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12.01.2010

11:56 Uhr

Superreich der Mitte

Stark wie nie startet China ins neue Jahr

China meldet sich mit Paukenschlägen zurück aus der Krise: Exportweltmeister, Zinserhöhungen, neues Raketenabwehrsystem - Das Reich der Mitte strotzt vor Selbstvertrauen. Doch können die Chinesen wirklich zum großen Gegenspieler der Amerikaner werden?

Kurschart in China: Reich der Mitte boomt wieder. Reuters

Kurschart in China: Reich der Mitte boomt wieder.

HB PEKING. Ist China eine neue Supermacht? Das Reich der Mitte wird noch dieses Jahr zur zweitgrößten Volkswirtschaft nach den USA aufsteigen und Japan überholen. Von Deutschland übernimmt China den prestigeträchtigen Titel des Exportweltmeisters. Mit den weltgrößten Devisenreserven fungiert China als Hausbank und größter Kreditgeber der hoch verschuldeten, angeschlagenen USA. Während die Bedeutung der letzten verbliebenen Supermacht USA abnimmt, steigt China zum gewichtigen Mitspieler auf der Weltbühne auf - ist heute so stark wie nie zuvor. Mit dem ersten Test eines Raketenabwehrsystems am Montag unterstrich China jetzt noch seine gewachsene militärische Stärke.

Zudem hat die chinesische Zentralbank die Zinssätze für einjährige Staatsanleihen überraschend deutlich angehoben und damit erneut eine leichte Straffung ihrer Geldpolitik signalisiert. Sie erhöhte den Zinssatz für einjährige Papiere in einem Volumen von umgerechnet rund zwei Milliarden Euro erhöhte am Dienstag um rund acht Basispunkte auf 1,8434 Prozent. In den 20 vorangegangenen Auktionen hatte sie die Kurzläufer zu einem unveränderten Satz angeboten, Händler rechneten mit einer Verteuerung um lediglich vier Basispunkte. Zudem will die Zentralbank in dieser Woche eine Rekordsumme von 200 Milliarden Yuan an Liquidität vom Markt abziehen. Erst vorige Woche hatte sie die Zinssätze für Drei-Monatspapiere überraschend deutlich erhöht.

Die jüngsten Wirtschaftsdaten aus China - ein boomender Export und Import Ende 2009 sowie eine hohe Kreditvergabe zum Jahresbeginn - hatten bei Experten Sorgen vor einer Überhitzung der Konjunktur aufkommen lassen. Es wird bereits seit längerem darüber spekuliert, wann die Regierung in Peking die Fiskal- und Geldpolitik wieder strafft. Erst am Montag kündigte der Finanzminister des Landes indes an, die Wirtschaft auch im neuen Jahr mit verschiedenen Maßnahmen anzukurbeln.

Bei seinem "Antrittsbesuch" am Freitag in Peking wird der neue Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) auf ein gewachsenes Selbstbewusstsein der chinesischen Führer stoßen. Experten sind sich einig, dass die globale Wirtschaftskrise die Machtkonstellationen in der Welt zugunsten Chinas verschoben hat. Mit einem eindrucksvollen Wachstum von acht Prozent erweist sich China - trotz eigener Probleme - als Lokomotive der Weltkonjunktur. "Es ist ganz offensichtlich: China ist ein aufstrebendes Land, während die Macht der USA relativ gesehen abnimmt", stellt die Forscherin Yu Yingli vom Shanghaier Institut für internationale Studien fest. "Die Fähigkeit der USA, die Führungsrolle in der Welt zu übernehmen, wird zunehmend schwächer."

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