

BerlinDie deutschen Verbraucher haben im vergangenen Jahr wieder mehr Geld in der Tasche gehabt. Die Tariflöhne- und gehälter stiegen im Schnitt um 2,7 Prozent, wie das gewerkschaftsnahe WSI-Institut am Montag mitteilte. Im Gegensatz zu 2011 blieb den Konsumenten damit nach Abzug der Inflation wieder ein Plus von 0,7 Prozent im Geldbeutel. „Anders als im Vorjahr sind die tariflichen Grundvergütungen 2012 real wieder gestiegen“, sagte der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Reinhard Bispinck. Bei den Effektivlöhnen, die auch für nicht tarifgebundene Arbeitnehmer gelten und die tatsächlichen Einkommen beziffern, gab es ein ähnliches Plus von 2,6 Prozent. Preisbereinigt blieben hier 0,6 Prozent übrig.

In der laufenden Tarifrunde stehen 2013 wieder Verhandlungen in Schlüsselbereichen an wie in der Metall- und Elektroindustrie, am Bau und im öffentlichen Dienst der Länder. Die bisherigen Tarifforderungen der Gewerkschaften bewegen sich zwischen 5,0 und 6,5 Prozent.

Konjunkturell bläst der Wirtschaft auch in diesem Jahr Gegenwind ins Gesicht. Nach einem Wachstum von 0,7 Prozent im vorigen Jahr geht etwa die Bundesregierung für 2013 nur noch von einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes um 0,4 Prozent aus. Allerdings dürfte es nach dem schwachen Winterhalbjahr ab Jahresmitte bergauf gehen. „Vor diesem Hintergrund und angesichts des krisenhaften Umfeldes in vielen europäischen Ländern kommt einer dauerhaften Stärkung der Binnennachfrage gerade in Deutschland aktuell eine besondere Bedeutung zu“, sagte Bispinck. „Die Tarifpolitik kann dazu einen aktiven Beitrag leisten.“

Die größten Inflationsrisiken für Deutschland

Lohn-Preis-Spirale

Wegen der guten Konjunktur haben die Gewerkschaften kräftige Lohnerhöhungen durchgesetzt: Die Chemie-Beschäftigten bekommen 4,5 Prozent, die Metaller 4,3 Prozent mehr Geld, mit einer Laufzeit von rund einem Jahr. Die Beschäftigten bei Bund und Kommunen handelten ein Plus von 6,3 Prozent für zwei Jahre aus. Unternehmen und Staat werden versuchen, die höheren Personalkosten aufzufangen, indem sie ihre Preise beziehungsweise Gebühren und Abgaben anheben. Verteuert sich die Lebenshaltung dadurch merklich, werden die Gewerkschaften in der nächsten Lohnrunde einen Ausgleich verlangen. Es droht eine Spirale, bei der sich Löhne und Preise gegenseitig nach oben schaukeln.

Lockere EZB-Geldpolitik

Bei ersten Anzeichen für eine Lohn-Preis-Spirale müsste die EZB ihre Zinsen anheben. Mit teurerem Geld kann sie Konsum und Investitionen drosseln, was die Nachfrage und damit den Preisauftrieb dämpfen könnte. Aus Rücksicht auf die schwere Wirtschaftskrise in Ländern wie Spanien wird die Zentralbank ihren Leitzins aber wohl noch längere Zeit auf dem Rekordtief von einem Prozent lassen - oder sogar weiter senken. Die extrem niedrigen Zinsen aber können den Konsum im prosperierenden Deutschland weiter befeuern und die Preise anheizen.

Schwacher Euro

Wegen der eskalierenden Schuldenkrise steht der Euro unter Abwertungsdruck. Mit rund 1,25 Dollar ist er so billig wie seit Sommer 2010 nicht mehr. Das Problem: Deutschland als rohstoffarmes Land muss Öl, Metalle und andere Materialien im Ausland kaufen. Auf dem Weltmärkten werden die Rohstoffe überwiegend in Dollar abgerechnet. Ein schwächerer Euro macht damit deutsche Importe teurer.

Enorme Liquidität

Zusätzliche Gefahren gehen von der Politik der Europäischen Zentralbank aus, den Finanzhäusern billiges Geld in Hülle und Fülle zur Verfügung zu stellen. Allein Ende 2011 und Anfang 2012 hat sie mehr als eine Billion Euro zum Zins von aktuell einem Prozent für drei Jahre in den Finanzsektor gepumpt. Zieht die Kreditvergabe an die Unternehmen erst einmal an, kann das viele Geld schnell in Inflation münden.

Von

rtr

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

21.01.2013, 11:42 Uhr

"Deutsche Verbraucher haben mehr Geld in der Tasche"

Also bei allem Respekt!!! So langsam kommt es mir so vor als wäre die damalige DDR PRopaganda ein Milchmädchen gewesen im Gegenzug zu dem absoluten Blödsinn den man den Bürgern heute erzählt. Mehr Geld in der Tasche.....sorry da fehlen mir die Worte!

HofmannM

21.01.2013, 12:35 Uhr

Was soll dieser Schwachsinn! Mehr Geld für den Konsum???
Auch wenn es mehr Geld, per Tariferhöhung gegeben haben sollte, ist damit nicht ausgedrückt, dass diese Geld für Konsum vorhanden ist!
Alleine die Energiekosten und die Mietsteigerung haben diesen Effekt einer evlt. Tariferhöhung komplett weg gemacht! Im Gegenteil! Das Leben in Deutschland wird durch immer mehr kostentreibende und unsinnge Gesetze und Verordnungen (EEG,Einsparenergieverordnung,Hygienevorschriften usw.) zum LUXUS!!!
Dieser Luxus hat nichts mehr mit Konsum bzw. Wohlstand zu tun, sondern ist zum nackten überleben in einer politisch dekanden medial verzerrten deutschen Ideologiewelt geworden.
Solche Studien dienen nicht mehr der Wahrheit, sondern tragen mehr Lug und Trug einer ökosozialistischen Ideologie in sich!

Rechner

21.01.2013, 12:47 Uhr

Herr Berwanger,

Sie sollten 'mal lieber die Realität akzeptieren als bei jeder Nachricht die Ihren vorgefaßten Fehlmeinungen widerspricht "DDR Propaganda" zu schreien.

Zwar sind die Tariflöhne nicht alleiniger Gradmesser für die Einkommensentwicklung der Arbeitnehmer insgesamt - aber zusammen mit der guten Arbeitsmarktentwicklung ist es schwer vorstellbar daß bei den Einkommen der Arbeitnehmer 2012 'was anderes als ein reales Plus herausgekommen sein kann.

Und das sollte deutlich höher sein als der 0,7% reale Anstieg der Tariflöhne.

Denn die Lohnsteuereinnahmen sind erheblich gestiegen:

"Die Kasseneinnahmen der Lohnsteuer entwickelten sich auch im November 2012 erfreulich günstig (7,8 % über dem Niveau des Vorjahresmonats)."

So berichtet das Bundesministerium für Finanzen.

http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Monatsberichte/2012/12/Inhalte/Kapitel-5-Wirtschafts-und-Finanzlage/5-2-steuereinnahmen-von-bund-und-laendern.html?view=renderPrint

...

Wenn man von dem Anstieg 2% für die Geldentwertung und (großzügig geschätzt) 2% für die kalte Progression veranschlagt, dann bleiben immer noch 3,8% Einkommenszuwachs übrig.

Wovon der geringere Teil auf Lohnverbesserungen zurückzuführen ist, während der Hauptteil auf Mehrarbeit durch Arbeitsaufnahme vorher nicht beschäftigter oder Erhöhung der Stundenzahl insbesondre bei geringfügig beschäftigten zurückzuführen sein dürfte.

+++

Das Lohnsteueraufkommen ist ein wesentlich besserer Wohlstandsmesser als das Tariflohnniveau.

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