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20.12.2016

04:34 Uhr

Tapie-Affäre

IWF spricht Lagarde das Vertrauen aus

In einem spektakulären Prozess wird IWF-Chefin Christine Lagarde schuldig gesprochen, auf ihrem früheren Posten als französische Finanzministerin fahrlässig gehandelt zu haben. Der IWF hält ihr dennoch die Stange.

Der gute Ruf ist unantastbar: Nicht nur der Internationale Währungsfonds hält Christine Lagarde trotz Schuldspruchs für vertrauenswürdig. Reuters

IWF-Vorsitzende Christine Lagarde

Der gute Ruf ist unantastbar: Nicht nur der Internationale Währungsfonds hält Christine Lagarde trotz Schuldspruchs für vertrauenswürdig.

Paris/WashingtonDer IWF hat seiner Chefin Christine Lagarde auch nach dem Urteil eines Pariser Sondergerichts das Vertrauen ausgesprochen. Das erklärte der IWF-Vorstand am Montagabend in Washington. Lagarde war zuvor schuldig gesprochen worden, in ihrer Zeit als französische Finanzministerin fahrlässig im Amt gehandelt zu haben.

Der IWF erklärte, man habe alle relevanten Faktoren in Betracht gezogen, darunter auch die herausragende Führung des IWF durch Lagarde und das weltweite Vertrauen, das diese Führung genieße. „In diesem Zusammenhang erneuert der Vorstand das uneingeschränkte Vertrauen in die Fähigkeiten seiner Direktorin, ihre Pflichten effektiv fortsetzen zu können.“ Im Bezug auf die schwierigen Herausforderungen der Weltwirtschaft sehe man der weiteren Zusammenarbeit mit Zuversicht entgegen, hieß es weiter.

Urteil gegen IWF-Chefin

Tapie-Affäre: Gericht spricht IWF-Chefin Lagarde schuldig

Urteil gegen IWF-Chefin: Tapie-Affäre: Gericht spricht IWF-Chefin Lagarde schuldig

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Lagarde sagte, sie wolle nun nach vorne schauen und ihre Arbeit fortsetzen. „Es gibt einen Punkt, an dem man einfach innehalten, eine Seite umblättern und weitermachen muss“, sagte Lagarde am Montagabend (Ortszeit) in Washington. Sie sei sehr glücklich damit, keine Berufung gegen das Urteil einzulegen und all ihre Aufmerksamkeit auf ihre Arbeit an der IWF-Spitze zu konzentrieren.

Der Gerichtshof der Republik hatte die 60-Jährige am Montag schuldig gesprochen, verhängte aber keine Strafe. Der Vorwurf in dem Prozess lautete, Lagarde habe in einem höchst komplexen Rechtsstreit nachlässig entschieden und damit eine Veruntreuung öffentlicher Gelder ermöglicht. Sie selbst hatte beteuert, nach bestem Gewissen gehandelt zu haben.

Das Pariser Urteil hatte laut Kommentatoren Lagardes Glaubwürdigkeit in Frage gestellt. Laut früheren Angaben aus IWF-Kreisen gibt es aber keine Vorschrift, nach der Lagarde im Falle eine Verurteilung zwingend ihr Amt aufgeben müsste.

Das Gericht setzte sich über die Staatsanwaltschaft hinweg, die für Freispruch plädiert hatte. Lagarde hörte das Urteil nicht; sie war bereits in Washington, sagte ihr Anwalt Patrick Maisonneuve.

Im Mittelpunkt des Prozesses stand die Affäre um den schillernden Ex-Minister und Geschäftsmann Bernard Tapie. Lagarde stimmte 2007 einem Schiedsverfahren zu, um einen langwierigen Rechtsstreit mit Tapie beizulegen. Als die Schiedsmänner dem Unternehmer daraufhin eine hohe Summe von mehr als 400 Millionen Euro zusprachen, verzichtete Lagarde auf einen Einspruch. Im Kern kreidete das Gericht Lagarde an, diesen Einspruch nicht eingelegt zu haben.

Kommentare (2)

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Herr Leo Löwenstein

20.12.2016, 08:49 Uhr

Und wieder mal zeigt sich, so mancher ist gleicher als gleich.

Und da fragen sich die Politiker und diejenigen, die sich für die Eliten halten, warum die Menschen sich von Ihnen abwenden?
Kein Ehrgefühl, keine Scham ......die Gier frisst alles auf, Hauptsache die eigene Machtposition bleibt bestehen.

Herr Chic Petitchen

20.12.2016, 11:24 Uhr

Echt jetzt? Die Staatsanwaltschaft wollte Freispruch? Keine Strafe? Ist wohl ein Witz.

Und der IWF spricht einer Betrügerin das Vertrauen aus. Was sagt das über den IWF?
Für mich ist immer klarer: An den Machstellen sitzen zunemhmend korrupte und krimminelle Figuren, die die Masker immer weiter fallen lassen.

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